75 Jahre Kriegsende Das Nazi-Gold in Merkers

Hitlers letzter Schatz im Bergwerk

Die Berliner Reichsbank ließ ab Februar1945 Tonnen Gold, Diamanten und Disivisen in den Salzstock bei Merkers lagern. Doch auch hier war es nicht sicher vor den Feinden.

Goldbarren im historischen Goldraum in Merkers
Goldbarren im historischen Goldraum in Merkers Bildrechte: MDR/Jörg Thiem

Bei diesem Fund staunten die US-Soldaten nicht schlecht. In einem Salzstock der Bergbaugemeinde Merkers existierte ein Labyrinth aus Stollen und riesigen Hohlräumen, in denen die Amerikaner eine der wichtigsten Entdeckungen ihrer Offensive machten. Denn in der Grube Kaiseroda, in der sonst Kalisalz abgebaut wurde, lagerte die Berliner Reichsbank mehrere Tonnen Gold und Divisen.

Als Soldaten der 3. Armee von General Patton sich von Unterbreizbach her näherten, erfuhren sie von Zwangsarbeitern, dass in den Wochen zuvor Schätze in einem nahen Bergwerk eingelagert worden waren. Am 7. April ließen sich die Soldaten zu dem Schacht führen, wo sie vor einer verschlossenen Stahltür standen. Am Morgen des 8. April 1945 wurde der Zugang zu dem gigantischen Tresor schließlich gesprengt. Als die Männer den Raum betraten, fanden sie tausende Kisten und Säcke mit Gold- und Platinbarren, Diamanten, Reichsmarkmünzen und Fremdwährungen verschiedener Länder.

Gold, Kunst und Raubgut

80 Prozent der Gold- und Devisenreserven des untergehenden NS-Reiches sollen es gewesen sein. Außerdem stapelte sich in den riesigen Kammern eine enorme Zahl an Kunstschätzen aus Berliner Museen. Unter anderem die Nofretete-Büste, Riemenschneiders "Vier Evangelisten" sowie Werke von Rembrandt, Dürer, Cranach, Rubens, Boticelli und Manet. Ein Großteil des Fundes war Raubgut. Viele Kisten und Säcke trugen die Aufschrift "Melmer", die auf den SS-Hauptsturmführer Bruno Melmer wiesen, der den Transfer von Gold- und Wertsachen aus den Konzentrationslagern auf das Konto der SS leitete. Dazu gehörten vielfältige Gegenstände wie Zigarettendose oder Zahngold, die um Platz zu sparen mit Hammerschlägen geplättet waren.

Historischer Goldraum im Kalischacht Merkers.
Bildrechte: MDR/Jörg Thiem

Grundlage für diese Lagerung war ein sogenannter Führerbefehl vom 6. März 1945. Er verfügte die Sicherung von Kunst- und Kulturgütern. Ab Mitte Februar waren 22 Züge aus Berlin nach Erfurt geschickt worden, von wo aus sie weiter nach Merkers transportiert wurden. Die Zahl der Transporte von Berlin nach Thüringen ist gut dokumentiert. Angestellte der Reichsbank überwachten die Einlagerung in den Schacht durch Zwangsarbeiter. Nur ein kleiner Kreis war eingeweiht. In 500 Metern Tiefe sollten die Schätze vor den Kriegseinwirkungen geschützt sein. Ein General hatte den Auftrag, beim Herannahen der Amerikaner die Schächte des Bergwerkes zu sprengen. Erst nach mindestens zwei Jahren sollte eine Bergung wieder möglich sein. Bis dahin, so die Vorstellungen der Nazis, sollte sich die Lage im Reich wieder beruhigt haben. Doch dazu kam es wegen des schnellen Vorstoßes der Amerikaner nicht mehr.

Am 12. April eilte auch General Dwight D. Eisenhower persönlich zur Ortsbesichtigung nach Merkers. Gemeinsam mit den Generälen Patton, Bradley und Eddy fuhren sie um 10:30 Uhr mit einem Korb in die Tiefe um den Schatz des zerfallenen Reiches und das Beutegut zu inspizieren. Für einige Wochen geriet Merkers in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Das Auffinden dieses Schatzes und die Grubenfahrt von General Eisenhower sorgten weltweit für Schlagzeilen. Eisenhower schrieb später darüber: "In Koffer und Truhen und andere Behälter gestopft lag da eine große Masse an Gold- und Silberzeug und -schmuck, augenscheinlich zusammengeraubt aus privaten Wohnstätten in ganz Europa."

Gestopft in Koffer, Truhen und andere Behälter, lag da eine große Menge an Gold- und Silberzeug und -schmuck, augenscheinlich zusammengeraubt aus privaten Wohnstätten in ganz Europa.

Dwight D. Eisenhower

Was aus dem Schatz wurde

Obwohl laut dem Abkommen von Jalta Anfang Februar 1945 die Amerikaner die Grube in Merkers, an die Sowjets hätten übergeben müssen, schafften sie die Gold-Vorräte und Kunstwerke aus dem als "Sowjetische Zone" deklarierten Gebiet. Ab dem 14. April fuhr dafür ein Konvoi aus 32 Lkw, begleit von zehn mobilen Flakgeschützen, mehreren Flugzeugen und fünf Zügen Infanterie zur Reichsbank in Frankfurt am Main. Trotz aller Vorkehrungen kamen unterwegs drei Lastwagen abhanden, deren Verbleib unklar ist. Die Verteilung des Schatzes durch die Alliierten lässt sich nur grob nachvollziehen. Bis heute fehlen genaue Frachtlisten.

Fest steht, dass der Schatz von Merkers zu den wohl wichtigsten Beuten der Alliierten zählt, dessen Fund auch einen nicht unbedeutenden Teil zum weiteren Verlauf und dem nahen Ende des Krieges beigetragen hat. Die Beute sollte zu Teilen auch zum Tilgen von Kriegsreparationen dienen, und mit Hilfe des "Marshall-Plans" Europa nach der Zerstörung wieder aufbauen. 1946 gründeten die Westalliierten die Tripartite Gold Commission um das vom Deutschen Reich erbeutete Währungsgold an die Ursprungsländer zurückzugeben. Die Geldbestände dieses Fonds betrugen 337 Millionen Vorkriegsdollar, wovon die europäischen Notenbanken einen Großteil als Entschädigung erhielten. Wegen des Kalten Krieges dauerte es jedoch Jahrzehnte bis osteuropäische Staaten und jüdische Opferverbände einen Anteil erhielten.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 08. April 2020 | 18:00 Uhr

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