DDR-Aufarbeitung Bischöfin begrüßt Debatte um Christen-Diskriminierung

Die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, hat sich in die Debatte um die Aufarbeitung von Diskriminierung von Christen in der DDR eingeschaltet. Sie sagte der evangelischen Wochenzeitung "Glaube + Heimat", sie sei froh, dass Thüringens Staatskanzleichef Benjamin-Immanuel Hoff Fehler und Versäumnisse bei der Aufarbeitung eingeräumt habe. Mit den klaren und differenzierten Worten hätten er und seine Partei den kritischen und selbstkritischen Gesprächsraum zu dem Thema eröffnet.

Schwerter zu Pflugscharen
Anfang der 1980er-Jahre wurden Träger des Aufnähers "Schwerter zu Pflugscharen" verfolgt Bildrechte: dpa

Hoff hatte am Wochenende eine bis heute nachwirkende Christen-Diskriminierung in der DDR eingeräumt. Die beim Amtsantritt von Rot-Rot-Grün versprochene Aufarbeitung der Geschichte würdige dieses Thema noch nicht ausreichend: "Die Kritik von Christen am Bericht der Landesregierung zum Stand der Aufarbeitung der SED-Diktatur ist berechtigt", so Hoff. Vor allem die Ungleichbehandlung in der Bildungspolitik sei die wohl nachhaltigste Auswirkung der SED-Diktatur. Zuvor hatte bereits Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) gesagt, dass es für ihn die Opfergruppen der Christen in der DDR gebe.

Hintergrund für die Debatte ist die die Nichtbeachtung der Christen im Landesbericht zum Stand der Aufarbeitung sowie die Äußerungen der dafür zuständigen Staatssekretärin Babette Winter (SPD) in "Glaube + Heimat". Sie hatte gesagt, dass die Christen in der DDR keine besondere Opfergruppe seien. Sie selbst wisse "von sieben Fällen, in denen die Aktivität in der Kirche zu einem Eingriff seitens des Staates in die Lebensbiografie geführt hat". Die Betroffenen erhielten Entschädigungen für gesundheitliche Schäden durch die Verfolgungsmaßnahmen. Außerdem habe es keine Anfrage an die Regierung zum Thema Christenfeindlichkeit gegeben.

Die Äußerungen hatten zu einer Verstimmung zwischen Regierung und Kirchen in Thüringen geführt.

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