Studenten sitzen in einem Hörsaal.
Etwa sechs Prozent der Medizin-Studienplätze an der Universität in Jena sollen über eine Landarztquote vergeben werden. Bildrechte: picture alliance / Peter Kneffel | Peter Kneffel

Angehende Ärzte Thüringen bekommt Landarztquote - Zugang zu Medizin-Studium erleichtert

13. Juni 2024, 13:02 Uhr

Um leichter einen Medizin-Studienplatz zu erhalten, können sich Interessierte künftig dazu verpflichten, nach dem Studium in ländlichen Regionen in Thüringen zu arbeiten. Der Landtag beschloss dafür eine Landarztquote bei Studienbewerbern. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) bergüßte das Gesetz, forderte aber eine Erhöhung der Quote.

Studienplätze der Allgemeinmedizin und Zahnmedizin werden in Thüringen künftig zum Teil über eine Landarztquote vergeben. Ein entsprechendes Gesetz wurde am Mittwoch im Landtag verabschiedet. Demnach soll es eine Vorabquote bei der Vergabe dieser Studienplätze an der Friedrich-Schiller-Universität Jena geben.

Verpflichtung zu Arbeit als Landarzt für mindestens zehn Jahre

Studierenden sollen sich künftig für mindestens zehn Jahre verpflichten, nach dem Studium als Haus- oder Zahnarzt in ländlichen Regionen zu praktizieren. Etwa sechs Prozent der Studienplätze sollen so vergeben werden. Die Abiturnote solle bei diesem Kontingent dann nicht die entscheidende Rolle spielen.

Ärztevertreter begrüßen neue Regelung

Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT) begrüßt das Gesetz zur Thüringer Hausarztquote grundsätzlich. Angesichts von mehr als 100 unbesetzten Hausarztsitzen werde dieses Förderinstrument mehr denn je gebraucht, sagte die KV-Vorsitzende Annette Rommel. Sie wünsche sich aber auch, dass künftig zudem Fachärzte gefördert werden, um einem künftigen Mangel schon im Vorfeld entgegenzutreten. Außerdem müsse die Quote von sechs auf zehn Prozent erhöht werden, damit die angehenden Ärzte, die in Thüringen studieren, auch wirklich in Thüringen bleiben.

Auch für die Landesärztekammer sei die Landarztquote ein wichtiger Baustein gegen den Ärztemangel, wie der Präsident Hans-Jörg Bittrich am Donnerstag mitteilte. In der aktuellen Situation seien jegliche Ideen, die einen Beitrag zur Sicherung von Fachleuten in Thüringen leisten, willkommen, so Bittrich.

FDP kritisiert Gesetz - CDU reklamiert Erfolg für sich

FDP-Gesundheitspolitiker Robert-Martin Montag hingegen kritisierte das Gesetz. Man setze eine Idee um, die keine Wirkung zeigen werde. Der CDU-Gesundheitspolitiker Christoph Zippel sagte, das Gesetz seit überfällig gewesen. Es gebe ein strukturelles Fachkräfteproblem im Gesundheitssektor. Mit der Einführung der Landarztquote erreiche man eine Steuerung. Seiner Ansicht nach reiche die angepeilte Quote von sechs Prozent aber nicht aus. Die CDU reklamiert für sich, auf die Einführung der Landarztquote gedrungen zu haben. Ursprünglich war die Quote nur für Hausärzte gedacht, aber nun soll sie auch für angehende Zahnärzte kommen.

Mehr zum Medizinstudium und Ärztemangel in Thüringen

MDR (dpa/jn/ost)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. Juni 2024 | 20:00 Uhr

13 Kommentare

Anni22 vor 4 Wochen

@ Lulu Natürlich geht das, wenn die Note 2 real vergeben wird. Also in Bayern eher, als in Bremen!
Ob jemand eine 1 oder 2 im Abi schafft, sagt allerdings nichts übers eine "Empatiefähigkeit" aus.

Anni22 vor 4 Wochen

@ Harka Wenn jemand mit einem 2er Abi das Arztstudium nicht schafft, dann ist das Abitur zu leicht gewesen. Setzen Sie doch bitte da wieder an! Strenge Benotung in der Schule und Leistungen in Mathe, Physik, Bio und Chemie abfragen!
Ein NC sollte übrigens für alle Studiengänge eingeführt werden. Ab einem Abitur von 3,0 sollte es gar kein Studienplatz mehr geben, dann erstmal einen Beruf lernen, das wär sinnvoll!

DIT vor 4 Wochen

Na, dann schauen wir mal: Die Höhe der Vertragsstrafe kann man im Einzelfall bei den Verwaltungsgerichten überprüfen lassen. 250.000 EUR werden es nur in den seltensten Fällen werden ("Härtefall", "Familie", "Kinder" etc.)

Mein Rat: Unterschreiben und sofort nach dem Studienabschluss in München eine Privatarztpraxis aufmachen. Wenn es läuft, sind die maximal 25.000 EUR Zusatzkosten pro Jahr (250.000 EUR / 10 ) rasch wieder eingespielt.

Aber immerhin: Könnte etwas teurer werden als an den alternativen Refugien von nicht so dollen Abiturienten: privaten Hochschulen, ggf. im Ausland.

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