Auktion in Wien Wertvoller Thüringer Flügelaltar versteigert - Stadt Erfurt geht leer aus

Ein Flügelaltar aus dem Weimarer Land ist am Mittwoch in Wien für eine halbe Million Euro versteigert worden. Erfurt hätte das Kunstwerk aus dem 15. Jahrhundert gern ersteigert und im Angermuseum gezeigt. Doch die Landeshauptstadt ging bei der Auktion leer aus.

Ein Flügelaltar aus Blankenhain mit Maria, Jesus und zwölf Heiligen.
Geöffnet zeigt der Flügelaltar aus dem 15. Jahrhundert Maria mit dem Jesus-Kind. Flankiert wird sie von Heiligen und Schutzpatronen. Bildrechte: Auktionshaus im Kinsky Wien

Ein rund 500 Jahre alter Flügelaltar aus Thüringen ist am Mittwochnachmittag in Wien für eine halbe Million Euro versteigert worden. Die Stadt Erfurt, die sich ebenfalls um den Altar bemüht hatte, ging bei der Auktion leer aus.

Wer den historisch wertvollen Flügelaltar gekauft hat, wollte das Auktionshaus nicht mitteilen. Wie der Erfurter Kulturdezernent Tobias Knoblich MDR THÜRINGEN sagte, hatte für die Stadt Erfurt ein privater Kunsthändler mitgeboten. Die Stadt habe ein wichtiges Kunstwerk zurückholen und sich für die Thüringer Kunstgeschichte engagieren wollen. Knoblich sagte, er sei enttäuscht, dass dies nicht gelungen sei.

350.000 Euro plus Nebenkosten haben nicht gereicht

Der Kunsthändler konnte laut Knoblich bis zu einem Preis von etwa 350.000 Euro plus Nebenkosten mitbieten. Die Stadt wollte den Flügelaltar dann später dem Kunsthändler abkaufen. Das Land Thüringen und eine Stiftung hätten das Vorhaben finanziell unterstützt. Die Stadt hätte sich mit einer Summe von bis zu 50.000 Euro beteiligen können. Davor hätte es aber noch grünes Licht vom Stadtrat geben müssen, sagte Knoblich. Das sei wegen der kurzfristigen Versteigerung des Flügelaltars noch nicht möglich gewesen.

Eine Idee, wo der Flügelaltar hätte zu sehen sein können, gab es schon: Er sollte einen Platz im Mittelalterbereich des Angermuseums in Erfurt bekommen. Knoblich sagte, er hoffe weiter, dass das Werk eines Tages wieder nach Thüringen kommt - wenn auch nur für eine Ausstellung. Dafür wolle man später den Kontakt zu dem neuen, noch unbekannten Eigentümer suchen.

Ältester vollständig erhaltene Flügelaltar der Saalfelder Schule

Das Mindestgebot für den Flügelaltar von 1479 lag bei der Auktion bei 250.000 Euro. Der Altar war von einem Bildhauer aus Saalfeld für die Dorfkirche Schwarza bei Blankenhain im Weimarer Land geschnitzt worden. Er ist Experten zufolge der älteste noch vollständig erhaltene Flügelaltar der sogenannten Saalfelder Schule.

Ende des 19. Jahrhunderts war er in den Besitz der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt übergegangen. Viele Jahre stand er auf der Heidecksburg, später in der Kapelle von Schloss Schwarzburg. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Altar im Zuge der Auflösung der Monarchie und der Fürstenenteignung an einen Kunsthändler in Holland verkauft. Danach verlor sich seine Spur.

Ein Flügelaltar aus Blankenhain mit der Darstellung der Heiligen Familie.
Im geschlossenen Zustand zeigt der Flügelaltar die Heilige Familie. Auch die Rückseite des Altars wurde verziert. Bildrechte: Auktionshaus im Kinsky Wien

Anfang der 1960er Jahre kam er in die Sammlung des privaten Kunsthändlers Wolfgang Hofstätter in Wien. Dessen Sohn hatte den Flügelaltar jetzt zur Auktion freigegeben. Auf dem historisch wertvollen Flügelaltar ist im zugeklappten Zustand die Heilige Familie abgebildet. Aufgeklappt zeigt der Flügelaltar die Heilige Maria mit dem Kind Jesus - vor einem blauen, mit Sternen besetzten Hintergrund. Marias Kleid ist aufwendig gestaltet. Neben ihr stehen zwölf Heilige und Schutzpatrone.

Quelle: MDR/the

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15. Dezember 2021 | 19:00 Uhr

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