Studie vorgestellt Thüringer Betriebe profitierten von DDR-Zwangsarbeit

Tausende Häftlinge haben zu DDR-Zeiten Zwangsarbeit in Thüringer Betrieben geleistet. Eingesetzt waren sie vor allem in der Maxhütte Unterwellenborn, wie aus einer Studie hervorgeht, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Bei dem Stahl- und Walzwerk gab es demnach ein eigens eingerichtetes Haftarbeitslager, das von 1950 bis 1987 existierte.

Auch die Schuhfabrik Altenburg, die Kammgarnspinnerei Gera, Carl Zeiss Jena, Simson Suhl, Optima Erfurt und Solidor Heiligenstadt profitierten laut der Untersuchung von unfreiwilliger Häftlingsarbeit. Sogar zum Bau der Skisprungschanze im Oberhofer Kanzlersgrund wurden Gefangene verpflichtet. Für seine Studie hatte der Berliner Politikwissenschaftler und Theologe Christian Sachse Hunderte Dokumente ausgewertet. Sie belegen, dass die Zwangsarbeit in der DDR offenbar von Beginn an als zentral gesteuertes System der wirtschaftlichen Ausbeutung angelegt war. Im Zuge der Untersuchungen war bekannt geworden, dass auch West-Firmen Produkte aus DDR-Häftlingsarbeit bezogen, darunter die Möbelhaus-Kette Ikea.

Taubert fordert Firmen zur Entschädigung auf

Insgesamt haben laut Studie rund 600 Betriebe in der DDR Häftlinge als Zwangsarbeiter eingesetzt. Sachse sagte, der Einsatz von Häftlingen sei ein staatlich gelenktes System wirtschaftlicher Ausbeutung und politischer Repression gewesen. Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, nannte die Studie einen "klaren Beleg dafür, dass den politischen Häftlingen in der DDR systematisch Unrecht geschah".

Thüringens Sozialministerin Heike Taubert forderte die Wirtschaft zu Entschädigungen auf. Profiteure der Zwangsarbeit müssten die Verantwortung übernehmen und Wiedergutmachung leisten. Das seien sie den betroffenen Menschen schuldig. "Ich rege einen Fonds an, in den Firmen je nach damaligem Umsatz anteilig einzahlen", sagte sie.

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