Buga-Standort Ein geschichtsträchtiger Abstecher in den Schlossgarten Kromsdorf

Autorenbild Conny (Cornelia) Mauroner
Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Ein verträumtes Schloss, ein Park und eine ungewöhnliche Büstensammlung. Der Buga-Außenstandort Kromsdorf im Weimarer Land ist malerisch. Am schönsten zu erreichen ist er mit dem Rad. Denn Kromsdorf ist direkt am Ilmtal-Radweg gelegen.

Schloss Kromsdorf
1580 erbaut, wurde das Schloss über Jahrhunderte hinweg von verschiedenen Adelsgeschlechtern bewohnt. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Es ist einer dieser besonderen Orte, in denen man die Geschichte fast riechen kann. Der Park rund um das Schloss ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Viele Jahre war er zugewuchert und fand kaum Beachtung. Doch das hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert. Kromsdorf ist eine Perle mit einem Alleinstellungsmerkmal.

Einzigartige Büstensammlung

Nur hier findet der Besucher eine außergewöhnliche Büstensammlung. Ortschaftsbürgermeister Gunter Braniek bezeichnet sie als europaweit einmalig. "Zwar gibt es in der Nähe von Wien etwas Ähnliches, doch nicht vergleichbar mit dem, was in Kromsdorf zu sehen ist."

64 Büsten, eingelassen in die Mauern, die den etwa einen Hektar großen Renaissancegarten umfassen. Kaiser, Könige, Fürsten der Neuzeit, aber auch Exoten: Dargestellt sind Persönlichkeiten aus aller Welt. "64 Nischen sind es. Genau so viele, wie ein Schachbrett Felder hat", erklärt Ortschaftsbürgermeister Braniek. Urheber dieser außergewöhnlichen Idee war Baron Johann Theodor de Montaigne, der die einfache Mauer ab 1664 zu einem einmaligen Objekt der Kunstgeschichte umgestalten ließ.

Büsten in einer Mauer
64 Büsten zeigen Persönlichkeiten aus aller Welt und zieren die Außenmauer. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Zwar gibt es in der Nähe von Wien etwas Ähnliches, doch nicht vergleichbar mit dem, was in Kromsdorf zu sehen ist.

Gunter Braniek

Restaurierung für Buga 2021

Aktuell wird ein Rundweg an der Schlossmauer entlang gebaut, damit die Besucher die Büsten aus der Nähe betrachten können. Auch das ehemalige Gärtnerhaus, welches zu DDR-Zeiten als Kindergarten diente, wird denkmalgerecht restauriert. "Dort wird eine Anlaufstelle für Buga-Besucher eingerichtet und es wird eine Ausstellung zu sehen sein. Ein Modell des Schlosses wird gezeigt und es werden Tafeln aufgestellt, die die bewegte Geschichte des Schlosses erklären", so Braniek.

Ereignisreiche Geschichte

Erbaut wurde das Schloss 1580 von Georg Albrecht von Kromsdorf. 1666 hat es Baron Johann Theodor de Mortaigne auf nicht ganz legalem Wege übernommen. Er investierte und baute an. Ost- und Westflügel kamen hinzu. 1806 zerstörten Franzosen nach der Schlacht von Jena und Auerstedt einen Teil des Gebäudes und raubten es aus. Erst 24 Jahre später nahm sich Großherzog Karl-Friedrich von Sachsen-Weimar einem neuerlichen Umbau an. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Schloss von amerikanischen Truppen besetzt und danach von Flüchtlingsfamilien bewohnt.

Bäume im Schlosspark
Noch sehen die Bäume im Schlosspark etwas karg auf, aber mit dem Frühlingsbeginn erblüht der Park zu neuem Leben. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Kulturveranstaltungen und Gastronomie beleben den Park

Heute ist es im Eigentum der Landgemeinde Ilmtal-Weinstraße und wird vermietet. Größter Nutzer ist die Kultur- und Brauereigenossenschaft, die sich erst jüngst gegründet hat. Die Genossen beleben das Schloss mit Gastronomie und Veranstaltungen und brauen eigenes Bier. So ist zumindest der Plan und so hat es auch einen Sommer lang funktioniert.

Doch dann kam Corona. Die Pandemie macht auch diesen Betreibern einen Strich durch die Rechnung. Aktuell findet kein Gaststättenbetrieb statt. Dennoch herrscht Leben im und am Schloss. Spaziergänger, Einheimische und Radfahrer, selbst Sportler des benachbarten Fußballplatzes treffen sich hier. Schloss und Park von Kromsdorf sind ein besonderer Ort. Hier treffen Geschichte und Gegenwart aufeinander.

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Quelle: MDR/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 05. April 2021 | 18:00 Uhr

1 Kommentar

Maria A. vor 34 Wochen

Danke für diesen wissenswerten Beitrag und ein ganz großes Dankeschön den Initiatoren der Neugestaltung der Anlage für eine Nutzung zur Buga. Da ist man nun schon so alt geworden und hat noch nie was von dieser bedeutenden Büstensammlung gehört oder gelesen. Sie zeigt, dass es schon immer Persönlichkeiten gab, die nicht nur Visionen hatten, sondern glücklicherweise dank ihrer finanziellen Möglichkeiten auch nicht daran scheiterten, sie umsetzen zu können und somit ihrer Nachwelt etwas absolut Besonderes hinterlassen konnten.

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