Landwirtschaft Dünger und Diesel: Kostentreiber für Thüringer Landwirte

Den Thüringer Landwirten laufen die Kosten davon. Zwar gab es dieses Jahr keine weitere Dürre, dafür wird Diesel immer teurer, der in den Betrieben für viele Maschinen gebraucht wird. Die Dünger-Preise sind in den vergangenen Wochen geradezu explodiert. Zugleich sinken etwa die Preise für Schweinefleisch. Diese gegenläufigen Trends können nicht lange gut gehen, fürchtet der Thüringer Bauernverband.

Ein Traktor zieht einen Pflug über ein Maisfeld
50 Liter Diesel pro Stunde verbraucht dieser Traktor beim Pflügen. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Für einen normalen Autofahrer sieht die Anzeige beängstigend aus. 587 Euro soll Andreas Schaumburg berappen, für 384 Liter Diesel. Doch Schaumburg ist natürlich kein normaler Autofahrer, sondern fährt eine große Landmaschine, die Grubber oder Pflüge über die Felder nahe Riethnordhausen hinter sich herzieht. "In den Tank passen 1.800 Liter, die Maschine hat 600 PS", sagt er stolz.

Und je nach Gerätschaft im Schlepptau werden an einem Zehn-Stunden-Arbeitstag zwischen 600 und 1.400 Liter Diesel verbraucht. Ein anderer Traktor braucht beim Pflügen eines abgeernteten Maisfelds etwa 50 Liter pro Stunde. Im Ernte-Quartal von Juli bis September hat die Universal-Agrar GmbH fast 170.000 Euro für Diesel ausgeben müssen.

Zapfsäule an einer Tankstelle
587 Euro für eine Tankfüllung: Gestiegene Dieselpreise machen den Bauern Sorgen. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Der Preis dafür ist deutlich niedriger als für normale Autofahrer, aber auch er ist zuletzt kräftig gestiegen. Kostete der Liter dank Steuer-Ermäßigung von Juli bis September 2020 im Schnitt 91 Cent, so waren es im gleichen Zeitraum dieses Jahr schon 1,16 Euro. "Und inzwischen sind es 1,22 Euro", sagt Klaus Wagner. Der Geschäftsführer ist zugleich Präsident des Thüringer Bauernverbands und weiß, dass die Preise in vielen Betrieben ein Problem sind.

Ein Traktor wird betankt. 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 27.10.2021 19:00Uhr 02:08 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Hunderttausende Euro Mehrkosten möglich

Doch dass Öl und Gas zuletzt deutlich teurer geworden sind, wirkt sich auch an anderer Stelle auf die Landwirtschaft aus. Stickstoff-Dünger braucht bei der Herstellung viel Energie. Einige Sorten haben sich dann als Folge im Preis binnen eines Jahres verdreifacht. "So einen Anstieg hatten wir bisher noch nicht. Innerhalb der letzten acht Wochen hat sich der Preis verdoppelt auf bisher nie dagewesene Höhen."

Pro Jahr habe sein Unternehmen bisher etwa 250.000 Euro für Dünger aufgewandt. Sofern sich die Preise nicht wieder beruhigten, "dann werden das im nächsten Jahr 500.000". Je nach Betriebsgröße stehen also allein durch Dünger und Diesel hunderttausende Euro Mehrkosten im Raum.

Dr. Klaus Wagner, Präsident des Thüringer Bauernverbandes
Auch Dünger ist teurer geworden: Landwirt und Bauernverbandspräsident Klaus Wagner. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Wie die Betriebe das verkraften, hängt daran, wie die Ernte nächstes Jahr ausfällt - und wie es anderswo läuft. Denn die Preise für Weizen oder Schweinefleisch seien Weltmarktpreise, bei denen nicht interessiere, ob in Deutschland eine CO2-Steuer mit Schuld daran sei, dass Bauern zu hohe Kosten hätten.

Sparpotenzial ist begrenzt

Bei Betrieben mit größeren Tierbeständen zeigten sich schon Probleme: "Wir haben Preisanstiege bei Futter, Energie, Kraftstoff - und gerade beim Schwein geringere Erlöse für Fleisch. Das zerdrückt die Betriebe." Höhere Kosten und weniger Erlöse - das bleibe als Folge immer weniger übrig. "Das kann kein Betrieb auf Dauer durchhalten." Einfach am Dünger sparen, das sei keine Lösung.

"Mit dem gehen wir ohnehin so sparsam um wie möglich." Und mit den Landmaschinen einfach langsamer fahren? "Nein, das funktioniert nicht", sagt Mitarbeiter Andreas Schaumburg. "Der würde seine Leistung nicht bringen. Wir haben die Maschine auch wegen ihrer 600 PS gekauft."

Traktor an einer Tankstelle
"Wir haben den Traktor auch wegen seiner 600 PS gekauft": Auf dem Acker langsamer fahren, um Sprit zu sparen, bringt nichts. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Den Dünger-Bedarf hat sein Chef bereits im Sommer teilweise eingekauft, damals noch günstiger als jetzt. Nun muss nur im Januar oder Februar spätestens geliefert werden. "Dann reicht das erstmal bis März. Dann hoffen wir, dass sich die Lage wieder stabilisiert hat."

Mehr zu steigenden Ölpreisen

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 27. Oktober 2021 | 07:00 Uhr

34 Kommentare

Hansi63 vor 5 Wochen

#Professor Hans, das kennen wir doch schon, Schuld sind immer die anderen und wenn es um die Russen geht dann ganz besonders !
Wieder einmal sehr wahre Worte von Ihnen !

Professor Hans vor 5 Wochen

Peter
So ein Unsinn
Die meisten Euro fließen nicht nach Russland sondern in das Staatssäckel von einer nimmer satten Regierung. Das können Sie an jeder Tanksäule lesen. 2/3 sind Steuern und Abgaben. Also keine Schauermärchen über die bösen Russen.

kleinerfrontkaempfer vor 5 Wochen

Wohl dem Bäuerlein welcher Gülle und Gärreste für seine Äcker nutzen kann. Dieses Verbundkonzept ist nicht neu. Das wäre wieder zukunftsträchtig bei einem neuen Umbau der Landwirtschaft.
Dank einer eisernen Nullzinspolitik der EZB ist hat die europäische Währung Saft und Kraft verloren. Und bezahlt wird auf den Weltmärkten in Dollar.

Mehr aus Thüringen