Landwirtschaft Höhere Preise für Erzeuger gefordert: Bauern blockieren Lager von Discountern

In Gera und in Nohra im Weimarer Land haben von Sonntagabend bis Montagmittag Landwirte für höhere Erzeugerpreise demonstriert. Insgesamt blockierten etwa 100 Teilnehmer mit Traktoren die Einfahrten von zwei Lagern der Discounter Aldi und Lidl. Während der Protest vor dem Logistikzentrum von Lidl in Gera am frühen Morgen beendet wurde, wurde in Nohra bei Aldi bis zum Montagmittag weiter demonstriert. Nach Gesprächen mit Vertretern der Logistikzentren lenkten die Landwirte nach eigenen Angaben ein.

Landwirte blockieren mit Traktoren die Zufahrt zu einem Aldi-Lager in Nohra im Weimaer Land.
Landwirte blockieren mit Traktoren die Zufahrt zu einem Aldi-Lager in Nohra im Weimaer Land. Bildrechte: MDR/Franziska Grewe

Wie ein Sprecher der Initiative "Land schafft Verbindung" MDR THÜRINGEN sagte, seien viele landwirtschaftliche Betriebe in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Stetig steigende Kosten bei sinkenden Einnahmen würden viele Betriebe in ihrer Existenz gefährden. Durch die Corona-Pandemie habe sich die Situation nochmals verschärft. Mit den Protesten wollten die Landwirte Gespräche erwirken. Wie ein Sprecher von Aldi Nord sagte, finden Gespräche mit den Landwirten bereits seit Monaten statt. Die Bauern fordern aber nicht nur langfristige, sondern auch kurzfristige Lösungen.

Bauernprotest Gera
Protestierende Bauern in Gera am Sonntagabend. Bildrechte: MDR THÜRINGEN

Die Initiative "Land schafft Verbindung" hatte Mitte Dezember einen offenen Brief an den Lebensmittel-Einzelhandel geschrieben. Darin fordert sie unter anderem kostendeckende Preise, mehr Wertschätzung für die einheimische Landwirtschaft und weniger bürokratische Hürden für die Betriebe. Als Reaktion auf den Brief habe es jedoch nur Lippenbekenntnisse gegeben, hieß es.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 04. Januar 2021 | 19:00 Uhr

8 Kommentare

Micha R vor 14 Wochen

In Wertschöpfungsketten der Landwirtschaft stehen zwischen Bauern als Produzenten und dem für Verkauf an Endverbraucher zuständigen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) bei den meisten landwirtschaftlichen Produkten vielfach noch die Verarbeitungswirtschaft.
(Auch wenn etliche Molkereien und Teile der Fleischindustrie entweder den Bauern über Genossenschaften oder dem LEH gehören.)

Eine Aufhebung des Verbotes von Preiskartellen in diesem Bereich oder die Einführung staatlich festzulegende kostendeckender Mindestpreise sowohl für Produzenten, Verarbeiter und Einzelhandel führte aber nur wieder zu Fehlanreizen auf Seite der Produzenten.
(Erinnert sei nur an "Butterberge" und "Milchseen" vergangener Tage.)

Damit sich bei landwirtschaftlichen Produkten Angebot und Nachfrage auch hierzulande wieder "einpegeln", kann eine Lösung nur im Abbau der enormen Überkapazitäten (insbesondere im nordwestdeutschen "Schweinegürtel") plus gleichzeitiger Stärkung ihrer regionaler Vermarktung bestehen!

zenkimaus vor 14 Wochen

Wenn die Butter 1.19 kostet kauf ich die. Logisch. Tja liebe Bauern ihr habt euch für Abhängigkeit entschieden, dann jammert nicht. Oder ihr macht euch auf den langen Weg zu einer oder mehreren Genossenschaften und nehmt euer Schicksal wieder in die eigene hand. Wird schwer da ihr gegen euren eigenen Bauernverband agiert, doch nur so kann es werden. Oder wie Angestellte in der Industrie und Handel arbeiten mit allen negativen Auswirkungen.

kleinerfrontkaempfer vor 14 Wochen

REW,Aldi,Lidl,Edeka => 85% Handelsanteil in Doitschland. Bei Milch bleibt aber nur ca. 20% der Produktion hier. Der Rest geht in die Welt! Nur hat China inzwischen die Produktion hochgefahren. Rußland ist Dank doitscher Hilfe, z.B. Ekosem-Konzern, autark und lächelt über das EU-Embargo. Australien drängt massiv auf den Weltmarkt. Die doitsche Landwirtschaft hat vor Jahren reagiert, umgestellt+investiert. Nun also der Einbruch. Große Einheiten stehen relativ gut da. Das Bäuerlein mit 100 Kühen verzweifelt. Die Zeche zahlt der Verbraucher. Einmal mit Subventionen/Steuergeld, dann wieder mit höheren Kaufpreisen. Reguliert hat es ja der MARKT. Bloß gibt es den MARKT nicht. Der wird von Menschen+Institutionen+Interessen gemacht und dient einem einzigen Ziel: Ungebremster Konsum/Profit. Der Staat als Regulativ wird sich tunlichst heraushalten. Schließlich will der, mit seiner ganzen Organisation+Personal, weiter existieren und das möglichst unbehelligt und "unersetzlich" sein.

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