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Klaus Fiedler und Christina Schokrowski auf ihrem Dauercampingplatz Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Carmen Fiedler

Urlaub

Wird Dauercamping zum neuen Trend? Ein Besuch auf dem Campingplatz Hohenfelden

von Carmen Fiedler, MDR THÜRINGEN

Stand: 23. Juni 2021, 14:26 Uhr

Die diesjährige Camping-Saison hat begonnen. Warum campt man, wie lebt man als Camper und hat sich das Campen seit der Corona-Pandemie verändert? Ein Besuch auf dem Campingplatz am Stausee in Hohenfelden.

Man kommt hier schnell ins Gespräch. Schließlich sind die Zäune besonders niedrig, wenn es denn überhaupt welche gibt, und die Menschen sind gelöst. Man kennt sich, man grüßt sich, und wenn man sich nicht kennt, grüßt man trotzdem. Hier, auf dem Campingplatz Hohenfelden, ist alles entspannt. Das mag an der Ruhe liegen, die der nahe Wald und die vielen hohen Bäume, die überall hier stehen, ausstrahlen. Oder am blauen Wasser des Sees, das sachte Wellen schlägt. Oder am Sommertag: Es ist Sommersonnenwende und der Himmel strahlt, unterbrochen von ein paar Schäfchenwölkchen, in frischem Blau.

Sascha Köth aus Ruhla: "Hier ist es rundum schön." Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Carmen Fiedler

"Hier ist es rundum schön", sagt denn auch Sascha Köth, schaut seine Partnerin Kathrin Hörselmann an, und lächelt. Sie sind gerade dabei, aufzuräumen und zusammenzupacken. Es ist Montag, Zeit nach Hause zu fahren, nach Ruhla. Aber alles ganz entspannt. Sie nehmen sich Zeit für ein Gespräch. Sascha Köth stellt Campingstühle auf und erzählt, dass sie hier ihren ersten Urlaub miteinander verbracht haben und seitdem jedes Jahr wiederkommen. "Wir sind das vierte Jahr hier."

Dauercamping - defintiv ein Trend

Camping scheint beliebt wie nie. Besonders im vergangenen Jahr hätten die Buchungen, sobald die Campingplätze öffnen durften, zugenommen, sagt Dörte Fröhlich vom Verband der Campingwirtschaft. "So wie letztes Jahr war es noch nie. Corona hat viele Gäste nach Thüringen gebracht." Sie selbst betreibt den Campingplatz "Linkenmühle" am Hohenwartestausee und auch dort habe es eine hohe Auslastung gegeben. "Es gab letztes Jahr keinen Tag, an dem niemand da war." Und was ist mit dem Dauercamping? Kann man da von einem Trend sprechen? Dörte Fröhlich: "Ja, das ist definitiv ein neuer Trend, die Nachfragen sind sehr hoch, besonders von Familien mit kleinen Kindern."

Ein Unwetter hat das Zelt von Sascha Köth und Kathrin Hörselmann umgerissen. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Carmen Fiedler

Vor dem Wohnwagen von Sascha Köth in Hohenfelden stehen ein langer Tisch und ein zusammengebrochenes Zelt. Das Unwetter in der Nacht zuvor hat es umgerissen. "Hat's euch erwischt?", fragt eine Frau, die vorbeiläuft. Sie plaudern kurz miteinander, lachen. "Na ja, solange es nicht kaputt ist", sagt die Frau und geht ihrer Wege. Hier dürfe man sein, wie man ist, sagt Sascha Köth. "Im Hotel ist jeder für sich. Hier sagt jeder zu jedem Guten Tag. Es ist einfach entspannter. Hier kann man schön runterkommen."

Kathrin Hörselmann und Sascha Köth packen zusammen. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Carmen Fiedler

Sie waren, wie immer, mit Freunden aus Ruhla hier. "Das ist schon jahrelang so. Die Kinder kennen sich ewig." Unter dem Zelt haben 35 Leute Fußball geschaut, die Europameisterschaft, Deutschland gegen Portugal. Es gab Bratwürste und Rostbrätel, der Grill steht noch neben dem Wohnwagen. "Auf dem Platz haben viele gejubelt, nicht nur wir", sagt Sascha Köth.

350 Dauercampingplätze

Der Campingplatz ist groß. 231 Touristcamper und Zelte haben hier Platz. Es gibt 94 Ferienhäuser und 350 Jahrescampingstellplätze. Einer davon gehört Christine Schokrowski und Klaus Fiedler. Erst heute früh, nach dem Regen in der Nacht, hat Klaus Fiedler den Rasen gemäht. "Das gehört dazu", sagt er. Es ist alles sehr gepflegt auf dem 140 Quadratmeter großen Stück Campingplatz. Überall blühen Blumen, steht etwas Dekoratives, alles ist liebevoll arrangiert.

Christine Schokrowski und Klaus Fiedler sind Dauercamper. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Carmen Fiedler

Dauercamper seien vom 1. Januar bis zum 31. Dezember bei Bedarf hier, erklärt Christine Schokrowski. "Die meisten kommen am Wochenende." Sie selbst sei seit drei Jahren fest hier gemeldet. "Ich wohne dauernd hier. Als einzige", sagt sie stolz. Auch im Winter? Auch im Winter. "Das ist das Schönste" sagt Klaus Fiedler. Im vergangenen Winter hätten sie die einzigen Spuren im Schnee hinterlassen. "Da haben wir eine halbe Stunde hoch zu den Sanitäranlagen gebraucht". Jetzt, im Sommer, reichen fünf Minuten für diesen Weg.

Er bastelt wieder.

