Kontaktverfolgung Erwartungen nicht erfüllt: Luca-App in Thüringen nur noch wenig genutzt

Die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung wegen Corona hat sich in großen Teilen Thüringens nicht durchgesetzt. Eine Testphase, die Ende des Monats endet, wird beispielsweise in Weimar und im Kreis Schmalkalden-Meiningen nicht verlängert.

Die Stadt Weimar trennt sich von der Smartphone-App "Luca" zur Kontaktverfolgung in der Corona-Pandemie. Wie die Kommune mitteilte, läuft die Testphase des Modellprojekts mit der App Ende August aus und wird nicht verlängert. Die App, die unter anderem in Geschäften und Gaststätten genutzt wird, habe sich nicht bewährt.

"Zu viele und zu wenige konkrete Informationen gesammelt"

"Luca" habe wenig konkrete und zu viele Informationen gesammelt. Dem Gesundheitsamt habe die App nicht geholfen, hieß es. Im Gegenteil, sie habe viel Arbeit beschert. Das sei nicht Sinn und Zweck gewesen, so Bürgermeister Ralf Kirsten (weimarwerk). Die Erwartungen, die man in "Luca" gesetzt habe, hätten sich nicht erfüllt. Die sicherste und zuverlässigste Variante, Kontakte nachzuverfolgen bleibe Zettel und Stift, so Kirsten. Die App werde ab September nicht mehr akzeptiert.

Die "Luca"-Entwickler halten dagegen: Sinnvoll eingesetzt, etwa bei Veranstaltungen, bringe die App durchaus einen Vorteil.

Luca 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 18.08.2021 19:00Uhr 02:23 min

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App ermöglichte Ladenöffnungen im März

Die Stadt Weimar hatte die Luca-App im Rahmen eines Modellprojektes eingeführt. Eine technische Lösung zur Kontaktverfolgung war Bedingung des Landes, die Läden bereits im März wieder öffnen zu dürfen. Der Stadt sind nach eigenen Angaben keine externen Kosten durch die Nutzung der App entstanden. Die Stadt sei Modellregion gewesen, in dieser Phase habe der Anbieter keine Gebühren erhoben.

Frau hält Mobiltelefon vor Geschäft
Ein Foto vom März 2021: Eine Kundin nutzt die Luca-App vor einem Geschäft in Weimar. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Schmalkalden-Meiningen: Kein Corona-Fall über App gemeldet

Auch das Landratsamt des Kreises Schmalkalden-Meiningen ist nicht überzeugt. Auch dort wird die Testversion höchstwahrscheinlich nicht verlängert; bisher wurde über die App kein einziger Corona-Fall gemeldet. Ähnlich sehen es die Verantwortlichen im Kreis Saalfeld-Rudolstadt.

Die Stadt Erfurt hatte keine Lizenz erworben, allerdings konnte die App trotzdem genutzt werden - etwa auf der Bundesgartenschau und im Zoopark. Auch ein Einkaufszentrum empfahl seinen Kunden die Nutzung. Nach Angaben der Stadtverwaltung speicherten die Einrichtungen die Besucherdaten. Im Falle einer nachgewiesenen Corona-Infektion konnte das Gesundheitsamt auf diese Daten zugreifen.

Jena will Luca-App bis nächstes Jahr einsetzen

Auch Jena war eine der Modellregionen zur Einführung der Luca-App und hatte sie unter anderem bei Ratssitzungen genutzt und frühzeitig mit dem Gesundheitsamt gekoppelt. Daniel Illing, der bei JenaKultur den Fachbereich Veranstaltungen leitet, sagte, Jena wolle die App weiter bis zum nächsten Jahr einsetzen. Der Saale-Holzland-Kreis, Eisenach und Gotha hatten "Luca" nicht ausprobiert.

Nordhausen ist zufrieden mit Luca-App

Der Landkreis Nordhausen will an der Luca-App festhalten. Eine Sprecherin sagte MDR THÜRINGEN außerdem, dass es wünschenswert sei, die App thüringenweit einheitlich zu nutzen. Der Grund für die niedrigen Nutzerzahlen der App im Südharz liege laut Landratsamt an den niedrigen Fallzahlen der vergangenen Monate. Im Herbst werde die Kontaktnachverfolgung wieder wichtiger. Im Landkreis Nordhausen läuft noch bis Ende des Jahres die Erprobungsphase der Luca-App. In dieser Zeit würden für den Landkreis Nordhausen noch keine Kosten entstehen.

Gera setzt auf "Darfichrein"-App

Einen ganz anderen Weg ist das Gesundheitsamt in Gera gegangen. Dort werde Luca wegen Datenschutzbedenken nicht genutzt, sagte die Leiterin des Gesundheitsamtes, Monika Jorzik. Tatsächlich mussten die Macher der App in den vergangenen Monaten immer wieder Schwachstellen schließen, die Datenschützer und Aktivisten des Chaos Computer Clubs entdeckt hatten.

In Gera werde stattdessen das Portal "Darfichrein" genutzt - allerdings habe es wegen der wenigen Fälle im Sommer noch keine großen Erfahrungswerte gegeben. Die Umsetzung der Iris-Schnittstelle sei derzeit in Planung.

Luca-App
So funktioniert die Luca-App. Bildrechte: culture4life GmbH

Neues System "Iris" wird empfohlen

Thüringen hatte auf Landesebene nicht auf die Luca-App gesetzt. Stattdessen wurden die Gesundheitsämter aufgefordert, die Schnittstelle "Iris" des Landes zu nutzen - eine Art digitales Scharnier zwischen den verschiedenen Smartphone-Apps zur Kontaktverfolgung und der entsprechenden Software "Sormas" in den Gesundheitsämtern der Kreise und kreisfreien Städte. "Sormas" ist entwickelt worden, um die Verbreitung von Infektionskrankheiten nachzuverfolgen und dabei insbesondere Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig zu machen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/fno/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 18. August 2021 | 07:00 Uhr

43 Kommentare

pepe79 vor 8 Wochen

Stimmt, da gibts dicher inzwischen auch eine gute Durchseuchung und Genesene zählen nicht.
Abgesehen davon ist im Artikel hier nicht die Rede von HiBu sondern Schmalkalden-Meiningen....anderer Landkreis!

Bria21 vor 8 Wochen

Ich kann mir vorstellen, dass es zu Stoßzeiten z.B. in einem Kino oder Freizeitpark einfach nicht möglich ist alle Datenblätter genau zu kontrollieren. Man kann und darf ja auch nicht die Ausweise aller Besucher kontrollieren. Während bekannte Fakenamen von Promis oder Zeichentrickfiguren evtl. auffallen , weiss niemand ob der angegebene "bürgerliche" Name oder Adresse echt ist oder überhaupt existiert.
Beim Onlinekauf von Tickets werden die Daten bereits bei der Buchung abgefragt, was eine enorme Erleichterung für die Abwicklung am Einlass/Kasse ist (Die Bankdaten müssen real sein, da sonst die Abbuchung nicht klappt). Trotzdem wird auch " digitalen Muffeln" niemals der Zutritt verwehrt und weiterhin die Möglichkeit der manuellen (zeitaufwendigen, Papierverschwenderischen und schwer kontrollierbaren) Erfassung auf Papier angeboten. Wie kann man dann von Diskriminierung reden.

Lulu123 vor 8 Wochen

Es wird doch niemand gezwungen die app zu nutzen. Es wird auch niemand gezwungen mit Karte zu zahlen oder online Bestellungen aufzugeben, auch wenn das vieles erleichtert. Das ist keine Diskreminierung sondern das 21.Jahrhundert.

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