Landespolitik Thüringer AfD-Landtagsfraktion schrumpft weiter

Die AfD im Thüringer Landtag ist nur noch drittstärkste Fraktion hinter Linken und CDU. Tosca Kniese ist aus der Fraktion ausgetreten. Zur Begründung nennt sie sozialpolitische Positionen von Björn Höcke.

Mehrere AfD-Abgeordnete im Thüringer Landtag.
Landtagsabgeordnete Tosca Kniese nennt Vorstellungen von Fraktionschef Björn Höcke als Grund für ihren Austritt. Bildrechte: dpa

Die AfD-Politikerin Tosca Kniese ist aus der Landtagsfraktion ihrer Partei ausgetreten. Kniese erklärte bei MDR THÜRINGEN, sie wolle ihr Mandat behalten und künftig als fraktionslose Landtagsabgeordnete weiter Oppositionspolitik machen.

Verweis auf Höckes "solidarischen Patriotismus"

Ihren Schritt begründete sie mit sozialpolitischen Vorstellungen von AfD-Chef Björn Höcke, die sie als Unternehmerin nicht weiter mittragen könne. Auf der Website The Germanz, die bereits am Sonntag über Knieses Absicht berichtet hatte, wurde die 43-Jährige deutlicher. Sie verwies auf die "von Björn Höcke und Stefan Möller unbeirrt vorangetriebene Idee des sogenannten solidarischen Patriotismus" als Grund für ihre Abkehr von Partei und Fraktion. Als "solidarischen Patriotismus" bezeichnet Höcke ein Sozialsystem, dessen Leistungen nur Deutschen zugutekommen.

Nachdem die AfD-Landtagsfraktion kürzlich erst den Abgeordneten Lars Schütze ausgeschlossen hatte, ist sie mit dem Austritt von Kniese jetzt auf 20 Abgeordnete geschrumpft. Damit stellt die AfD im Landtag nur noch die drittstärkste Fraktion hinter Linken und CDU.

Tosca Kniese
Landtagsabgeordnete Tosca Kniese ist diplomierte Wirtschaftsjuristin und eigenen Angaben zufolge Gesellschafterin und Prokuristin in einem mittelständischen Betrieb. Bildrechte: MDR/Tosca Kniese

Björn Höcke: Mandat zur Verfügung stellen

AfD-Chef Höcke nannte den Austritt in einer Pressemitteilung "menschlich eine große Enttäuschung". Er vermutet die Gründe für diesen Schritt im "höchstpersönlichen Bereich" und regt an, dass Kniese ihren Sitz im Landtag für einen AfD-Nachrücker freimacht.

Schritt für CDU-Chef "nicht überraschend"

CDU-Fraktionschef Mario Voigt nannte den Austritt Knieses "nicht überraschend". Immer mehr Mandatsträger kehrten der AfD den Rücken, weil diese immer radikaler werde. Moderate Stimmen würden konsequent aussortiert. Voigt sagte, Hauptziel der AfD sei es, den Staat verächtlich zu machen und Misstrauen zu säen, dabei seien die Themen völlig austauschbar.

Quelle: MDR (mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 06. Dezember 2021 | 10:00 Uhr

261 Kommentare

Anita L. vor 6 Wochen

"Wenn in Thüringen die Mehrheit der Wähler ganz links oder ganz rechts wählt, ist das alles andere als ein Zeichen für eine funktionierende Demokratie."

Da fragt man sich freilich, welche andere Form von Demokratie in den westlichen Bundesländern herrschen muss, denn dort wählen die Bürger bekanntlich - siehe auch Fakts Hinweis - nicht extrem. Und da sind wir wieder bei der Einschätzung des Foristen Wessi, der a.a.O. feststellte, dass den Bürgern im Osten ganz einfach 40 Jahre Demokratieerfahrung fehlen, dass sie stattdessen 40 Jahre Diktatur lebten und sich dabei ganz offenbar eine ziemlich krude Vorstellung von Demokratie erträumt haben müssen, die freilich mit der Realität einer Demokratie nichts zu tun hat. Ich frage mich allerdings, wie lange diese Bürger Ostdeutschlands noch brauchen wollen, bis sie endlich in der Wirklichkeit ankommen.

DER Beobachter vor 6 Wochen

Zu Harka2 zu Toska Kniese: Kann es sein, dass es nicht ganz zufällig ist, dass die A"f"D aus dem liberal-konservativen Hessen via Höcke/Kniese nach Thüringen zu drängen sucht ... ?

DER Beobachter vor 6 Wochen

Hm. Was ist eigentlich aus der nichtexistenten Partei geworden, der sie beitrat? Und was aus ihrem absurden Papier zur angeblichen Übersterblichkeit Geimpfter?

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