124. Deutsche Ärztetag Thüringer Landesärztekammer fordert ambulante Ethikberatung

Die Thüringer Landesärztekammer fordert, nicht nur in stationären Einrichtungen sondern auch ambulant bei medizinischen Fragen einen Ethikberater hinzuziehen zu können. Etwa beim Thema ärztlich assistierter Suizid.

Ein Becher mit einer Flüssigkeit wird übergeben
Ärztlich assistierte Sterbehilfe ist nur ein Thema, das Ärzte in Grenzbereiche ihrer humanitären Entscheidungsfindung bringt. Bildrechte: imago images/sepp spiegl

Niedergelassene Ärzte sollen sich künftig bei schwierigen medizinethischen Fragen von Fachleuten beraten lassen können. Diese Forderung bringen die Thüringer Delegierten beim heute und morgen stattfindenen Deutschen Ärztetag ein. Im vergangenen Jahr war die Veranstaltung wegen der Corona-Pandemie ausgefallen, diesmal findet sie online statt.

Ethikkomitees bislang nur in stationären Einrichtungen

Bislang gibt es die Beratung durch Ethikkomitees nur in stationären Einrichtungen, beispielsweise in Krankenhäusern.  Derartige Beratungsstellen auch für Ärzte in Praxen seien wichtig „damit die Kolleginnen und Kollegen nicht nur in Fragen des Beistandes für Sterbende, sondern auch in anderen ethischen Grenzsituationen fachlich geschult unterstützt werden“ könnten, heißt es im Antrag der Landesärztekammer.

Fragen wie ärztlich assistierter Suizid auch ambulant ein Thema

Der Hintergrund: Im Februar 2020 hatte das Bundesverfassungsgericht festgelegt, dass das allgemeine Persönlichkeitsrecht in Artikel 2 des Grundgesetzes auch ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben umfasst. Dieses Recht umfasse auch die Freiheit, sich das Leben zu nehmen und hierbei auf die freiwillige Hilfe Dritter zurückzugreifen, so die Richter.

Daraus ergeben sich auch Konsequenzen für Ärzte. Die Thüringer Landesärztekammer führt aus, dass es um die Frage "des ärztlich assistierten Suizids, aber auch andere Fragestellungen, die ethische Grundfragen betreffen und den Arzt in den Grenzbereich humanistischer Entscheidungen bringen" gehe. Solche Grenzbereiche werden zum Beispiel bei der Entscheidung zur künstlichen Ernährung oder der Trennung von Zwillingen im Mutterleib erreicht.

Daher haben die Delegierten einen Antrag eingebracht, der es Ärzten in Zukunft ermöglichen soll, sich in solch schwierigen Fragen an geschulte Ethikberater wenden zu können.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache gesund | 06. Mai 2021 | 21:00 Uhr

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