Landwirtschaft Thüringer Koalition einigt sich bei Streit um Mäusegift

Die Landwirte in Thüringen können nach einem Beschluss der Landesregierung Gift zur Bekämpfung von Feldmäusen in den nächsten Monaten einfacher einsetzen.

Eine Maus
Laut Bauernverband haben Mäuse teilweise schon ein Drittel der Flächen abgefressen. Bildrechte: dpa

Das Thüringer Kabinett hat sich beim Kampf gegen die Mäuseplage in der Landwirtschaft auf einen Kompromiss geeinigt. Demnach müssen Bauern zwar den Einsatz von Giftködern beim Landesamt für Landwirtschaft anzeigen. Sie müssen aber nicht mehr vorher von einem amtlichen Gutachter prüfen lassen, ob auf der betroffenen Fläche unter Schutz stehende Feldhamster leben.

Entsprechende Kontrollen könnten die Landwirte auch in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern des Pflanzenschutzdienstes des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TLLLR) durchführen. Das erklärten Umwelt- und Landwirtschaftsministerium in einer gemeinsamen Mitteilung. Das Landwirtschaftsministerium soll gemäß der Einigung sicherstellen, dass die Mitarbeiter des Pflanzenschutzdienstes ausreichend qualifiziert sind, um Feldhamstervorkommen zu erkennen.

Das Landwirtschaftsministerium korrigierte zudem die frühere Aussage, Landwirte könnten auf den Äckern selbst Kontrollgänge machen und danach eidesstattlich erklären, dass auf den betroffenen Flächen keine Hamster vorkommen. Das ist nicht Bestandteil der Vereinbarung im Kabinett, hieß es jetzt. Laut Agrarministerium muss ein Landwirt, wenn ein vom Land bestellter Gutachter nicht verfügbar ist, für die Kontrollen auf den Äckern immer den Pflanzenschutzdienst des TLLLR hinzuziehen.

Schutz der Feldhamster

Zuvor hatte sich innerhalb der rot-rot-grünen Koalition der Streit über den Einsatz von Gift gegen Feldmäuse zugespitzt. Das von den Grünen geführte Umweltministerium hatte auf den Schutz der Feldhamster bestanden und den Einsatz des Giftes ohne vorherige Gutachten abgelehnt. Das Landwirtschaftsministerium, für das die Linke verantwortlich ist, hatte dagegen auf Ausnahmeregelungen gedrängt.

Hintergrund ist, dass auf den Feldern in Thüringen eine Mäuseplage herrscht. Die Landwirte fürchten um die im Herbst ausgesäten Bestände. Bauerverbandspräsident Klaus Wagner bezeichnete den Kabinettskompromiss deshalb als grundsätzlich gut. Er hätte sich einen solchen Beschluss aber schon früher gewünscht.

Bauernpräsident: Einigung kommt zu spät

Laut Wagner kommt die jetzige Regelung für einen großen Teil des im Herbst ausgesäten Rapses zu spät. Die Mäuse hätten teilweise schon ein Drittel der Flächen abgefressen. Das sei ein immenser wirtschaftlicher Verlust für die Betriebe, sagte Wagner.

Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) zufolge bleibt der Schutz des Feldhamsters eine wichtige Aufgabe. Wo die Hamster stark gefährdet seien, dürfe kein Gift auf den Acker. Agrarminister Benjamin Hoff (Linke) vertraut nach eigenen Angaben darauf, dass die Landwirte sorgfältig auf den Schutz des Feldhamsters achten.

TV-Tipp: "Bauern in Not - Mäuse fressen unsere Nahrung auf" - ECHT, Mittwoch, 07.10.2020, 21:15 Uhr im MDR FERNSEHEN

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 06. Oktober 2020 | 17:00 Uhr

9 Kommentare

part vor 37 Wochen

Es gibt da so einen geländegängigen SUV mit Anhänger, der mittels Lanze Giftköder in den Boden ausbringt in reglmäßigen Intervallen, der war aber schon vor der Einigung auf einem Feld an der B4 im LK Sömmeda unterwegs und ich habe dies im Vorbeifahren beobachten können. Demnach scheinen einige Genossenschaften oder Private ihr eigegen Initiativen zu verfolgen?

Harka2 vor 37 Wochen

Irgendwie traurig, dass hier Personen meinen, ihr Unwissen auch noch in die Welt schreien zu müssen. Was bitte haben Feldhamster mit denen in der Zoohandlung zu tun? Das sind völlig verschiedene Arten ...

Harka2 vor 37 Wochen

Vor ein paar Jahren wurde die Mäuseplage noch mit Mitteln aus der DDR bekämpft: Ansitzstangen für Greifvögel. Die Milane kamen kaum noch vom Boden hoch, so fettgefressen waren sie. Aber inzwischen sind die alten Ansitze aus DDR-Zeiten fast alle verrottet oder sonstwie verschwunden. Da muss es mal wieder die Chemie retten und Gift kommt zum Einsatz. Als ob die Bauern davon nicht schon viel zu viel auf die Felder spritzen! Man setzt auf verantwortungsvolle Bauern? Hallo?! Hamster sind für den Bauern genauso Schädlinge wie Mäuse, denn auch sie fressen das Getreide. Wie viel Rücksicht wird ein Bauer da wohl auf sie nehmen?

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