Pläne fürs neue Jahr Freilichtmuseum Hohenfelden wächst weiter

Die Fensterläden sind verriegelt, die Türen verschlossen - in den Häusern ist bis auf die letzte Vase alles eingepackt. Das Thüringer Freilichtmuseum auf dem Eichenberg ist im Winterschlaf. Doch die Ruhe trügt. Hinter den Kulissen geht's rund. Da wird geplant, gerechnet und gebaut. Das Museum wächst. 2022 stehen viele neue Projekte an.

Fachwerk-Gebäude mit Strohdach im Freilichtmuseum Hohenfelden
Dieses Wohnhaus stammt aus dem 16. Jahrhundert. Ein Fachmann aus Norddeutschland hat sich dem Dach gewidmet: In alter Bauweise hat er ein originalgetreues Strohdach auf dem Gebäude angelegt. Bildrechte: MDR/Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden

35 historische Gebäude aus fünf Jahrhunderten stehen auf dem Eichenberg, darunter Thüringens älteste Bockwindmühle, Bauernhöfe, eine Schmiede und ein Umgebindehaus. Und es werden mehr.

Ausstellung über Bienen in historischer Scheune

Schon im vergangenen Sommer konnten die Besucher sehen, wie ein neues Haus auf dem Gelände des Freilichtmuseums entsteht: Zwischen dem Utzberger Haus und der historischen Schmiede aus Gügleben wurde eine Scheune wieder aufgebaut. Das Bauwerk aus Alkersleben steht auf einem Keller aus Feldsteinen. Das Fachwerk ist mit Lehm ausgefüllt und auf dem Dach liegen so genannten "Linksdecker" - eine Ziegelsorte, die im 19. Jahrhundert vor allem im Ilmkreis gern verwendet wurde.

Fachwerk-Scheune mit Baugerüst im Freilichtmuseum Hohenfelden
Die Fachwerk-Scheune aus Alkersleben soll zum Saisonbeginn 2022 eröffnet werden. Bildrechte: MDR/Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden

"Eigentlich sollte das Haus samt seiner neuen Ausstellung über Bienen bereits im Sommer fertig sein. Doch die Arbeiten haben sich verzögert", berichtete Museumschefin Franziska Zschäck. "Es gab einfach viel zu viel zu tun." Und so wird das Gebäude erst zu Saisonbeginn im April 2022 eröffnet. "Und daneben wird vielleicht zu dieser Zeit dann auch schon ein kleines Bienenhaus aus Ostthüringen im Bau sein", berichtet Zschäck. Dort sollen die Museumsbienen einmal Unterschlupf finden. Die Fertigstellung der Alkerslebener Scheune ist nur eines der Projekte fürs neue Jahr. Auf dem Erweiterungsgelände wird ebenfalls weiter gebaut.

Frankenwaldhaus erzählt von Zwangsaussiedling

Auf der Zielgeraden ist auch das so genannte Frankenwaldhaus. Im September 2020 hat der Wiederaufbau des Hauses aus Heinersdorf im Landkreis Sonneberg begonnen. Das Frankenwaldhaus ist ein Blockbau, wie er in Südthüringen sehr üblich war. Der Rohbau steht, nun ist der Innenausbau dran. "Pünktlich Anfang Juni, zum Jahrestag der Aktion 'Ungeziefer', soll das Haus eröffnet werden", so Zschäcks großer Wunsch. Im Haus, das einmal auf der innerdeutschen Grenze stand, wird die Geschichte der deutsch-deutschen Teilung und einer Zwangsaussiedlung erzählt. Es ist die Geschichte der Familie Barnikol-Veit, die die Aktion "Ungeziefer" hautnah miterlebte.

