Bildung Drei-Punkte-Plan soll akuten Lehrermangel beheben

Der Lehrermangel wirkt sich immer stärker auf den Unterricht aus. Mittlerweile gebe es Schulen, an denen nur drei Tage in der Woche unterrichtet werde, klagt die CDU. Bildungsminister Holter will gegensteuern. Ein Drei-Punkte-Plan soll es richten.

Ein Schild "Der Unterricht fällt heute aus!"
Personalmangel führt auch in Thüringen zu massivem Unterrichtsausfall. Bildrechte: dpa

Der Stundenplan der 6b der Erfurter Gesamtschule Steigerblick hat im Moment einige Lücken. Mathe fällt aus – weil der Lehrer krank ist. Englisch fällt aus – weil die Lehrerin an einer anderen Schule unterrichtet. Am Mühlhäuser Tilesius-Gymnasium sind die Aussichten nicht besser. Die Eltern sind informiert, dass für die siebten Klassen in den nächsten vier Wochen 40 Schulstunden ausfallen werden, in verschiedenen Fächern. Bei den achten Klassen sind es 24 Schulstunden.

Unterricht nur an drei Tagen

Wieder ein anderes Beispiel nennt Christian Tischner, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag: "Ich weiß von Schulen, da wird nur an drei Tagen unterrichtet, weil an den anderen Tagen keine Lehrer vorhanden sind."

Lehrermangel an Thüringer Schulen ist seit Jahren ein Thema. Doch diesmal sind die Sorgenfalten bei den bildungspolitischen Sprechern tiefer denn je. 762 offene Stellen meldet das Karriere-Portal des Bildungsministeriums. Für Christian Tischner nur die Spitze des Eisberges. „Ich glaube, es sind weit über 1.500 Stellen, die man besetzen müsste. Die Stellen, die jetzt eigentlich gebraucht werden – wegen des Personal-Aufwuchses der ukrainischen Kinder – werden gar nicht ausgeschrieben." Er kenne auch viele Schulen, zwar fünf offene Stellen hätten, im System aber nur zwei angäben, erklärt Tischner.

Das Bildungsministerium versucht gegenzusteuern. Kurzfristig mit Aufrufen – mehr zu leisten, solidarisch zu sein zum Wohle der Kinder. Ministeriums-Sprecher Felix Knothe sagt: "Maßnahmen sind zum Beispiel, Studierende anzusprechen, die schon ihren ersten Studienabschnitt absolviert haben". Sie könnten gegebenenfalls im Nebenjob Unterricht absichern. Die Schulen seien aufgefordert, pensionierte Kolleginnen und Kollegen anzusprechen. Außerdem: "Wir wollen freiwillige Mehrarbeit bei den Lehrerinnen und Lehrern ermöglichen."

Drei-Punkte-Plan soll helfen

Mittelfristig gegen den Lehrermangel helfen soll ein Drei-Punkte-Plan, den Bildungsminister Helmut Holter mit den Schulen erarbeitet hat. Verwaltungsassistenten sollen eingestellt werden, um Schulleitungen zu entlasten. Zunächst als Pilotprojekt im Landkreis Schmalkalden-Meiningen und im Kyffhäuserkreis. Geschaffen werden jeweils fünf Stellen.

Franziska Baum, die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Gruppe im Landtag findet die Idee gut – mit einer Einschränkung: "Ich verstehe immer nicht, warum so etwas als Pilotprojekt laufen muss, wenn alle schon wissen, dass es das ist, was wir brauchen."

Der zweite Punkt im Maßnahmenkatalog ist die Veränderung bei Aus- und Weiterbildung von Lehramts-Anwärtern und Seiteneinsteigern. Aus zwei Studienseminaren soll eins werden – mit einem größeren Praxis-Anteil. Der dritte Punkt: Frisch verbeamtete Lehrerinnen und Lehrer können eine Sonderzulage bekommen, wenn sie an Schulen gehen und Fächer unterrichten, in denen der Mangel besonders groß ist.

GEW befürchtet "Unwucht"

Bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sieht man das mit Sorge. Landessprecher Michael Kummer: "Jemand, der da neu hinkommt, bekommt auf einmal 500 Euro mehr als jemand, der dort schon 10 Jahre unterrichtet." Da habe man sofort eine Unwucht im Kollegium.

Noch ist der Drei-Punkte-Plan nur eine Ankündigung. Es fehlt – vor allem für die Sonderzuschläge – die Zustimmung der Finanzministerin. Erwartet wird die in den kommenden Wochen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. September 2022 | 06:00 Uhr

Mehr aus Thüringen