Genehmigung fehlt Noch kein grünes Licht für Öffnung der Geschäfte in Thüringen

Erfurt und Weimar wollen die Experimentierklausel der neuen Corona-Verordnung in Thüringen nutzen, um Läden zu öffnen. Die Städte haben dem Gesundheitsministerium Öffnungskonzepte vorgelegt. Am Montag bleiben die Geschäfte aber erst einmal zu.

Schillerstraße in Weimar mit dem Schillerhaus (links).
Schillerstraße in Weimar mit dem Schillerhaus (links) am Freitagvormittag. Bildrechte: MDR/Sascha Mönch

In Weimar können am Montag coronabedingt geschlossene Läden noch nicht öffnen. Wie Bürgermeister Ralf Kirsten MDR THÜRINGEN sagte, fordert das Gesundheitsministerium Nachbesserungen am Konzept der Stadt. Das Land lehne das "Weimarer Modell" nicht grundsätzlich ab, wolle aber eine Kontaktnachverfolgung und eine Test-Strategie. Die geplanten Ladenöffnungen sollen nun um eine Woche auf den 22. März verschoben werden.

Weimar und auch Erfurt wollen eine Experimentierklausel in der neuen Corona-Verordnung nutzen und haben nach eigenen Angaben dem Gesundheitsministerium Öffnungskonzepte vorgelegt. In Erfurt gehe es am 26. und 27. März um zwei Einkaufstage ausschließlich für negativ auf Corona getestete Erfurter, sagte Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD).

Coronabedingt geschlossenes Traditionsgeschäft Hoffmann's Buchhandlung in der Schillerstraße in Weimar.
Seit Woche coronabedingt geschlossen: Traditionsgeschäft Hoffmann's Buchhandlung in Weimar. Bildrechte: MDR/Sascha Mönch

Vorstoß des Oberbürgermeisters sorgt für Kritik im Stadtrat

Den ursprünglichen Vorstoß von Oberbürgermeister Peter Kleine (parteilos), ab Montag in Weimar zu lockern, hatte im Stadtrat für Kritik gesorgt. Die Linke-Fraktion erklärte, der Oberbürgermeister habe seine Pläne im Vorfeld weder mit den Stadtratsfraktionen noch mit dem Ministerium abgesprochen. Es seien falsche Hoffnungen geweckt worden.

Die Grünen reagierten verwundert auf die, wie es heißt, "unerwarteten und unabgesprochenen" Lockerungsvorschläge. Die Menschen brauchten eine Perspektive. Diese sollte jedoch keine leichtfertigen Öffnungen beinhalten.

Überrascht zeigten sich auch die Vorsitzenden der Fraktionen Weimarwerk-FDP-Piraten, CDU und SPD. Es sei befremdlich, dass der Oberbürgermeister kein Wort über seine Pläne verloren habe. Die Fraktionsvorsitzenden nannten diese wenig ausgegoren, boten jedoch ihre Hilfe an, weiter daran zu arbeiten.

"Weimarer Modell" setzt auf "Betten-Inzidenz"

Bei dem "Weimarer Modell" will sich die Klassikerstadt nicht länger ausschließlich an Inzidenzwerten orientieren, sondern auf die "Betten-Inzidenz" setzen. Solange eine Inzidenz von 20 Covid-19-Patienten im Sophien- und Hufeland Klinikum nicht erreicht wird, sieht es Oberbürgermeister Kleine als gerechtfertigt und politisch vertretbar an, alle von Bund und Ländern in der vergangenen Woche beschlossenen Öffnungsschritte, die ab dem 8. März vorgesehen sind, auch in der Stadt Weimar so schnell wie möglich umzusetzen.

Weimar wollte ursprünglich ab 15. März bisher geschlossenen Geschäften das Öffnen erlauben sowie Museen und Galerien. Zudem sollte Freizeitsport ohne Körperkontakt zugelassen werden. Ab dem 22. März sollten dann Außengastronomie, Theater und Kino folgen. Der Öffnungstermin wurde jetzt um eine Woche verschoben - vorausgesetzt, es gibt grünes Licht vom Gesundheitsministerium.

Auch in Sonneberg, Erfurt und Nordhausen noch keine Öffnung in Aussicht

Die Öffnungskonzepte für den Landkreis Sonneberg, Erfurt und Nordhausen sind ebenfalls noch nicht vom Gesundheitsministerium genehmigt worden. Das Modell in Erfurt: mit App oder Bändchen, mit Freitesten und vielleicht auch erst einmal nur mit 5.000 Kunden. Wenn es gelingt, könne es ausgeweitet werden, sagte Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) MDR THÜRINGEN. In die Konzepte seien auch Ärzte eingebunden. Es gebe für alles eine Lösung, es müsse nur konstruktiv mit den Ideen umgegangen werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/the

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 12. März 2021 | 09:00 Uhr

38 Kommentare

Critica vor 5 Wochen

Bria21, es kommt noch kurioser.
Wenn Kinderschuhe gekauft werden, müssen ja Mutter und/oder Vater mit ins Geschäft, "dürfen" aber für sich selbst keine Schuhe kaufen.
Wieder solch eine "Coronaunlogik".
Schuhe gehören zum täglichen Bedarf, genauso wie Geschäfte, in denen man Knöpfe kaufen kann oder eine kaputte Kaffeemaschine ersetzen muss. Selbst für den Ersatz einer defekte Glühbirne muss man sich "anmelden" oder das Internet bemühen.

Critica vor 5 Wochen

Männlein, ich glaube, es geht nicht im Geringsten um Mode, Kaufwahn etc. Es geht schlichtweg um die Freiheit des Menschen, die sich natürlich auch darin ausdrückt, dass ich ungehindert eine neue Unterhose kaufen kann - ohne Test, ohne Maske und ohne Verfolgungswahn.

malaclyps vor 5 Wochen

Meine Vermutung: Natürlich wird Erfurt öffnen, im großen Stil, ganz unabhängig von Inzidenzen. Wir Sie oben anführten: "Noch 40 Tage bis zur BUGA"! Bausewein und Konsorten halten unvermindert daran Fest. BUGA ohne Übernachtungen und Verköstigung der Gäste von überall her und ohne Rahmengeschäfte ... und wie sähe es aus, BUGA Touristen in eine Stadt einzuladen in der gleichzeitig, pandemiebedingt KiTas und Schulen geschlossen sind? - Erfurt wird wohl öffnen, auf Teufel komm raus. Die Schuld für die darauf hin explodierenden Infektionszahlen wird her Bausewein dann der Unvernunft seiner Bürger zuweisen, sicher nicht seinen Gästen oder der eigenen Rücksichtslosigkeit.

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