In Blickweite zum Frankenwaldhaus wird eines der ältesten ländlichen Wohnhäuser Thüringens errichtet. Vorsichtig wurde das um 1550 erbaute Haus in Abtsbessingen im Kyffhäuserkreis abgetragen, in Einzelteilen nach Hohenfelden geschafft und hier wieder, nach historischem Vorbild, aufgebaut. Ein Fachmann aus Norddeutschland hat sich dem Dach gewidmet. In alter Bauweise hat er ein originalgetreues Strohdach aufs Haus gezimmert. Die Arbeiten waren aufwändig und das Wetter oft widrig. "Vermutlich ist es aktuell das einzige Strohdach im ganzen Freistaat", so Zschäck. Ist das Haus einmal fertig, soll es die Geschichte vom Leben in Thüringen um 1600 erzählen. Seine Eröffnung ist ebenfalls für den Sommer 2022 geplant.

Damit sollen in diesem Jahr drei historische Gebäude eröffnet werden. Für zwei weitere Museumshäuser steht der Bau an. "Wir werden auf jeden Fall bei Butlar weitermachen. Da liegt das Fundament schon", berichtet Zschäck. Das Atelierhaus aus dem Wartburgkreis liegt schon lange in Einzelteilen auf dem Museumgelände. Endlich soll auch dieses Fachwerkhaus wieder aufgebaut werden. Und dann ist da noch ein kleines Handwerkerhaus aus der Rhön. "Empfertshausen 2", wie es die Museumschefin nennt, wartet an seinem Ursprungsort darauf, abgeholt zu werden.

Museum soll Geschichte des gesamten Freistaats zeigen

Das Museum wächst weiter. Es wird auch inhaltlich neu strukturiert. Gezeigt wird bald die Geschichte des gesamten Freistaats, nicht nur einzelner Regionen. Laut Wirtschaftsministerium soll es zu einer zentralen Informationsstätte für ländliche Bau- und Wohnkultur ausgebaut und perspektivisch das größte Freilichtmuseum Thüringens werden.

Und so ist für 2022 auch die Grundsteinlegung für ein neues Eingangsgebäude geplant: ein Multifunktionsgebäude mit Ausstellungsbereich, digitalen Informationspunkten und einer Touristinformation. Und dann sind da noch die wechselnden Ausstellungen am zweiten Standort des Museum im Dorf Hohenfelden. Auch die wollen "ganz nebenbei" kuratiert, aufgebaut und betreut werden. Die To-Do-Liste des Museums ist lang. Die winterliche Ruhe auf dem Eichenberg - sie trügt.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 02. Januar 2022 | 18:05 Uhr

7 Kommentare

Burgfalke vor 20 Wochen

Leider lesen unsere Beiträge nur wenige Personen oder bewirken nichts.

Ansonsten sind die Hinweise gut.

Ich selbst war in dieser Materie damals "eingebunden" bzw. es war mehr eine Art Arbeitsbesuch. Bei einem erneuten Besuch würde das eher eine Form der "Auffrischung" sein (schmunzeln).

Harka2 vor 20 Wochen

Bei all dem, was dort im Museum geboten wird, müssten sich eigentlich die Schulklassen am Eingang stauen. Gerade für Kinder gibt es sehr gute Führungen mit praktischem Teil. Wer hat denn schon mal Butter selber hergestellt?

Aber hier kommt das Hauptproblem des Museums: Man kommt nicht hin! Zumindest nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Das macht es gerade für Schulklassen sehr schwer den Ort zu erreichen. Das Museum befindet sich kilometerweit von der nächsten Bushaltestelle entfernt und die Route ist jetzt auch nicht gerade oft befahren. So sehr dies dem Vorbildcharakter zuträglich ist, so unmöglich macht es dieser Umstand, dort mit einer Schulklasse hinzukommen.

Ich habe dafür keine Lösung, aber vielleicht könnte man da mit Hilfe des mdr Kooperationspartner finden, die möglichst für kleines Geld die Schulklassen oder andere Jugendgruppen dort an- und abkarren?

Harka2 vor 20 Wochen

Die Ausstellung ist toll und auf jeden Fall einen Besuch wert. Ich würde eine geführte Tour anraten, da viele Zeitgenossen gar nicht mehr wissen, wofür frühere Gerätschaften dienten und wie sie funktionierten. Das Museum muss unbedingt besser vermarktet werden und vielleicht kann ja auch der mdr dort öfters mal rein schauen. Andernorts dreht man an solchen Lokation Märchen ...

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