Lebensmittel-Spenden für Bedürftige Tafel in Not: Apoldaer Helfer vom Pech verfolgt

Autorenbild Conny (Cornelia) Mauroner
Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Kurzarbeit, der Verlust von Nebenjobs, keine Aufträge mehr für Solo-Selbständige: Immer mehr Menschen sind auf die Hilfe der Thüringer Tafeln angewiesen. Dabei haben die Tafeln selbst zu kämpfen. Allen voran die Tafel in Apolda.

Menschen an einer Essensausgabe
Ausgabestelle der Apoldaer Tafel: Die Zahl der Bedürftigen ist während der Corona-Krise gewachsen. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Die Tafel in Apolda scheint vom Pech verfolgt. Kurz hintereinander sind der Einrichtung gleich zwei Großspender weggebrochen. Quasi von heute auf morgen. Der eine Supermarkt wird renoviert. Der andere Einkaufsmarkt ist abgebrannt. Auch von dort kamen Lebensmittel, dreimal in der Woche. Die Konsequenz: Die Regale in Apoldas Tafel sind weniger gut gefüllt. Die Auswahl ist lange nicht mehr so gut. Zumal die Spender ohnehin weniger Lebensmittel übrig haben. Die Menschen kaufen in dieser Corona-Zeit mehr Essen ein - es bleibt folglich weniger übrig.

Ein heruntergebranntes Gebäude
Ein Großspender ist weggebrochen - der Aldi Markt in Apolda ist abgebrannt. Dreimal in der Woche wurden dort Lebensmittel abgeholt und an Bedürftige weitergegeben. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Einige Bedürftige müssen weggeschickt werden

Was prinzipiell nicht schlimm ist, fällt den Tafeln auf die Füße. Sie können nicht mehr alle Bedürftigen bedienen. "An manchen Tagen müssen wir die Leute wegschicken", sagt Siegmund Giene, der seit sieben Jahren ehrenamtlich für die Tafel im Einsatz ist. Dankbar ist Leiterin Kerstin Thielemann deshalb für jede Zuwendung. "Jedes übrig gebliebene Brot, jede Apfelstiege wird gern genommen."

Es gibt treue Spender, doch leider sind es nicht genug. Zumal die Zahl der Bedürftigen stetig zugenommen hat. "Waren vor der Corona-Pandemie maximal 80 Leute in der Woche da, sind es jetzt manchmal mehr als 130", so Thielemann. "Viele fragen nach Obst und Gemüse, denn das ist viel teurer geworden", sagt Ehrenamtler Giene.

Regale in denen Kisten mit Lebensmitteln stehen
Nicht immer sind die Regale so gut gefüllt - reichen muss es an manchen Tagen für mehr als 100 bedürftige Personen. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Weniger Termine für Lebensmittel-Ausgabe

Apoldas Tafel hat die Ausgabezeiten reduziert. Nur noch einmal in der Woche werden Kisten gepackt. Die Ausgabestelle öffnet am Mittwoch. Am Freitag gibt es maximal Brot. "Mehr ist gerade nicht drin." Tafel-Chefin Thielemann gibt sich trotzdem optimistisch. Sie hofft auf Sponsoren, die vielleicht auch den einen oder anderen Euro geben. "Jede Zuwendung hilft, sei sie auch noch so klein." Thielemann kauft mit dem Geld Lebensmittel dazu.

Außerdem spart die Tafel auf eine neues Auto. Denn ausgerechnet jetzt hat der alte Transporter seinen Geist aufgegeben. Der Boden war durchgerostet. Der Wagen wurde stillgelegt und wird nun schmerzlich vermisst. Abhol- oder Auslieferdienste werden aktuell mit kleinen Autos erledigt. "Das kostet Zeit. Wir fahren oft dreifache Strecke", berichtet Thielemann.

Wegen Corona auch keine Suppenküche mehr

Vor wenigen Tagen haben Apoldaer Unternehmer einen Spendenscheck überreicht. Jedes Jahr sammeln sie Geld für die Tafel. Mehr als 4.700 Euro sind zusammen gekommen - in etwa doppelt so viel wie in den Jahren zuvor. Ein gutes Zeichen - vor allem eins der Hoffnung. Denn die geben Thielemann und ihr Team bestimmt nicht auf.

Apoldas Tafel hofft auf bessere Zeiten und auch darauf, dass ihre Suppenküche bald wieder öffnen kann. Denn auch das ist eine Sache, die der Tafel abhanden gekommen ist. Wegen Corona musste die Küche schließen. Wo sonst fünfmal in der Woche dutzende Menschen satt geworden sind und ein wenig Gesellschaft gefunden haben, lagern nun Kartons mit Masken. Auch die werden von der Apoldaer Tafel verteilt.

Aushänge mit Informationen  zum Schutz gegen Corona
Es gelten strenge Hygienevorschriften, verfasst in mehreren Sprachen. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 04. März 2021 | 19:00 Uhr

25 Kommentare

dimehl vor 19 Wochen

Das Problem bei solchen Einrichtungen wie den Tafeln und solchen Aktionen wie die der Bunten Schafe ist: man verlässt sich immer mehr darauf und nutzt diese, um staatliche Leistungen immer weiter einzuschränken (wenn der Regelsatz nicht reicht, gibt es ja noch die Tafeln...). So werden aus Bürgern, die einen gesetzlichen Anspruch auf Sozialleistungen haben Bittsteller, die auf wohltätige Aktionen Anderer angewiesen sind, auf die selbstverständlich keinerlei Anspruch besteht. Wenn ich einmal in Not geraten sollte, möchte ich einfach nicht als Bittsteller dastehen, der hoffen muss, das irgendwo noch irgendwas übrig geblieben ist, das zu schade zum Wegwerfen ist, sondern garantierte Ansprüche haben...

pkeszler vor 19 Wochen

Nicht jeder Bürger, der zur Tafel geht, hat es eigentlich nötig. Und dann sollten die "Bedürftigen" schon mal mit Zigaretten und Alkohol anfangen und ihren Kindern ein gesundes Frühstück mit in die Schule geben. Bei den Rentnern sieht es schon ganz anders aus, wenn sie nur von ihrer Rente leben müssen.

helmut57 vor 19 Wochen

Auf welchem Sonnensystem wohnen Sie eigentlich? Eines ist sicher,diese Menschen achten auf jeden Cent und Ihr Kommentar einfach untere Schublade. Ich kenne genug Menschen, die auf vieles verzichten müssen, was für viele Alltag ist. Es kann sein, daß einige diesen Zustand mögen. Der Rest bestimmt nicht! Vielleicht opfern Sie mal einen Tag und verteilen in einer Tafel Iher Wahl die Lebensmittel an die Bedürftigen. Viel Freude!

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