Union Thüringer Politik: Überwiegend Kritik an Laschet-Nominierung

Armin Laschet ist der Kanzlerkandidat der Union bei der Bundestagswahl im September. Thüringer Politiker sehen das überwiegend kritisch. Thomas Kemmerich (FDP) spricht von einem unwürdigen Schauspiel beim Auswahlprozess, Innenminister Georg Maier (Linke) wirft Laschet Ideenlosigkeit vor.

Armin Laschet (CDU, l), Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, und Markus Söder (CSU), Ministerpräsident des Landes Bayern
Armin Laschet (CDU, l.) hat sich nach langem Ringen gegen den Wunschkandidaten der CSU, Markus Söder, durchgesetzt. Bildrechte: dpa

Die Nominierung von Armin Laschet als CDU-Kanzlerkandidat stößt in Thüringen überwiegend auf Kritik. Linke-Landeschef Steffen Dittes sagte MDR THÜRINGEN, das CDU-Schauspiel um die Kanzler-Kandidatur habe dem politischen Betrieb in Gänze nicht gut getan. Bei Laschet sei zudem nicht klar, für welche Politik er stehe. Laut Dittes ist davon auszugehen, dass sich die internen Streitigkeiten in der Union fortsetzen. Es gebe in der CDU einen Richtungsstreit. Das zeige auch die Debatte um eine Kandidatur von Hans-Georg Maaßen in Südthüringen. Dieser stehe für ein völlig anderes und eigentlich demokratie-abträgliches Politikkonzept, so Dittes.

Kanzlerkandidat Laschet bei Pressekonferenz 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Di 20.04.2021 19:00Uhr 01:59 min

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Georg Maier: CDU gespalten - Regierungsrolle fraglich

SPD-Landeschef Georg Maier bezeichnete das CDU-Verfahren zur Laschet-Nominierung als Katastrophe. Es sei gut, dass der Streit um die Kanzlerkandidatur zwischen Laschet und Söder vorbei sei. Auch nach Ansicht von Maier bleibt die Union gespalten. In der Partei gehe es nur um Macht. Von einer Programmatik und von Ideen für das Land habe man von Laschet noch nichts gehört. Laut Maier ist es fraglich, ob die CDU bei einer Regierungsbildung nach der Bundestagswahl überhaupt eine Rolle spielen wird.

Kemmerich: Unwürdiges Schauspiel

Thomas Kemmerich, Thüringens neu gewählter Ministerpräsident, gibt ein Statement im Landtag. Die FDP-Fraktion hat Kemmerich vor dem dritten Wahlgang im Landtag als Kandidaten benannt. Er wurde überraschend zum Regierungschef gewählt.
Thomas Kemmerich. (Archivbild) Bildrechte: dpa

FDP-Landeschef Thomas Kemmerich sprach ebenfalls von einem unwürdigen Schauspiel um die Kandidatur. Es sei gut, dass jetzt das Ringen um die besten Ideen im Vordergrund stehen könne. Nach Ansicht von Kemmerich eröffnet die Kandidatur von Armin Laschet die Chance auf eine schwarz-gelbe Koalition im Bund. CDU und FDP hätten unter einem Ministerpräsidenten Laschet in Nordrhein-Westfalen bereits bewiesen, dass sie gut zusammenarbeiten könnten. Kemmerich besuchte in Aachen als Kind das gleiche Gymnasium wie Laschet.

Thüringer Grüne: Votum der Jungen Union übergangen

Der Landessprecher der Thüringer Grünen, Bernhard Stengele, sieht die Union ebenfalls in interne Querelen verstrickt. Die Kuh sei noch nicht vom Eis. Zum Beispiel sei das Votum, das die große Mehrheit der Jungen Union für Söder abgegeben habe, übergangen worden, sagte Stengele MDR THÜRINGEN. Der Konflikt in der Union werde daher entweder wieder offen ausbrechen oder sich wie Mehltau auf den Bundestagswahlkampf legen.

Die Thüringer AfD gab kein eigenes Statement ab, sondern verwies auf eine Äußerung der stellvertretenden Bundes-Sprecherin Beatrix von Storch. Sie wirft der Union vor, dass Laschet in Wahrheit die, so Storch wörtlich,  "vergrünte Politik von Merkel von der Energiewende bis hin zur unkontrollierten Masseneinwanderung fortsetzen werde."

Scharfe Kritik auch von Thüringer CDU

Zuvor hatte bereits Thüringens CDU-Landeschef Christian Hirte die Nominierung Laschets durch den Bundesvorstand kritisiert. An der Basis habe es eine klare Präferenz für Markus Söder gegeben. Auch bei den konservativen Wählern in Thüringen sei der CSU-Chef besser angekommen. Es wäre besser gewesen, wenn der Vorstand dem mehrheitlichen Willen der Basis nachgekommen wäre und Markus Söder zum Kanzlerkandidaten gemacht hätte, so Hirte. Er selbst habe im Bundesvorstand für eine gemeinsame Linie mit der Basis geworben. Die Basis nun nachträglich zu überzeugen, sei mühsam. Armin Laschet werde Schwierigkeiten haben, dort akzeptiert zu werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 20. April 2021 | 18:00 Uhr

15 Kommentare

gefr75 vor 2 Wochen

Frau Lengsfeld ist nun wirklich keine Person, die ernst genommen werden könnte....
Unterm Strich wird's für mich erfrischend interessant zur Bundestagswahl. Das die CDU sich ungezwungen selbst in eine solche
Situation bringt, ...gut für die anderen Parteien.

Kleingartenzwerg vor 2 Wochen

Ich denke Deutschland hat gegenüber anderen Ländern in vielerlei Hinsicht so viel aufzuholen, dass die uns Experimentalpolitik nicht mehr leisten können.

ralf meier vor 2 Wochen

Eine erste Wahlprognose von Forsa nach der Entscheidung für Laschet zeigt es deutlich: CDU 21% Grüne 28 %.

Der Einschätzung von Vera Lengsfeld 'Merkel ist die Kanzlerin von Rot-Grün' folgend, kann man da nur sagen:

Herzlichen Glückwunsch Frau Merkel: Mission completed.


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