Betreuung Personalnot in Kindergärten erschwert Aufnahme ukrainischer Kinder

Mädchen und Jungen aus der Ukraine, die in Thüringen angekommen sind, sollen in den Kindergarten gehen können. Doch Personalausfälle aufgrund der Corona-Pandemie erschweren die Situation in vielen Kommunen.

Kindergartenkinder sitzen an einem Tisch.
Die Personalausfälle aufgrund von Corona-Infektionen spüren auch die Kindergärten in Thüringen. Bildrechte: dpa

Erhebliche Personalprobleme in Thüringer Kindergärten erschweren nach Einschätzung mehrerer Kommunen die Aufnahme möglichst vieler Kinder aus der Ukraine.

Wegen coronabedingten Ausfällen durch Krankmeldungen, Quarantäne oder Isolation kommt es etwa in Weimar und Jena zu Personalengpässen. Diese erschweren oder verhindern der Stadtverwaltungen zufolge eine Belegung freier Kindergartenplätze.

Kita-Plätze in Weimar und Jena nicht belegt

In Jena mit etwa 330 nicht belegten Plätzen müssten deswegen aktuell einzelne Kita-Gruppen oder sogar ganze Kindergärten geschlossen werden, teilte eine Stadtsprecherin mit. Auch in Weimar, wo derzeit etwa 200 Plätze nicht belegt sind, stelle die Aufnahme ukrainischer Kinder für die Kindergartenträger wegen Personalengpässen eine große Herausforderung dar, hieß es aus der Stadtverwaltung.

Trotzdem lehnen beide Kommunen Überlegungen ab, den gesetzlich vorgeschriebenen Betreuungsschlüssel für die Aufnahme von ukrainischen Flüchtlingskindern aufzuweichen.

Kommunen spüren Personalmangel in Kitas

Die Kreisverwaltung Schmalkalden-Meiningen kann sich vorstellen, den Betreuungsschlüssel an den Einrichtungen zumindest anzupassen. Zwar dürfe er auch in Zukunft nicht vollständig ausgesetzt werden, sagte ein Sprecher des Landratsamtes. "Überlegungen, ob dieser leicht nach unten korrigiert werden sollte oder könnte, sollten durch das Land auf alle Fälle mit in Erwägung gezogen werden."

Auch in den Gemeinden Schmalkalden-Meiningens seien nicht alle verfügbaren Plätze in den Kindergärten belegt. Auch hier verhindere dies der Mangel an Fachpersonal.

Jena plädiert für ukrainisches Personal

Um ohne Veränderungen des Betreuungsschlüssels möglichst viele ukrainische Kinder in den Kindergärten unterbringen zu können, muss nach übereinstimmender Einschätzung der Kommunen mehr Personal dort arbeiten. Das Land könne dies erleichtern, indem es über Ausnahmegenehmigungen auch Nicht-Fachkräften die Arbeit dort ermögliche. Die Stadtverwaltung Jena plädiert zudem dafür, auch ukrainisches Personal unkompliziert in die Kindergärten zu holen.

Ministerium arbeitet an Lösung

Das Thüringer Bildungsministerium will in den kommenden Tagen einen Vorschlag erarbeiten, wie ukrainische Kinder in den Kindergärten betreut werden können. Ein Sprecher sagte MDR THÜRINGEN, es würden verschiedene Möglichkeiten geprüft.

So habe die Stadt Erfurt beantragt, in ihren Einrichtungen fünf Prozent mehr Kinder betreuen zu dürfen als eigentlich erlaubt. Möglich ist nach Angaben des Ministeriums zudem, das Personal in den Kindergärten mit ukrainischen Helferinnen und Helfern aufzustocken.

Schulpflicht auch für ukrainische Kinder

Auch an den Thüringer Schulen werden in den kommenden Monaten zahlreiche weitere ukrainische Kinder erwartet - möglicherweise mehr als in den Kindergärten, da in Deutschland eine Schulpflicht besteht, aber keine Kindergartenpflicht. Zuletzt hieß es aus mehreren Kommunen in Thüringen, es werde eine große Kraftanstrengung nötig sein, ausreichend Unterrichtsräume für sie zu finden.

Mehr zu Flüchtlingen aus der Ukraine

MDR (mm)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 12. April 2022 | 19:00 Uhr

15 Kommentare

Sozialberuflerin vor 24 Wochen

Wo kein Kläger, da kein Richter!

Solange Eltern nichts für ihre Kinder, in diesem Sinne tun, wird sich daran nichts ändern

Päd. Fachkräfte, die demonstrieren, werden verlacht und höchsten mit ein paar Prozentchen mehr Gehalt ruhig gestellt!

Aber an den Rahmenbedingungen ändert es nichts, im Gegenteil, es kommen solche Überlegungen wie im Artikel noch dazu!

Eltern müssen hier viel aktiver werden!
Mehr für ihre Kinder fordern und für bessere Bedingungen kämpfen

Lehrer, Sozialarbeiter und Erzieher suchen sich Stellen, die ihren Vorstellungen am nächsten kommen (und oft nicht in Thüringen)
Und wer die besten Konditionen bietet, muss nicht über Personalmangel, zu niedrigen Betreuungsschlüßel oder hohe Krankheitswellen klagen!
Dann ist Integration jeglicher Art, bedürfnisorientiert und sinnvoll auch umsetzbar!

Klappt... Wenn man will und es zu lässt!
Hier ist das leider nicht so

OttoE vor 24 Wochen

Der Betreuungsschlüssel ist so schon grottenschlecht....wer da über Überbelegung nachdenkt sitzt scheinbar nur am Schreibtisch.
Traumatisierte Kinder ohne Sprachkenntnisse und Personal ,dass schon lange über der Belastungsgrenze arbeitet....vielleicht will Herr Holter ja noch ein bißchen an den Kitas kürzen...und an Schulen...und Sozialarbeit....die Kassen müssen ja aufgefüllt werden.....man fragt sich wo da der gesunde Menschenverstand bleibt.

Echter-Nordhaeuser vor 24 Wochen

Weiß nicht was hier für ein Hype gemacht wird wenn Personal erkrankt ist dann ist das halt so. Wenn unsere Kinder zu Hause bleiben mussten weil das Personal im Kindergarten krank war hat uns auch keiner gefragt wie wir das hin bekommen. Egal welche Flüchtlinge ins Land kommen werden alle Hebel in Bewegung gesetzt aber wenn wir was hatten oder haben, geht nicht haben wir nicht können wir nicht.

Mehr aus Thüringen