Alternativen zu Gas und Öl aus Russland Zukunftsmärkte und Rohstoffquellen: Thüringer Unternehmer reisen nach Kasachstan und Usbekistan

Eine Thüringer Wirtschaftsdelegation will in Kasachstan und Usbekistan Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausloten. Am Samstag sind Vertreter von rund 20 Unternehmen und Forschungseinrichtungen in Richtung Zentralasien aufgebrochen. Sie wollen unter anderem prüfen, ob die rohstoffreichen Länder Alternativen zu den weggefallen Öl- und Gaslieferungen aus Russland bieten können. Außerdem soll erkundet werden, ob dort Thüringer Produkte verkauft werden können.

Triumph von Astana, ein Wohngebäude in der Hauptstadt Kasachstans.
Der Triumph von Astana, ein Wohngebäude in der Hauptstadt von Kasachstan. Thüringer Unternehmen reisen für eine Woche in das zentralasiatische Land sowie Usbekistan, um eine Zusammenarbeit auszuloten. Bildrechte: imago/photothek

Eine 25-köpfige Delegation aus Thüringen hat sich am Samstagabend auf eine Reise nach Zentralasien begeben. Unter ihnen sind 17 Unternehmer sowie Vertreter von Forschungseinrichtungen und der Landesentwicklungsgesellschaft LEG, die die "Markterkundungsreise" nach Kasachstan und Usbekistan im Auftrag der Landesregierung organisiert hat. "Es gibt nicht so viele Regionen auf der Erde, die gerade so dynamisch unterwegs sind", sagt Arnuld Wulff, Prokurist bei der LEG und gleichzeitig Leiter der Abteilung Thüringen International, die für Standortvermarktung und Investorenakquise zuständig ist. Die in den beiden Ländern vorhandene Industrie "schreit nach Erneuerung", so Wulff.

Fester Wille für Zusammenarbeit mit Thüringen

Das mag ein Grund sein, warum Maschinen- und Anlagenbauer den größten Teil der Wirtschaftsdelegation ausmachen. "Da kann nämlich Technologie aus Deutschland, aus Thüringen, helfen, die Industrie auf den neuesten Stand zu bringen." Was wiederum Frank Belkner auf den Plan ruft. Der ist Geschäftsführer des Erfurter Bildungszentrums Unternehmensverbund. Der Verbund organisiert nicht nur in Erfurt zahlreiche praktische Aus- und Weiterbildungskurse im Auftrag der hiesigen Industrie, sondern ist auch an ähnlichen Ausbildungszentren in mehreren Ländern beteiligt. "Wir haben schon einige Vorgespräche per Videokonferenz geführt mit Ministerien und haben gute Resonanz bekommen. Es gibt den festen Willen, mit uns zu arbeiten", berichtet Belkner.

Frank Belkner, Geschäftsführer des Erfurt Bildungszentrum Unternehmensverbund
Frank Belkner, Geschäftsführer des Erfurter Bildungszentrums Unternehmensverbund. Bildrechte: MDR/ Florian Girwert

Er ist gespannt, wie es dann vor Ort aussieht, denn bisher ist das Bildungszentrum nicht in den beiden Ländern engagiert. "Aber es gibt schon die Idee, ein Zentrum nach deutschem Standard aufzubauen", sagt er. Denn irgendwer muss ja die modernen Maschinen auch bedienen können, die Thüringer Anlagenbauer gerne nach Kasachstan und Usbekistan verkaufen würden. Für ihn ist auch denkbar, dass mittelfristig einige Fachkräfte aus Zentralasien nach Deutschland kommen, die natürlich zuvor Deutsch erlernen müssten.

Bisher nur wenig Export und keinen Import

Bisher sind die Handelsströme zwischen Thüringen und den zwei Ländern übersichtlich. Nach Kasachstan mit seinen knapp 19 Millionen Einwohnern exportierte die Thüringer Wirtschaft in den letzten zehn Jahren Waren im Wert von 20 bis 30 Millionen Euro pro Jahr. Nach Usbekistan, das etwa 35 Millionen Einwohner hat, gingen Güter im Wert von 3 bis 8 Millionen Euro pro Jahr. Gemessen am Exportvolumen, das zuletzt bei etwa 15 Milliarden Euro lag, kommen beide Länder zusammen auf etwa ein Viertel Prozent des Thüringer Exportvolumens. Beim Import nach Thüringen spielen beide Länder bisher überhaupt keine Rolle. Dabei gebe es gerade hier durchaus Potenzial, heißt es bei der LEG.

Die beiden Länder strotzen vor interessanten Rohstoff-Quellen. Ob Öl, Gas, Buntmetalle, seltene Erdmetalle – das ist dort alles vorhanden.

Arnuld Wulff, Prokurist LEG Thüringen

Zudem hätten sich zahlreiche internationale Unternehmen von Russland und Belarus abgewandt und engagierten sich stattdessen in Kasachstan. Beide Staaten sind ehemalige Sowjetrepubliken und traditionell mit Russland eng verbunden. Auch China versucht seinen Einfluss hier auszubauen. Russische Soldaten halfen zu Jahresbeginn gar, in Kasachstan Demonstrationen wegen gestiegener Energiepreise gewaltsam zu beenden. Beide Staaten sind autoritär regiert. Seit dem Krieg in der Ukraine allerdings gehen die Staaten jedoch auf Distanz zu Russland, schreibt das Thüringer Wirtschaftsministerium auf Anfrage von MDR Thüringen. Zudem schätze das Auswärtige Amt die Lage dort grundsätzlich als stabil ein. Beide Länder hätten ein Interesse, sich unabhängiger von Russland und und China zu machen.

Arnuld Wulff von der LEG
Arnuld Wullf, Prokurist bei der LEG Thüringen. Bildrechte: MDR/ Florian Girwert

Große Resonanz auf Unternehmerreise

Die Resonanz aus dem Kreis der Unternehmer jedenfalls hat die LEG überrascht. "Im Normalfall melden sich da 8 bis 12, die mitfahren wollen", berichtet Wulff. Dass es dann 17 geworden sind, habe positiv überrascht, zumal das Interesse an der Reise noch größer gewesen sei. In sieben Tagen, wenn die Reise zu Ende ist, werden die Thüringer dann wissen, ob es sich gelohnt hat.

MDR (jml)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 25. September 2022 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

Anni22 vor 9 Wochen

Warum nicht, man kann sicher auch russisches ÖL- und Gas über diese Route bekommen. (Dann steht Putin auch nicht im Weg...) Es würde mich auch mal interessieren, welchen Preis der Herr Scholz in Saudi Arabien ausgehandelt hat.

martin vor 9 Wochen

Es wurde schon lange Zeit und ist völlig richtig, wenn sich Staat und Unternehmen darum bemühen, dass die notwendigen Importe von unterschiedlichen Anbietern bedient werden.

OOOO vor 9 Wochen

Nach der Pleite mit Katar, nun ein neuer Lieferant, Kasachstan!
Der Focus berichtet: Energie-Lösung für Deutschland ist da - im Weg stehen Putin und Xi, ja und die werden D u. EU im Weg o. werden sie ausbooten.

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