Gefährdeter Feldhamster Mäuseplage sorgt weiter für Zwist in der Thüringer Koalition

Es ist eine vertrackte Nummer: Wer mit Gift die Mäuseplage auf Thüringens Feldern bekämpfen will, gefährdet auch den bedrohten Feldhamster. Umwelt- und Landwirtschaftsministerium streiten weiter über eine gemeinsame Lösung.

Feldwaldmaus (Apodemus sylvaticus) auf Nahrungssuche im Garten
Feldwaldmaus auf Nahrungssuche: Das Landwirtschaftsministerium will den Gifteinsatz erlauben lassen. Bildrechte: imago images / blickwinkel

Die Landesregierung ist weiter uneins über den Einsatz von Gift gegen die Feldmausplage auf Thüringens Feldern. Landwirtschaftsminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) will sich jetzt am Nachbarland Sachsen-Anhalt orientieren. Dort dürfen Bauern Mäuse vergiften, wenn sie versichern können, dass es auf den betroffenen Ackerflächen keine Feldhamster gibt. Der Linken-Politiker will am Dienstag im Kabinett einen Entwurf aus seinem Haus beraten lassen, wie die dpa berichtet.

Umweltministerium fordert Anpassungen

Widerstand regt sich aus dem Umweltministerium. Ministerin Anja Siegesmund (Grüne) will dem Vorgehen gegen die Feldmausplage in der jetzigen Form nicht zustimmen. Sie sei aber bereit, auf Grundlage der Kabinettsvorlage über das Thema zu beraten. Ihr Haus habe bereits Vorschläge gemacht, um das Papier aus dem Landwirtschaftsministerium "qualitativ zu verbessern".

Bislang besteht das Umweltministerium darauf, dass die betroffenen Äcker vor jedem Gifteinsatz von Gutachtern auf Feldhamster abgesucht werden. Siegesmund sei nun bereit zu akzeptieren, dass dies die Landwirte selbst gemeinsam mit dem Pflanzenschutzdienst des Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum prüfen, falls kein Gutachter verfügbar sei.

Feldhamster mit Nachwuchs
Bedrohte Art: Das Umweltministerium befürchtet, dass der Feldhamster noch stärker dezimiert wird. Bildrechte: imago images/blickwinkel

Ernteausfälle durch Mäuseplage

Bauern dürfen im Kampf gegen Mäuse keine Giftköder auslegen, um den seltenen Feldhamster nicht zu gefährden. Angesichts großer Ernteausfälle fordert der Thüringer Bauernverband eine Ausnahmereglung zur Schädlingsbekämpfung. Zuletzt bezifferte der Verband die verursachten Schäden bei den betroffenen Landwirten auf bis zu 400 Euro je Hektar Anbaufläche.

Der Feldhamster ist eine nach EU-Recht streng geschützte Tierart. Seit Jahrzehnten geht die Population in Thüringen stark zurück. Laut Siegesmund sei das Feldhamstervorkommen in Thüringen um 95 Prozent gegenüber den einstmaligen Beständen gesunken. Umweltverbände sprechen sich seit Jahren gegen Gift zur Bekämpfung von Mäusen aus. Sie fordern ein Umdenken in der Landwirtschaft.

Die Thüringer CDU erwartet eine sofortige Entscheidung. Faktionsvorsitzender Mario Voigt sagte, die Bauern könnten nicht warten, bis Rot-Rot-Grün sich einig sei. Die Regierung nehme durch ihre Blockadehaltung bewusst Ernteverluste der Thüringer Landwirte in Kauf.

TV-Tipp: "Bauern in Not - Mäuse fressen unsere Nahrung auf" - ECHT, Mittwoch, 07.10.2020, 21:15 Uhr im MDR FERNSEHEN

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 05. Oktober 2020 | 09:00 Uhr

18 Kommentare

ACH vor 30 Wochen

Der "berühmte SUV" bringt keine Gifte aus, sondern zieht Bodenproben mit der "Lanze" (heißt eigentlich Stecher, aber naja). Anhand der Proben werden Nährstoffgehalt des Bodens u.a. Parameter untersucht. Alles ziemlich harmlos. Frage: Warum haben Sie nicht einmal vor Ort nachgefragt? ;))

Ekkehard Kohfeld vor 30 Wochen

"Da die Mäuse gewöhnlich einen Vorkoster schicken wirken die Gifte erst nach ein paar Tagen."

Einige sollten sich erst mal schlau machen bevor sie hier schreiben,das ist bei Ratten so nicht bei Mäusen,was haben wir doch für tolle Oberlehrer.🤣🤣🤣

part vor 31 Wochen

Die Politik berät noch und vor wenigen Wochen war wieder der berühmte SUV mit Anhänger unterwegs, der mit einer Lanze automatisch Gift auf die Felder einbringt. Diesmal zwischen Gebesee und Hentschleben. Hat die Landespolitik davon nichts gewusst oder war dies als >>Feldversuch<< deklariert?

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