Einkommen Arbeitsagentur: Thüringer würden von höherem Mindestlohn profitieren

In diesem Jahr soll der Mindestlohn nach Plänen der Ampel-Koalition im Bund um gut zwei Euro auf zwölf Euro steigen. Die Arbeitsagentur erwartet, dass davon zahlreiche Thüringer profitieren werden. Vollbeschäftigte würden dann etwa 2.080 Euro brutto verdienen. Aktuell liegen die Gehälter zum Beispiel im Friseurhandwerk oft darunter.

Friseur bei der Arbeit
Auch Friseurinnen und Friseure profitieren häufig von der Mindestlohn-Erhöhung. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/ Holger John Viadata

Von der geplanten Mindestlohn-Erhöhung können nach Einschätzung der Landesarbeitsagentur zahlreiche Berufsgruppen in Thüringen profitieren. So würden viele Fachkräfte im Friseurhandwerk, in der Gastronomie und Hotellerie oder im Lebensmittelverkauf bei einer Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro brutto pro Stunde demnächst statistisch gesehen mehr verdienen, sagte ein Sprecher der Landesarbeitsagentur. Noch größer als bei den Fachkräften ist die Gruppe derer, die von einer solchen Anhebung profitieren würden, bei den unqualifizierten Hilfsarbeitern.

Das Bundesarbeitsministerium will den Mindestlohn noch in diesem Jahr auf zwölf Euro brutto pro Stunde anheben. Zuletzt hieß es, eine solche Anhebung könnte zum 1. Oktober greifen. Derzeit liegt der Mindestlohn in Deutschland bei 9,82 Euro. Die Anhebung des Stundensatzes auf zwölf Euro ist im Koalitionsvertrag der Ampelkoalition aus Sozialdemokraten, Grünen und FDP festgeschrieben, die im Bund zusammen regieren.

Ein solcher Mindestlohn würde bei einem Vollzeitbeschäftigten mit 40-Stunden-Woche zu einem Bruttoverdienst von 2.080 Euro führen, erklärte die Landesarbeitsagentur. Viele Beschäftigte hätten zuletzt teils deutlich unterhalb dieses Schwellenwertes verdient.

So verdienten Friseur-Fachkräfte im Dezember 2020 beispielsweise statistisch gesehen etwa 1.500 Euro brutto pro Monat. Im Lebensmittelverkauf, in der Hotellerie und in der Reinigung gab es 2020 etwa 1.700 bis 1.900 Euro brutto pro Monat. Helfer in der Reinigung oder in der Lagerwirtschaft verdienten etwa 1.800 bis 1.900 Euro.

Stundenzahl der Arbeitnehmer macht genaue Erhebung schwierig

Der Sprecher der Arbeitsagentur wies allerdings darauf hin, dass die Verdienste der Beschäftigten im Einzelfall schon deshalb von diesen Werten abweichen können, weil dabei nicht exakt berücksichtig werde, wer in Vollzeit und wer in Teilzeit arbeite. Deshalb ließe sich auch nicht genau beziffern, wie viele Beschäftigte in Thüringen von der Anhebung des Mindestlohns profitieren würden. An der grundsätzlichen Einschätzung zu den einzelnen Berufsgruppen ändere dies aber nichts.

Trotz Erhöhung: Kein solides Einkommen bei Mindestlohn

Gleichzeitig zeigen die Zahlen der Agentur, dass ein Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde selbst in Vollzeit im bundesweiten Vergleich nicht ausreichen würde, um ihm ein solides Einkommen zu garantieren. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit lag die Schwelle zum sogenannten unteren Entgeltbereich im Jahr 2020 bei 2.284 Euro brutto pro Monat. Ein Mindestlohn-Einkommen von 2.080 Euro liegt deutlich darunter.

Die SPD-Landtagsfraktion hatte erst vor wenigen Tagen gefordert, dass in Thüringen mehr getan werden müsse, um Menschen aus dem unteren Einkommensbereich herauszuholen. Die Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro pro Stunde sei ein wichtiger Schritt, doch dürfe man es nicht dabei belassen, sagte SPD-Arbeitsmarktpolitikerin Diana Lehmann im Landtag. Ob in einem Unternehmen Tariflöhne - die in der Regel oberhalb des Mindestlohns liegen - gezahlt werden, müsse deshalb auch bei Ausschreibungen auf kommunaler Ebene und bei der regionalen Wirtschaftsförderung berücksichtigt werden.

MDR(ls,dpa)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. Februar 2022 | 06:00 Uhr

23 Kommentare

Lavendel vor 21 Wochen

@Harka2
Warum nur habe ich da s Gefühl, dass sie in einem anderen Land als ich leben?

Wenn ich mich in meinem Umfeld umsehe, dann sind viele Firmen eben keine kleinen Klitschen und man kann dort einen Betriebsrat gründen, der Arbeitnehmerinteressen vertritt.

Eine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft lässt einen aber auch so nicht alleine da stehen, wenn der Arbeitgeben meint, dass Gesetze nicht für ihn gelten.

Entweder man tut konkret etwas, damit sich was verändert, oder man jammert herum und wählt die AfD, weil die sich auf dieses Wutklientel spezialisiert hat und ihnen zu mindestens kostenlose und leere Versprechungen macht. Sie wissen schon... die Partei der kleinen Leute. Es soll arme Schlucker geben, die eine rechtsradikale Hardcore FDP aus dieser Motivation heraus wählen und glauben, dass sich dadurch etwas für sie wirtschaftlich verbessert.

Harka2 vor 21 Wochen

@Ines W.
Eine Gewerkschaft nützt nur dann etwas, wenn der Arbeitgeber in einem der Dachverbände organisiert ist, was in Thüringen aber nur auf die allerwenigsten Unternehmen zutrifft. In den kleinen Unternehmen wird ein Gewerkschafter einfach nur entlassen, wenn er aufmuckt. Hier herrscht Manchesterkapitalismus in Reinkultur.

Harka2 vor 21 Wochen

Lokführer sind hochqualifiziert und haben einen stressigen Job. Da kann man keine ungelernten Leute dafür nehmen und dementsprechend haben die Lokführer auch die Möglichkeit Druck auszuüben. Die private Konkurrenz zahlt zudem noch deutlich besser, weil schlicht weg die Facharbeiter nicht nachwachsen.

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