Auerstedt Rätsel um Flugzeugabsturz fast gelöst

Fast streifte die "brennende Zigarre" den Kirchturm von Auerstedt, bevor sie mit einer gewaltigen Druckwelle am Schützenberg explodierte. Die Besatzung des Bombers wurde auf dem Friedhof des kleinen Thüringer Örtchens begraben. Wer waren die Männer, die am 14. März 1945 ihr Leben ließen? Dieses Rätsel könnte schon bald gelöst werden.

Friedhof Auerstedt
Auf dem Friedhof in Auerstedt wird ein Grab geöffnet Bildrechte: MDR THÜRINGEN

René Schütz ist zufrieden. Die kleine halbvermoderte Plakette in seiner Hand beweist, dass seine Theorie korrekt sein könnte. Gefunden hat er sie in einem Soldatengrab auf dem Friedhof in Auerstedt bei Bad Sulza. Seit über 70 Jahren lag sie in der Erde. Doch die Buchstaben "Can" sind immer noch deutlich zu erkennen. "Can" steht für Kanada. Und der Soldat dem sie einst gehörte liegt seit Ende des Krieges unerkannt auf dem Friedhof des kleinen Thüringer Örtchens.

Erkennungsmarke
Die Buchstaben "Can" sind deutlich auf der halb vermoderten Plakette zu erkennen. Bildrechte: MDR THÜRINGEN

"Brennende Zigarre" explodierte mit ungeheurer Wucht

"Ein unbekannter amerikanischer Soldat" stand all die Jahre auf dem Grabstein. Denn wer da genau am 14. März 1945 über einem nahe gelegenen Acker abstürzte konnte nie mit letzter Gewissheit geklärt werden. Werner Meister aus Auerstedt war damals dabei, als die Maschine runter ging. Der ältere Herr ist Jahrgang 1938 und war damals sieben Jahre alt. Auch er ist anwesend, als das alte Grab geöffnet wird. Bereitwillig schildert er die Ereignisse von damals.

Auerstedt lag während des Zweiten Weltkrieges in der Einflugschneise für die alliierten Bomber, die nach Lützkendorf und Leuna flogen um dort die Ölraffinerien zu bombardieren, erzählt der ehemalige Geschichtslehrer. Gegen 22 Uhr ist er damals auf den nahen Lichtberg gerannt, um den herannahenden Flugzeugen zu entgehen. Was sie dann am Himmel sahen, beschreibt Werner Meister als "brennende Zigarre". Nur knapp verfehlte das abstürzende Flugzeug den Kirchturm. Kurz darauf prallte es in den Hang des Schützenberges wo es explodierte. Mit an Bord: die gesamte Bombenlast. Die gewaltige Druckwelle riss die Familie Meister damals fast von den Beinen.

Werner Meister
Werner Meister war sieben Jahre alt, als das Flugezug abstürzte. Er erinnert sich noch ganz genau. Bildrechte: MDR THÜRINGEN

Die Erkennungsmarke beweist: Ihr Träger war Kanadier

Die menschlichen Überreste der Besatzungsmitglieder wurden eingesammelt. Nur einem der Insassen gelang es, mit dem Fallschirm abzuspringen. Auch er konnte sein Leben nicht retten. Das Flugzeug war bereits zu tief. Der Fallschirm öffnete sich nicht. Seine Leiche wurde auf dem Friedhof begraben. Später vermutete man in dem Toten den amerikanischen Bordschützen Thomson, Besatzungsmitglied des viermotorigen britischen Bombers Avro Lancaster RF-153. Dass dies so nicht stimmen kann, beweist die kanadische Erkennungsplakette im Grab des Soldaten.

René Schütz und sein Team von der "Vermisstensuche Thüringen" vermuteten schon lange, dass damals ein anderes Flugzeug am Berg explodierte. Denn der britische Bomber "Lancaster RF-153" ging nachweislich in Braunsbedra runter. Die Überreste der Besatzungsmitglieder ruhen auf einem Berliner Friedhof. Nach ausgiebiger Recherche sind sie fast sicher: Das Flugzeug in Auerstedt war ein ebenfalls im Zweiten Weltkrieg verschwundener Bomber vom gleichen Typ, der mit siebenköpfigen Besatzung seit dem 14. März 1945  vermisst gemeldet ist. Der heutige Fund scheint diese These zu bestätigen. Die gefundene Erkennungsmarke beweist, der Besitzer war kein US-Amerikaner, sondern Kanadier. Um wen es sich genau handelt, kann nur eine DNA-Analyse zeigen.

René Schütz
René Schütz ist der Initiator der Vermisstensuche. Bildrechte: MDR THÜRINGEN

Auch die Leichenteile der übrigen Besatzungsmitglieder fanden sich in dem geöffneten Grab - gebettet in einer Kiste. Die gewaltige Explosion am 14. März 1945 hatte ihre Körper zerfetzt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 13. April 2021 | 15:00 Uhr

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