Schatz von Erfurt Alte Synagoge in Erfurt als Museum eröffnet

Die Alte Synagoge in Erfurt ist fast 1.000 Jahre alt und damit eine der ältesten komplett erhaltenen Synagogen Mitteleuropas. In dem als Museum genutzten Gotteshaus ist der wertvolle Gold- und Silberschatz eines jüdischen Kaufmanns ausgestellt. Der Schatz war bei Bauarbeiten entdeckt worden. Bisher wurde er schon in London und New York gezeigt.

Die alte Synagoge in Erfurt ist am Montag mit einem Festakt als Museum wiedereröffnet worden. Das um 1100 gebaute Gebäude zeigt Zeugnisse der jüdischen Gemeinde der Thüringer Stadt im Mittelalter. Das im Jahr 2007 mit Millionenaufwand sanierte Gotteshaus wurde eigens für die Ausstellung des "Schatzes von Erfurt" ausgestattet und umgebaut. Es gilt als eine der ältesten erhaltenden jüdischen Gotteshäuser in Europa.

Die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sagte bei der Eröffnung, das Museum werde ein wichtiger Bestandteil historischer Aufklärung sein.

Der sogenannte Erfurter Schatz wurde 1998 zufällig bei Grabungen in der Nähe eines alten Hauses in Erfurt entdeckt. Die Schmuckstücke, unzählige Münzen, Silberbarren und Becher stammen vermutlich aus dem Besitz eines jüdischen Händlers, der der Pogromnacht im Jahr 1349 zum Opfer fiel. Die einzigartigen Dokumente frühen jüdischen Lebens zeugen von dessen ausgedehnten Handelsbeziehungen.

Der Schatz gilt in Expertenkreisen als Sensation und war zuletzt in New York und London zu sehen. Dort wollten Tausende Besucher die Ausstellung sehen. Mit dem Einzug in die Alte Synagoge wird er nun dauerhaft am Fundort selbst zu sehen sein.

Ausstellungshöhepunkte

Im Erdgeschoss des Gebäudes in der Waagegasse wird die Baugeschichte der Synagoge dokumentiert. Im Obergeschoss werden mittelalterliche Handschriften ausgestellt. Im Keller der Synagoge können Besucher den wertvollen Schatz des jüdischen Kaufmanns sehen. Dazu gehören Silbermünzen und Silberbarren sowie zahlreiche gotische Goldschmiedearbeiten wie Schmuck und Geschirr.

Neben den anderen Schmuckstücken wird auch ein seltener sperriger gotischer Hochzeitsring zu sehen sein. Derartigen Schmuck gibt es weltweit nur dreimal. Außerdem können sich die Besucher über die edlen Broschen, die damals aufgrund eines mittelalterlichen Luxusverbotes nicht in der Öffentlichkeit getragen werden durften, und über all die anderen geheimnisvollen Glanzstücke, informieren.

Nach 1990 wiederentdeckt: Die Synagoge

Die Alte Synagoge gehört zu den ältesten jüdischen Gotteshäusern in Europa. Während der Pogrome in der Pestzeit wurde die Synagoge 1349 teilweise zerstört. Danach wurde sie als Gotteshaus aufgegeben. Nach mehreren Umbauten diente das Haus verschiedenen Zwecken. Im 19. Jahrhundert war es ein Kaffeehaus bzw. ein Restaurant mit Kegelbahn und Tanzsaal. Durch die Umnutzung geriet die ursprünglich Bestimmung des Gebäudes in Vergessenheit. Das sei ihre Rettung gewesen, meinte Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein. Andernfalls hätte sie vermutlich die von den Nazis initiierte Reichspogromnach im Jahr 1938 nicht überlebt. Damals waren in Deutschland zahlreiche Synagogen zerstört worden.

Nach 1990 wurde das Gebäude bei der Stadtsanierung "wiederentdeckt" und für rund 1,4 Millionen Euro saniert.

Dauerausstellung Alte Synagoge Waagegasse 8
99084 Erfurt
Die-So: 10:00-18:00 Uhr

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