FIDO-Verfahren Mafia-Ausschuss: BKA-Beamtin wirft Erfurter Stadtpolitik Fehler vor

Vor 20 Jahren wurde in Thüringen ein vielversprechendes Ermittlungsverfahren gegen die italienische Mafia abrupt eingestellt. Ein Untersuchungsausschuss im Thüringer Landtag untersucht gegenwärtig die Gründe. Jetzt sagte eine Polizeibeamtin des Bundeskriminalamtes aus - und sprach auch über die Rolle der Erfurter Politik.

Der Erfurter Domplatz aus der Vogelperspektive.
In den 90ern investierten italienische Gastwirte zahlreich in Erfurt. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Eine Polizeibeamtin des Bundeskriminalamtes (BKA) hat im Mafia-Untersuchungsausschuss des Landtags Erfurter Lokalpolitiker kritisiert. In ihrer Zeugenvernehmung am Dienstag sagte sie, dass in den 1990er-Jahren genauer nach der Herkunft des Geldes hätte geschaut werden müssen, das italienische Gastwirte in der Stadt investierten. Das hätte sich die Kommunalpolitik fragen müssen. Zudem hätten die Verantwortlichen auch im Landeskriminalamt nachfragen können.

Zeugin: Behörden waren im Aufbau

Die BKA-Polizistin räumte aber auch ein, dass in den Jahren nach der Wende Polizei und andere Behörden noch im Aufbau waren. Nach ihren Angaben sind zwischen 1995 und 1996 mutmaßliche Mitglieder der kalabrischen Mafia-Organisation 'Ndrangheta unter anderem aus Nordrhein-Westfalen nach Erfurt gekommen. Von der Landeshauptstadt aus seien sie auch in andere Orte wie Eisenach oder Arnstadt gezogen.

Vom Ende der Ermittlungen irritiert

Das in Thüringen geführte Mafia-Verfahren FIDO nannte die Zeugin sehr wichtig. Die Ermittlungen seien für Erkenntnisse und Informationen über die 'Ndrangheta in Deutschland bedeutsam gewesen. Allerdings konnten keine konkreten Straftaten festgestellt werden.

Das überraschende Ende des Verfahrens habe sie irritiert. Nur eine Woche vor Einstellung des FIDO-Verfahrens im Jahr 2002 habe ihr der leitende Staatsanwalt am Telefon gesagt, dass er noch fünf Jahre ermitteln wolle. Eine Woche später sei das Verfahren beendet und der Staatsanwalt durch einen Kollegen ersetzt worden.

Untersuchungsausschuss zum FIDO-Verfahren

Der Mafia-Untersuchungsausschuss im Landtag beschäftigt sich mit dem FIDO-Verfahren, das vor rund 20 Jahren geführt wurde. Auslöser waren Veröffentlichungen von MDR THÜRINGEN und der Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) im Februar 2021 über interne Behördenstreitigkeiten um den Einsatz eines verdeckten Ermittlers. Der Streit hätte zum Ende von FIDO geführt.

Der Landtagsausschuss will zudem der Frage nachgehen, ob es Kontakte von 'Ndrangheta und Politik, Justiz oder Behörden gegeben hat. Am Dienstagnachmittag wurde die italienisch-deutsche Journalistin Margherita Bettoni als Zeugin gehört. Bettoni gehört zum Rechercheteam von MDR und F.A.Z..

Mehr zum FIDO-Verfahren

MDR(sar)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 01. März 2022 | 18:40 Uhr

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