Schulbeginn im Corona-Herbst Nur jeder zehnte Klassenraum hat einen Luftfilter

Anfang September startet das neue Schuljahr in Thüringen. Ob die Schüler dann wieder mehr zuhause oder doch in den Klassenräumen lernen werden, hängt von den Coronazahlen ab. Das Land Thüringen will zumindest für einige Schulen Präsenzunterricht ermöglichen und hat ein Förderprogramm aufgesetzt, mit dem mobile Luftfilter angeschafft werden können. Fünf Millionen Euro hat das Land hierfür bereitgestellt.

Schüler während einer Unterrichtsstunde
An Jenaer Schulen hat nur jedes zehnte Klassenzimmer einen Luftfilter. Bildrechte: imago images / photothek

Leise summen die weißen, zylinderartigen Luftfilter vor sich hin. In einigen Schulen Jenas stehen sie schon in Klassenräumen. Zu Beginn des Schuljahres sollen sie insgesamt 100 Klassenräume in Jena von Bakterien und Viren befreien. 50 Luftfilter wurden privat bezahlt, die andere Hälfte mit Fördermittel des Landes Thüringen finanziert. Damit hätte dann jedes zehnte Klassenzimmer in Jena einen mobilen Luftfilter.

Das sei letztlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein, weiß auch Grünen-Stadtrat Wolfgang Volkmer. Er hat mitentschieden, in welchen Schulen die Luftfilter stehen werden. "Klar, das reicht erst einmal für das Nötigste. Das heißt, ich denke schon, dass da noch mehr nötig ist. Also Kita und Grundschule, da müssen wir draufschauen. Ich sehe auch genauso den Bedarf in Flüchtlingsunterkünften und Kinderheimen – da wird noch gar nicht drauf geschaut."

Jenaer Oberbürgermeister warnt vor Schulschließungen

Für die Schulen hat Jena nun mit 200.000 Euro das maximale Budget vom Land bekommen. Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitzsche mahnte aber schon: Wegen steigender Corona-Fallzahlen könnten Schulen trotz angeschaffter Luftfilter wieder schließen. Das Land verbucht die Förderung der Luftfilter trotzdem als Erfolg. Susanna Karawanskij, Staatssekretärin im Thüringer Infrastrukturministerium, sagt: Die Nachfrage nach den insgesamt fünf Millionen Euro Förderung sei gut. "Für das Jahr 2021 sind jetzt aktuell ungefähr 85 Prozent abgeflossen über die Schulträger, Landkreise und Städte hinweg."

Das sind umgerechnet 3,8 Millionen Euro. Wie die Gelder eingesetzt werden, könnten die Schulträger selbst entscheiden, erklärt Karawanskij – also ob in der Schule mobile Luftfilter aufgestellt oder Geräte fest eingebaut werden. Da mache das Land keine Vorgaben. Gefördert werden aber nur öffentliche Schulen. Private Schulen wie die Jenaer Dualingo Schule sind ausgeschlossen.

Andere Förderung für Privatschulen

Das ärgert Schulleiter Maik Eckelmann. Seine Schule werde damit klar benachteiligt. "Ich finde das bedauerlich, dass wir darauf nicht zugreifen können, denn wir beherbergen ja die Kinder der Region, der Stadt. Und ich denke, das ist hier eine größere Sache. Also wenn es hier keine Infektionen gibt, ist das gut für die ganze Stadt, für die Region." Dass private Schulen bei der Förderung leer ausgehen, liege daran, dass nur Gemeinden als Schulträger Geld bekommen, erklärt Susanna Karawanskij. Das habe der Gesetzgeber so entschieden.

Doch auch private Schulen sollen gefördert werden. Das Fördermittelprogramm für Schulbauprojekte soll künftig auch pandemiebedingte Umbauten möglich machen – was dann auch private Schulen nutzen könnten, so Karawanskij. Und das werde weitaus wichtiger sein, meint Franziska Baum, bildungspolitische Sprecherin der Thüringer FDP-Fraktion. Denn der jetzige Fünf-Millionen-Euro-Fördertopf soll nicht weiter aufgestockt werden und sei ohnehin viel zu klein, erklärt Baum. Zudem sei bei der Einmal-Förderung lange nicht klar gewesen, was eigentlich davon gekauft werden könne. "Wenn ich halt sehe, dass Schulträger sich am Ende dafür entscheiden, keine Luftfilter einzusetzen, sondern CO2-Ampeln, dann zeigt das eindeutig, welche Unsicherheit da auch da ist."

Unsicherheit zum Beispiel darüber, welche Folgekosten ein Luftfilter haben kann, erzählt Franziska Baum. Ob man so den Präsenzunterricht in den kalten Monaten sichern könne, bezweifelt die FDP-Politikerin. Denn in manchen Schulen könne man noch nicht einmal richtig lüften, weil an den Fenstern die Griffe fehlten.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: 17. August 2021 | 06:00 Uhr

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