Kirchen Wenige Fälle von Kirchenasyl in Thüringen während der Corona-Pandemie

In der Corona-Pandemie hat es in Thüringen nur wenige Fälle von Kirchenasyl gegeben. Wie die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland mitteilte, gibt es derzeit sieben Fälle von Kirchenasyl im Land. Sie gelten für insgesamt zehn Erwachsene und drei Minderjährige.

Ein Kreuz liegt auf einem Tisch.
Im Kirchenasyl sollen Flüchtlinge vorübergehend vor einer Abschiebung geschützt werden. Kirchengelände genießen jedoch rechtlich keine Ausnahmestellung. Bildrechte: Colourbox.de

Sie sind geflohen vor den Taliban in Afghanistan, dem Bürgerkrieg in Syrien oder der schwierigen Lage im Iran. Das Kirchenasyl ist für diese Menschen oft die letzte Möglichkeit, dass sie nicht abgeschoben werden. Deshalb spricht sich der evangelische Landesbischof Friedrich Kramer auch klar dafür aus. Zwar gebe es den Rechtsstaat mit sinnvollen Regeln, aber Kramer gibt zu bedenken, dass manchmal rein formal entschieden wird - ohne die konkrete Situation der Menschen im Blick zu haben.

In der Katholischen Kirche hat es in Thüringen seit 2019 keinen Fall von Kirchenasyl gegeben. Nach Angaben eines Sprechers können die ohnehin schon kleinen Gemeinden das weder personell noch finanziell stemmen. Die Menschen im Kirchenasyl müssten ständig betreut und mit Lebensmitteln und allem Notwendigen versorgt werden.

Bundesamt prüft Kirchenasyl im Einzelfall

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge teilte mit, dass im Einzelfall geprüft werde, ob eine besondere, unverhältnismäßige Härte vorliegt. Werde diese nicht festgestellt, müssten die abgelehnten Asylbewerberinnen und Asylbewerber innerhalb von drei Tagen nach der Mitteilung das Kirchenasyl verlassen. Man sehe das Kirchenasyl "nur als Ultima Ratio". Es stelle kein eigenes Rechtsinstitut dar, sondern werde als Ausdruck einer christlich-humanitären Tradition respektiert. Ein unverhältnismäßiger Gebrauch gefährde diese Tradition.

Das Bundesamt zählte im Jahr 2021 deutschlandweit 822 Kirchenasylmeldungen mit 1.231 Menschen. Die gemeldeten Kirchenasylfälle stellten ganz überwiegend keine Härtefälle dar. Dennoch führe die Ablehnung des Bundesamtes nur in begrenztem Umfang zum Verlassen des Kirchenasyls: Im Jahr 2021 verließen die Betroffenen in keinem Fall das Kirchenasyl nach einer ablehnenden Entscheidung.

Seit über 30 Jahren wird in Deutschland Kirchenasyl praktiziert und dadurch Flüchtlingen in kirchlichen Räumen Schutz gewährt.

Quelle: MDR, dpa (mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. Januar 2022 | 12:00 Uhr

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