Brücke Streit um ein A - Apolda ringt um seine "Natourblüte"

Autorenbild Conny (Cornelia) Mauroner
Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Apolda ist Außenstandort der Bundesgartenschau und will mit seinen Promenaden und einem Ringwanderweg punkten. Der, so sind sich die Apoldaer einig, einzigartig ist. Soweit der Konsens. Und doch gibt es Streit und das ausgerechnet über ein verbindendes Element: über eine Brücke.

Menschen spazieren auf einer Promenade in einem Park.
Vier Jahre ist die Landesgartenschau in Apolda inzwischen her. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Vier Jahre ist es inzwischen her, dass Apolda im Weimarer Land die Landesgartenschau ausgerichtet hat. Millionen wurden damals in die Stadt und ihre Parks investiert. Die Planer sprudelten nur so vor Ideen. Nicht alle davon wurden umgesetzt. Da kam die Bundesgartenschau 2021 genau richtig.

Gläserner Pavillon in einem Park.
Viele Ideen wurden zur Landesgartenschau in Apolda umgesetzt - aber nicht alle. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Apolda als Außenstandort erinnerte sich an unerfüllte Wünsche und zog Pläne aus den Schubladen, die 2017 nicht realisiert werden konnten. So wurde das Projekt "Natourblüte" aufgehübscht und zur "Natourblüte 2.0". Im Kern geht es darin um eine Symbiose von Stadt und Natur. Konkret ist es ein Ringweg, der Apolda umschließt und die beiden Promenaden der Stadt verbindet.

Sängersteinplatz, Teilprojekt der NaTOURblüte 2.0
Der Sängersteinplatz ist ein Teilprojekt der Natourblüte, er wurde im Dezember 2020 fertig gestellt. Bildrechte: Stadt Apolda

Der Weg führt entlang der Herressener Promenade, der Streuobstwiesen des Apfelbachgrundes in Richtung Schötener Promenade. Der beliebte Wanderweg soll aufgewertet werden. Geplant sind:

  • Erlebnisstationen
  • Rastplätze
  • ein Naturspielplatz
  • ein "Platz der jungen Pfadfinder"
  • die Sanierung des historischen Aufgangs zum Apoldaer Schloss
  • Bänke
  • Beschilderung und einiges mehr

Zehn Module umfasst das Konzept. Einige wurden bereits umgesetzt. Der Naturspielplatz in der Schötener Promenade und der Schlossaufgang sind Beispiele. Die Gestaltung des Sängersteinplatzes, der im Dezember vergangenen Jahres eingeweiht wurde, ein weiteres.

Sängersteinplatz, Teilprojekt der NaTOURblüte 2.0
Sängersteinplatz Bildrechte: Stadt Apolda

Apolda investiert viel Geld, um ein schicker Bundesgartenschau-Außenstandort zu werden. Unterstützung kommt dabei auch vom Land. Der Efre-Fonds für Kultur und Kunst der Thüringer Staatskanzlei wird angezapft. Auch die Stadt selbst gibt Geld dazu. Allein der Landkreis hat seine avisierten 200.000 Euro Unterstützung verwehrt. Böser Wille kann nicht unterstellt werden. Vielmehr spricht Stadtrat und Kreistagsmitglied Hannes Raebel (CDU) von einer "missglückten Kommunikation".

Erlebniswanderweg Natourblüte 2.0
Gesamtkosten 1.049.435,00  (100 Prozent)
abzgl. EFRE-Fördermittel - 839.548,00  (80 Prozent)
= Anteil der Stadt = 209.887,00  (20 Prozent)

Die Stadt hatte sich zudem eine Beteiligung des Kreises erhofft. Von den 200.000 Euro wird der Kreis allerdings nichts übernehmen.

Der Streit ums "A"

Etliche Kreistagsmitglieder stimmten gegen die Förderung, weil sie mit einem Teilprojekt der "Natourblüte 2.0" nicht einverstanden sind. Es geht um die Maßnahme mit der Planungsnummer M4: Die Aussichts- und Fußgängerbrücke hat die Form eines stilisierten "A". Das ist dem Logo der Stadt nachempfunden und soll Besucher begrüßen, die auf dem Weg von Jena über die Landesstraße nach Apolda hineinrollen. Die Brücke soll eine Lücke der Ringpromenade schließen und Fußgänger sicher über die Straße führen. Zudem werben die Brücken-Befürworter damit, dass das "A" eine Aussichtsplattform sei.

Entwurf der umstrittenen Brücke
Entwurf der umstrittenen Brücke Bildrechte: Stadt Apolda

Geldverschwendung für Grüne

"Alles Quatsch", sagt beispielsweise Max Reschke von den Grünen. "Die Brücke ist viel zu weit ab vom Schuss. Der Standort einfach falsch gewählt und eine Aussicht hat man von da auch nicht. Die Bäume drumherum sind viel zu hoch." Für Reschke ist das Bauwerk ein reines Prestigeprojekt und mit kalkulierten 600.000 Euro Baukosten Geldverschwendung.

Herzensprojekt für CDU

Hannes Raebel (CDU) hingegen nennt die Brücke ein "Herzensprojekt und am Puls der Zeit". Interaktiv und mit Computertechnik ausgestattet, sollen Besucher dort mehr über die Region erfahren können. "Mit solchen Tools kann man auch junge Leute in die Natur ziehen", so Raebel.

Aber auch wenn das Geld vom Landkreis nun nicht kommt: Die Brücke, sie wird aller Wahrscheinlichkeit nach gebaut. Das Planungsbüro ist aktuell mit der Entwurfsplanung beschäftigt.

Baustart im Frühjahr möglich

"Sind die Ergebnisse der jüngsten Baugrunduntersuchungen ausgewertet sowie planerisch berücksichtigt, nicken alle anderen Gremien, wie zum Beispiel das Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr, diese Planung ab, passen die Kosten ins Budget und gelingt der Flächenankauf, könnte ab Frühjahr gebaut werden", sagt Bürgermeister Rüdiger Eisenbrand (parteilos).

Menschen liegen in Hängematten.
Baustart verschlafen? Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Die 200.000 Euro vom Kreis fehlen jedoch. Das wiederum geht zu Lasten anderer Ideen, die hinter der "Natourblüte 2.0" stecken, bedauert Bürgermeister Eisenbrand. Denn wir erinnern uns: Es geht nicht nur um eine Brücke, sondern um einen Erlebnis-Wanderweg. Und ganz nebenbei drängt die Zeit. Die Buga 2021 - sie wird im April eröffnet.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 10. Januar 2021 | 12:30 Uhr

2 Kommentare

Anita L. vor 27 Wochen

Deswegen sollte man nie nur die Überschriften lesen... ;-)

nl aus jena vor 27 Wochen

"Geldverschwendung für Grüne"
Dieser Satzbau kann zu betraechtlichen Irritationen fuehren.

Mehr aus der Region Weimar - Apolda - Naumburg

Mehr aus Thüringen