Kaum genutzte Chance Arbeitsagentur fördert Langzeitpraktikum für Berufseinsteiger

Bei der Berufssuche können junge Menschen ein bezahltes Langzeitpraktikum, auch Einstiegsqualifizierung EQ genannt, absolvieren. Die Bundesagentur für Arbeit finanziert sechs oder zwölf Monate mit je 250 Euro monatlich. Mit dem Ziel, dass nach dem Praktikum ein Ausbildungsvertrag abgeschlossen wird. Im Arbeitsamtsbezirk Gotha gibt es derzeit 13 Langzeit-Praktikanten. Im Vorjahr waren es 21. Das Angebot gibt es schon mehr als zehn Jahre - herumgesprochen hat es sich noch nicht.

Im zweiten Anlauf zur richtigen Ausbildung. Für die 17-jährige Lara Ehrlich aus Herbsleben im Unstrut-Hainich-Kreis kann das im Sommer klappen. Im Vorjahr hat sie eine Ausbildung als Physiotherapeutin begonnen und nach nur zwei Monaten abgebrochen. "Zu viel Schule, keine Praxis". Der Schülerin kamen Zweifel; sie brach die Ausbildung ab.

Nach einer Beratung bei der Arbeitsagentur Gotha kam sie mit der Firma GKN Sinter Metals Bad Langensalza ins Gespräch. Vier Wochen Probephase und dann ein Vertrag über eine sechsmonatige Einstiegsqualifizierung. Mit dem Ziel, ab August eine Lehre als Industriekauffrau zu beginnen.

Praktikum familär und hilfreich

Lara kümmert sich um die Firmengäste, macht Büroarbeiten und kümmert sich um die regelmäßigen Corona-Tests im Unternehmen. Sie führt auch die Tabellen. Parallel dazu lernt sie alle Bereiche des international tätigen Automobilzulieferers kennen.

Zwei Monate nach ihrem Neubeginn ist die 17-Jährige glücklich. Sie gehöre zum Team, sagt sie. Es sei familiär und hilfreich. Ausbildungschef Ronny Ludwig führt zum zweiten Mal ein "EQ" in der Firma. Das erste "EQ" hat ein späterer Verfahrensmechaniker absolviert.

Blonde junge Frau zeigt auf Firmenwerbung.
Für Lara Ehrlich ist das Praktikum der Einstieg in eine Berufsausbildung. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Geld für den Führerschein

Lara erhält monatlich 250 Euro plus Sozialversicherung. Ihr Praktikumsbetrieb legt freiwillig noch einmal 250 Euro drauf. "Das gehört zum guten Ton, deutlich mehr als den Mindestsatz zu zahlen", sagt Ronny Ludwig. Schließlich bringe die Praktikantin auch Leistungen, das müsse honoriert werden. Das Geld kann die Praktikantin sehr für den Führerschein gebrauchen, den sie so schnell wie möglich machen will.

Angebot nahezu unbekannt

In der Arbeitsagentur Gotha mit den Bereichen Gotha und Unstrut-Hainich-Kreis gibt es derzeit 13 derartige "EQ" - im Vorjahr waren es 21. "Das Angebot ist nahezu unbekannt", sagt Sylvia Rückmann vom Arbeitgeberservice der Agentur. Sie hat auch den Kontakt zwischen Lara Ehrlich und Ronny Ludwig hergestellt.

Viele Firmen müssen erst auf das Angebot hingewiesen werden. Während der Lockdowns haben viele junge Menschen noch mehr Probleme mit der Berufsfindung, sagt der Gothaer Agenturchef Johannes Langkamp. Die Schulpraktika reichen nicht aus. Oftmals sind Eltern oder die besten Freundinnen die Ratgeber.

Drei Personen stehen in einer Werkshalle.
Die Arbeitsagentur Gotha bringt Firmen und junge Menschen zusammen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Lara Ehrlich hatte als Schülerin zwei Praktika absolviert. Eines im Tourismusbereich und eines in einer Physiotherapie. Mit dem dritten, deutlich längerem Praktika sei sie nun bei ihrem Traumberuf Industriekauffrau angekommen. Ab 1. August will sie eine Ausbildung in ihrem Praktikumsbetrieb beginnen. Die Entscheidung dazu fällt in spätestens zwei Monaten.

Ausbildung in Thüringen

MDR (nis)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 16. März 2022 | 17:40 Uhr

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