Gesundheitsbranche Zentralklinik Bad Berka gliedert Abteilungen in Tochterfirmen aus

Autorenbild Conny (Cornelia) Mauroner
Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

In Bad Berkas Zentralklinik wird umstrukturiert. Einige Klinikbereiche sollen ausgegliedert werden. Den Anfang macht gleich im Januar 2022 die IT. Eine Entwicklung, die Betriebsrat und Gewerkschaft Ver.di mit großem Argwohn beobachten.

Hinweisschilder vor einem Krankenhaus.
Die Zentralklinik in Bad Berka. Fünf Abteilungen sollen nach dem Willen des Mutterkonzerns Asklepios in Tochtergesellschaften ausgegliedert werden. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Ausgliederungen und das mitten in der Pandemiezeit. Einer Zeit, in der das Personal ohnehin überstrapaziert ist. Für Ver.di-Sprecher Hannes Gottschalk "setzt das dem Ganzen die Krone auf." Das sei wenig moralisch, sagt er. Tatsächlich wird konzernintern aber schon lange über Ausgliederungen diskutiert.

Fünf Abteilungen vor Ausgliederung

2020, als der Klinikkonzern Asklepios die Aktienmehrheit am Konkurrenten Rhön-Klinikum AG erlangte und damit die Zentralklinik übernahm, kamen die Pläne auf den Tisch. "Und die haben es in sich", wie Betriebsrat Ivo Schenk informiert. "Fünf Abteilungen der Klinik sollen ausgegliedert werden, darunter die Sterilisation, die Medizintechnik, Haustechnik und IT. Das Krankenhaus kauft die Leistungen der neuen Unternehmen dann ein."

Das ist die Zentralklinik in Bad Berka

Mit knapp 1.800 Mitarbeitern ist die Zentralklinik Bad Berka ein großer Arbeitgeber in der Region. Die Arbeitnehmerschaft wird durch einen aus 15 Mitarbeitern bestehenden Betriebsrat vertreten. Darüber hinaus gibt es einen überregional angebundenen Konzernbetriebsrat sowie die Mitarbeitervertretung im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG. Von der Umstrukturierung sind zunächst fünf Bereiche mit insgesamt 85 Mitarbeitern betroffen.

Geschäftsführung: Pläne sind "unternehmerisch vernünftig"

Der Geschäftsführer der Zentralklinik, Robert Koch, verteidigt diesen Schritt als "unternehmerisch vernünftig". "Rhön tut nur, was auch andere Klinik-Verbünde längst getan haben. Wir bündeln Kompetenzen und rüsten uns damit für die Zukunft", so Koch.

Der Markt regelt das Geschäft.

Robert Koch I Geschäftsführer der Zentralklinik

Betriebsräte befürchten Nachteile für Mitarbeiter

Rhön strukturiert nicht nur die Zentralklinik um - sämtliche Kliniken des Verbundes werden umgebaut. Zum Ärger der Betriebsräte. Sie haben schlimmste Befürchtungen. "Mitarbeiter, die jetzt noch Angestellte der Klinik sind, haben dann andere Arbeitgeber. Sie scheiden aus Haustarifverträgen aus. Haben keine Stimme durch Betriebsräte mehr und zukünftige, neue Mitarbeiter werden nicht mehr zu den aktuellen Konditionen eingestellt." Ver.di nennt es "Tarifflucht durch die Hintertür".

Mitarbeiter, die jetzt noch Angestellte der Klinik sind, haben dann andere Arbeitgeber. Sie scheiden aus Haustarifverträgen aus und haben keine Stimme durch Betriebsräte mehr.

Ivo Schenk I Betriebsrat der Zentralklinik

Eine Befürchtung, die Klinik-Chef Koch zerstreuen will: "Der Markt regelt das Geschäft. Bei dem Fachkräftemangel, der aktuell vor allem im betroffenen IT-Bereich herrscht, wird es immer eine marktgerechte Vergütung geben." Zudem sei gesetzlich geregelt, wie ein Betriebsübergang stattzufinden hat. "Für ein Jahr gelten damit die alten Verträge", so Koch.

Betriebsräte befürchten schlechtere Versorgung

Haupteingang zur Zentralklinik Bad Berka
Der Haupteingang zur Zentralklinik Bad Berka. Konzernspitze und Betriebsrat suchen nach einer "verträglichen Lösung" für betroffene Mitarbeiter. Bildrechte: dpa

Doch Betriebsräte und Gewerkschaft haben weitere Bedenken. Viele Tochtergesellschaften erschwerten die Abläufe und schadeten der Versorgungsqualität, sagen sie. Aufgaben würden künftig nicht auf dem kurzen Dienstweg, sondern über Umwege erledigt. "Und das", so Ver.di-Sprecher Gottschalk, "ist ein großer Nachteil für Beschäftigte, aber auch für Patienten." Betriebsrat Ivo Schenk fragt: "Was ist zum Beispiel, wenn die Spülmaschine ausfällt? Ehe ein Techniker der neuen Dienstleistungsgesellschaft kommt, müssen die Pflegekräfte selbst abspülen. Das kann ewig dauern."

Gedanken, die Koch zerstreuen will. "So etwas wird auf keinen Fall passieren. Die Pflegekräfte werden am Patienten gebraucht." Dienstleister gebe es nach wie vor am Ort. "Nur eben in einer Tochtergesellschaft organisiert."

Verträgliche Lösungen werden gesucht

"Die Aufsplitterung wird nicht mehr zu verhindern sein", schätzt Konzern-Betriebsrat Oliver Salamon die Situation ein. "Wir können nur mildern." Betriebsräte stecken deshalb mitten in den Verhandlungen zum so genannten Interessensausgleich. Gemeinsam mit der Konzernspitze suchen sie nach verträglichen Lösungen. "Für die Mitarbeiter sollen so viele Nachteile wie möglich verhindert werden." In einigen Bereichen sei das auch schon gelungen, sagt Ivo Schenk.

IT-Abteilung macht den Anfang

Schon im Januar wird die Aufsplittung dann Realität sein. Den Anfang macht gleich die IT. "Die Kliniken sollen sich besser vernetzen. Die Zukunft liegt in der Telemedizin. Da braucht es den Blick über den Tellerrand hinaus", so Geschäftsführer Koch. Betriebsräte und Gewerkschaft bleiben skeptisch. Für Ver.di-Sprecher Hannes Gottschalk sind Ausgliederungen nach wie vor "ein kurzsichtiger Irrweg".

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 02. Dezember 2021 | 07:20 Uhr

Mehr aus der Region Weimar - Apolda - Naumburg

Mehr aus Thüringen