Christine Schokrowski

Christine Schokrowski stammt aus Jena, Klaus Fiedler aus Erfurt, wo er noch eine Wohnung hat. Aber meistens ist er hier. Gerade verlegt er ein dünnes Kabel an einem der Schuppen. "Er bastelt wieder", sagt Christine Schokrowski. "Durch das Solar ist es jetzt am Abend bei uns hell und bunt." Sie wohnen in einem Wohnwagen mit Anbau. Drinnen gibt es Schlafzimmer, Wohnzimmer und Küche, draußen vier Schuppen, mehrere Sitzecken, eine Hollywoodschaukel und einen Pavillon, ihre "kleine Partyhalle" für den Winter. In der Ecke steht ein Ofen, außen hängt eine Dartscheibe. "Das muss alles sein."

Peter Braun war viele Jahre Campingplatzleiter in Hohenfelden. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Carmen Fiedler

Peter Braun dreht gerade seine tägliche Runde auf dem Platz: "Ich schaue, was in Ordnung und was nicht in Ordnung ist. Man hat da schon einen Blick, was nicht funktioniert." Gerade steht er vor einem Feuerlöschkasten. "Hier hat irgendjemand die Plombe abgerissen." 15 Jahre lang war der Suhler Campingplatzleiter und technischer Leiter. "Jetzt bin ich Rentner und arbeite halbtags hier, bis zum Januar 2022", erzählt er. Und dann? "Ich habe hier selbst ein kleines Objekt und werde bleiben."

Das Dauercamping ist so gut wie ausgebucht.

Peter Braun

Er erzählt, dass er bis vor einem Jahr fast alle Dauercamper gekannt habe. "Aber mittlerweile gibt es einige Neue", sagt Peter Braun, und setzt hinzu: "Das Dauercamping ist so gut wie ausgebucht". Er freut sich darüber. "Das brauchen wir natürlich auch", gerade nach dem Lockdown.

Bilder Urlaub am Stausee: Camping in Hohenfelden

Eine Karte zur Orientierung, der Campingplatz in Hohenfelden ist groß. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Carmen Fiedler
Noch sind keine Ferien. An diesem Montag ist der Platz recht leer. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Carmen Fiedler
Der Campingplatz Hohenfelden liegt mitten im Wald. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Carmen Fiedler
Fahnen sind bei Dauercampern sehr beliebt. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Carmen Fiedler
Noch ist Platz auf der Bank vor dem Stausee. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Carmen Fiedler
Es wird schon gebadet. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Carmen Fiedler
Die Schwimmerin hat den See fast für sich allein. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Carmen Fiedler
Klaus Fiedler und Christine Schokrowski genießen es, hier zu sein. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Carmen Fiedler
Der Dauercampingplatz von Christine Schokrowski und KLaus Fiedler ist liebevoll ausgestattet. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Carmen Fiedler
Blumen im Garten von Christine Schokrowski und Klaus Fiedler Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Carmen Fiedler

Dass mehr Menschen campen, beobachtet auch Sascha Köth: "Da hat sich ganz schön was geändert." Das stimme, bestätigt Cindy Wenzel. Sie arbeitet seit 2018 in Ausbildung an der Rezeption und wird auch nach ihrem Abschluss hier bleiben. "Letztes Jahr haben wir das extrem gemerkt. Der Platz war immer voll, vor allem an den Wochenenden." Ohnehin sei das Meiste am Wochenende los. "Da kommen viele aus der Umgebung, aus Erfurt, Weimar, Jena oder Sömmerda", sagt Cindy Wenzel. Inzwischen fallen die meisten Einschränkungen durch die Corona-Pandemie weg, nur noch in den Sanitäranlagen und in der Rezeption muss man einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Die Stellplätze dürfen wieder voll ausgelastet werden.

Wir verstehen uns alle.

Christine Schokrowski

Heute ist es aber noch ruhig. Nur vereinzelt sind Camper zu sehen, auf den Stellplätzen ist viel Platz. Noch haben die Ferien nicht begonnen und es ist ein Wochentag. Dass sich etwas verändert hat beim Campen, bemerkt Christine Schokrowski trotzdem: "Jetzt kommen viele Neue. Viele junge Leute mit Kindern wollen jetzt Dauercamping machen." Nein, es störe sie nicht, wenn am Wochenende mehr Betrieb sei, im Gegenteil. Schon lange kämen am Wochenende manchmal ihre Kinder und Enkelkinder zu Besuch. "Hier das Umfeld ist sehr gut", sagt sie und weist auf die umliegenden Anlagen. "Wir verstehen uns alle."

Erholung am Wasser: Der Stausee Hohenfelden Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Carmen Fiedler

Und sonst? Was macht man hier den ganzen Tag? Baden gehen, sagt sie. Pilze sammeln. "Wenn wir mal keine Lust haben zu kochen, gehen wir in die Gaststätte." Und Klaus Fiedler sagt: "Oder wir schlecken mal ein Eis." Bei schlechtem Wetter spielen sie Karten oder puzzeln. Zum Einkaufen fahren sie nach Kranichfeld. Außerdem habe Klaus sowieso den ganzen Tag zu tun, sagt Christine Schokrowski. "Er hat immer Ideen, ihm fällt immer etwas ein." Und Klaus Fiedler ergänzt: "Langweilig wird es nie."

Ich will hier nicht weg.

Christine Schokrowski

Seit 24 Jahren campen sie hier. Es ist ihr Zuhause geworden. "Ich will hier nicht weg", sagt Christine Schokrowski lächelnd. Man kann sie verstehen.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Umschau extra | 22. Juni 2021 | 20:15 Uhr

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