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Von der Ilm sind in Kranichfeld nur noch wenige Rinnsale zu sehen. Teilweise ist der kleine Fluss bis zu 700 Meter trocken Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

KlimaTrockenheit in Thüringen bedroht Fische der Ilm

von Conny Mauroner, MDR THÜRINGEN

Stand: 24. August 2022, 06:11 Uhr

Es ist ein trauriger Anblick: Die Ilm bei Kranichfeld ist staubtrocken. Nur hier und da plätschert ein kleines Rinnsal. Für die Fauna im Fluss ist das ein Todesurteil. Der Fischbestand ist bedroht.

Eine trockene Ilm ist nichts Neues. Rund um Kranichfeld (Weimarer Land) gibt es mindestens drei so genannte Versinkungsstellen. Das Wasser taucht ab, bahnt sich seinen Weg unter der Oberfläche und kommt an anderer Stelle wieder raus - ein Teil davon zum Beispiel an der Wipfraquelle, ein anderer bei Schaala.

Dennoch ist in diesem Jahr einiges anders. Die Trockenheit ist intensiver. Es gibt kaum noch Löcher mit Wasser, nur noch wenige Rinnsale und dann hält der Zustand extrem lange an. Mit Konsequenzen: Ufer bröckeln, Bauwerke drohen abzusacken, die Tierwelt leidet und die Feuerwehr hat kein Löschwasser mehr.

Die Situation ist dramatisch.

Uwe Müller | Fischer und Wasserwirtschaftler

Fluss stellenweise bis zu 700 Meter trocken

"Die Situation ist dramatisch", sagt Uwe Müller, Fischer und Wasserwirtschaftler, der in Stedten eine Mühle betreibt. Seit Wochen steht sein Mühlrad still. "Die Ilm ist streckenweise bis zu 700 Meter trocken. Man sieht Kiesbänke und Sand. Es gibt nur noch wenige Löcher."

Die Wasserlöcher sind Lebensretter für Fische wie Elritzen, Forellen, Stichlinge und Äschen, wie es sie in der Ilm gibt. Doch langsam trocknen auch diese Wasser-Reservoirs aus. "Der Fischbestand, der noch da ist, wird von Reihern, Waschbären, Füchsen und anderen Tieren bedroht", so Müller. "Die Fische sind gerade eine ganz leichte Beute." Mit Kescher und Eimer zieht der Fischer nun regelmäßig los und holt die überlebenden Fische aus den Löchern.

Fischer und Wasserwirtschaftler Uwe Müller zeigt sein Hälterbecken, in dem er Fische rettet. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Fische vor dem Sterben retten

Zu Hause hat er ein sogenanntes Hälterbecken mit Brunnenwasser gefüllt und setzt die Tiere dort hinein. "Wenn die Ilm wieder mehr Wasser führt, kann ich die Fische in Freiheit entlassen. Aber das wird wohl noch eine Weile dauern", so Müller. Es ist der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Müller kann nicht viele Fische vor dem Sterben retten.

Mühsam wird er die Bestände von Hand aufziehen, wird beim Laichen helfen und die Fische später am Flusslauf der llm wieder aussetzen. Es wird lange dauern, bis sich die Ilm und die Fauna wieder erholen. "Normalerweise hat der Fluss Bestandsdichten von 200 Kilogramm Fischbiomasse pro Hektar. Wenn die Trockenheit vorbei ist, werden es vielleicht noch ein, zwei Kilogramm sein", schätzt der Fachmann.

Die Hälterbecken werden mit Brunnenwasser gespeist - sie helfen Fischen beim Überleben. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Fischbestand nicht zum ersten Mal bedroht

Schon einmal hat Müller einen ähnlichen Kahlschlag erlebt. Damals im Jahr 2005 war es der Kormoran, der dem Fischbestand zugesetzt hatte. 3.500 Tiere hatten sich im Ilmtal niedergelassen und den Fluss regelrecht leer gefressen. "Äschen gab es danach so gut wie keine mehr", so Müller.

Sie wieder anzusiedeln, bedeutete eine Menge Arbeit. Die steht dem Fischer nun auch wieder bevor. Uwe Müller drängt auf eine langfristige Lösung. Er setzt sich für den Bau eines Hochwasserrückhaltebeckens ein.

Rückhaltebecken als Lösung vorgeschlagen

Dort, wo die Ilm bei Hochwasser über die Ufer tritt, da soll ein Becken gebaut werden, was in zweierlei Hinsicht hilft. "Bei Hochwasser schützt es den Ort, bei Niedrigwasser könnte das angestaute Wasser nach und nach abgelassen werden. Und die Ilm hätte immerhin zumindest ein klein wenig Wasser." Auch Wehre würden nicht mehr trocken liegen. Und Die Feuerwehr hätte weniger Sorgen, an Löschwasser zu kommen.

Die Kommunalpolitik hat seinen Aufruf gehört. In wenigen Wochen wird es einen Beratungstermin vor Ort geben. Müller hat auch Befürworter aus den eigenen Reihen, denn die Fischer sitzen im selben Boot - nur aktuell eben sehr auf dem Trockenen.

Auch in den Seitenarmen der Ilm ist kein Wasser mehr. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

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MDR (jn)

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 24. August 2022 | 07:30 Uhr

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