Corona - und dann? Corona im Schatten der "Jahrhunderkrise": Lockdown stoppt Klimawandel nicht

Das Klima hat vom Corona-Lockdown nicht profitiert. Zu dieser Einschätzung kommt der Leipziger Forscher Prof. Andreas Macke. Der Direktor des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung sagte, lediglich die Daten für die Umweltbelastung hätten sich verbessert. Aber auch das nur kurzfristig.

Klimawandel
Trockenheit oder Überschwemmung? Der Klimawandel wird das Leben verändert. Der Lockdown hat die Veränderungen nicht gebremst. Bildrechte: colourbox.com

Der Effekt sei deutlich gewesen, sagt Andreas Macke. Mit dem Lockdown im März des vergangenen Jahres seien in Deutschland deutlich weniger Autos gefahren. Die Luft habe sich in den Städten verbessert, die Umweltbelastung sei um ein Drittel zurückgegangen - vor allem Werte für Ruß durch Verbrennungsmotoren oder Stickoxide. Mit dem Ende des Lockdowns seien die Autos wieder gefahren, die Messwerte seien wieder auf übliche Werte gestiegen.

Im Gegensatz zu diesen Umweltdaten habe sich beim Klima jedoch kaum etwas verändert. Das liege vermutlich daran, sagt Macke, dass die weltweite Wirtschaft kaum zurückgefahren wurde. Damit hätte sich auch der Ausstoß der Treibhausgase kaum reduziert. Insofern profitiere das Klima nicht von der besonderen Corona-Situation.

Andreas Macke 16 min
Bildrechte: Tilo Arnhold, TROPOS

Klimawandel nur gemeinsam zu bewältigen

Bei der Bewältigung von Corona-Pandemie und Klimawandel sieht der Forscher Macke Schnittstellen. Zwar sei der Klimawandel eine viel größere Krise, eine "Jahrhundertkrise", die sich nur langfristig durch die Gesellschaft als Ganzes lösen lasse. Die Pandemie verdeutliche jedoch, wie wichtig globales gemeinsames Handeln besonders an Brennpunkten sei.

Dort, wo massiv Infektionen auftreten würden, würden sich die Länder gegenseitig unterstützen. Auch beim Klimawandel sei diese globale Solidarität nötig. Industrienationen, die für den Großteil der Treibhausgase und damit für die Erderwärmung hauptverantwortlich sind, müssten für die entstehenden Nöte in anderen Ländern zahlen. Insgesamt sollte der erfolgreiche Umgang mit der Corona-Pandemie den Menschen Mut machen, beim Klima aktiver zu werden, um auch diese Krise erfolgreich zu bewältigen.

Es gibt eine große Chance, dass wir in Zukunft doch etwas mehr darüber nachdenken, ob wir zweimal im Jahr in den Urlaub fliegen müssen und ob wir wirklich mit einem Auto fünf Kilometer zur Arbeit fahren müssen und ob wir jeden Tag Fleisch essen müssen.

Prof. Andreas Macke, Direktor des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung in Leipzig

Jährlich eine Flugreise?

Dass die Corona-Pandemie die Sorgen für ein besseres Klima verdränge, glaubt Macke nicht. Das Umdenken besonders in der jungen Generation habe vor der Corona-Zeit begonnen und werde anhalten. Eher sieht Macke eine "große Chance, dass wir in Zukunft doch etwas mehr darüber nachdenken, ob wir zweimal im Jahr in den Urlaub fliegen müssen und ob wir wirklich mit einem Auto fünf Kilometer zur Arbeit fahren müssen und ob wir jeden Tag Fleisch essen müssen".

Das seien wesentliche Faktoren beim Klimawandel. Außerdem habe die Pandemie gezeigt, dass die Verbraucher "regionaler denken müssten", kurze Wege seien in der Produktion anzustreben.

Bezugnehmend auf die aktuelle Debatte um Flüge innerhalb Deutschlands sagte der Klimaforscher, Kurzstreckenflüge seien "eine Sünde", vor allem, wenn sie billiger angeboten werden würden als eine Bahnreise. In der Regel böten diese Flüge keine Zeitersparnis. Das Konzept von immer mehr kleineren Regionalflughäfen sei "Quatsch", die Gesellschaft sollte auf schnelle Bahnverbindungen setzen.

Die Person Prof. Andreas Macke leitet das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 29. Mai 2021 | 18:20 Uhr

67 Kommentare

Graf von Henneberg vor 2 Wochen

Die Corona scheint sich abzuschwächen und schon taucht der Klimawandel wieder auf. Da fehlt vom Professor nur noch der Nachweis des kausalen Zusammenhanges zwischen Klimaveränderung und Volksgesundheit.

martin vor 2 Wochen

Es geht nicht darum, dass D die Welt rettet, sondern darum, dass wir in D unseren Teil der Verantwortung für unser Verhalten und unseren Ressourcenverbrauch übernehmen.

Daran ändert auch ein Fingerzeig auf andere böse Buben nichts.

Die Aussage "D kann nicht die Welt retten" ist zwar sachlich zutreffend, allerdings ist diese Aussage meiner Wahrnehmung nach meist als Synonym für "Ich brauche nichts zu machen" gemeint - nach mir die Sintflut. Was übrigens für etliche Regionen der Welt dann auch gern wörtlich genommen werden kann.

martin vor 2 Wochen

@thomas h: Natürlich gab es Blackouts, Fast-Blackouts und es wird sie auch in Zukunft geben. Wenn eine Höchstspannungstrasse wegen Wartung abgeschaltet ist und eine andere ausfällt, kann es in einigen Regionen eng werden. Aber das sind keine neuen Probleme und die Vorkehrungen gibt es auch schon lange. Im Zusammenhang mit dem wachsenden Anteil nicht fossiler Energieträger wird ja die lang anhaltende Dunkelflaute gern als Szenario benannt. Selbstverständlich ist das ein gewisses Risiko - allerdings ist auch die bisherige Stromversorgung ist ja nicht frei von Betriebsrisiken.

Zu "intelligenten Netzen" gehört für mich übrigens auch eine bessere Vermaschung, dass die Abhängigkeit von einzelnen Komponenten verringert wird.

Selbstverständlich ist es die Aufgabe der Politik für die entsprechenden Rahmenbedingungen zu sorgen. Aber solange die Lobbytruppen gut aufgestellt sind und zuwenige Wähler das einfordern, sind die Chancen auf tiefergreifende Änderungen leider recht überschaubar.

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