Mehrere Spieler der Fußball-Nationalmannschaft laufen während des Trainings über einen Fußballplatz.
Seit etwa einer Woche trainieren die DFB-Spieler in Blankenhain im Weimarer Land. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

DFB-Trainingslager Wie Blankenhain den Besuch der Fußball-Nationalmannschaft erlebt

30. Mai 2024, 20:49 Uhr

Lange Schlangen an den Kassen im Supermarkt und mehr Verkehr. So erleben die Einwohner von Blankenhain den Besuch der deutschen Fußballnationalmannschaft. In der Öffentlichkeit zeigen sich die Sportler nur selten. Trotz des weltberühmten Besuchs läuft das Leben in Blankenhain recht normal weiter.

Die Wald-Parkplätze vor Blankenhain sind voll. Hier warten Fans, die einen Blick auf die Nationalmannschaft erhaschen wollen. Doch meist ist die Freude nur kurz. Wenn überhaupt, dann rauschen die Spieler in schwarzen Vans mit verdunkelten Scheiben oder dem Teambus vorbei.

Am Eingang zum Spa- und Golfresort steht Sicherheitspersonal. Freundlich, aber bestimmt wollen die Männer und Frauen Akkreditierungen und Zufahrtsberechtigungen sehen. Nur wenige Menschen schaffen es bis auf das Gelände des Hotels. "Die Ruhe ist ein Punkt, warum der DFB unser Resort ausgewählt hat. Hier sollen die Spieler ungestört trainieren und sich bewegen dürfen, sagt Matthias Grafe, Geschäftsführer vom Spa- und Golfresort. 

Und das tun sie dann auch. So greift der leidenschaftliche Golfer Thomas Müller fast täglich zum Schläger, andere powern sich beim Paddle-Tennis aus, während David Raum und Deniz Undav die Golf Karts testen. 

Ein Baby wird vor manuel Neuer gehalten.
Die Fußballspieler kommen hauptsächlich zu Pressekonferenzen ins Schloss oder zu Autogrammstunden für Kinder. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Fußballer kaum in der Öffentlichkeit zu sehen

Dennoch zeigen sich die Sportler auch ab und an der Öffentlichkeit. Sie kommen zu Pressekonferenzen ins Schloss oder zu Autogrammstunden für Kinder. Die Polizei ist präsent und sperrt zeitweise Straßen ab, um ein Verkehrschaos zu verhindern. Zum Besuch des Bundespräsidenten am Mittwoch wurden die Vorkehrungen verschärft. Das Bundeskriminalamt hat gründlich kontrolliert. Auch Spürhunde waren im Einsatz. Das aber war nur von kurzer Dauer.

Blankenhainer spüren den Promi-Besuch allerdings am Autoverkehr. Die Innenstadt ist zugeparkt. Rund 200 Journalisten haben ihre Fahrzeuge dabei. Es sind Pkw, aber auch Übertragungswagen, die alle am Medienzentrum vor dem Schloss platziert sind. Das Ordnungsamt ist fleißig und scheut sich nicht davor, Knöllchen zu verteilen. Verschont wird niemand - egal ob VIP oder nicht. Die Regeln gelten für alle.

Leben in Blankenhain läuft normal weiter

Aufgeregt sind in Blankenhain auch die Schüler. Sowohl an der Regelschule als auch beim Sepp-Herberger-Sportfest der Grundschule am Mittwoch waren Nationalspieler zu Gast. Eine Stunde lang gaben sie Autogramme und verteilten Eis. Sie haben Dutzende Kinder glücklich gemacht. Ihre Eltern mussten draußen bleiben. Abgeschirmt von grünen Sichtschutzzäunen haben sich die Sportler einzig mit den Kindern beschäftigt. Zaungäste haben nur mit Glück eine Unterschrift ergattert.

Bilder vom DFB-Team Nationalmannschaft in Thüringen: Training vor 15.000 in Jena

Rudi Völler, DFB-Sportdirektor, gibt vor dem öffentlichen Training Autogramme.
Fußball-Ikone und DFB-Sportdirektor Rudi Völler gab vor dem öffentlichen Training in Jena Autogramme. Bildrechte: picture alliance/dpa | Federico Gambarini
Rudi Völler, DFB-Sportdirektor, gibt vor dem öffentlichen Training Autogramme.
Fußball-Ikone und DFB-Sportdirektor Rudi Völler gab vor dem öffentlichen Training in Jena Autogramme. Bildrechte: picture alliance/dpa | Federico Gambarini
Ein Mann und ein Kind stehen mit  Fahnen in der Hand vor einem Fußballplatz.
Beim Training mit dabei waren auch Thomas Krapf aus Kutzleben und sein Sohn. Sie hatten ein Teilnahme-Ticket gewonnen. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner
Ein kleiner Junge hält einen Fußball.
Der kleine Mads hatte sogar das große Glück, einen Ball von Thomas Müller zu fangen und ein Autogramm von Musiala zu bekommen. Bildrechte: Mischa Seime
Julian Nagelsmann, Bundestrainer der Deutschen Fußball Nationalmannschaft, bereitet das Training vor.
Julian Nagelsmann, Bundestrainer der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft, bereitete das Training vor. Bildrechte: picture alliance/dpa | Federico Gambarini
Die Deutsche Nationalmannschaft trainiert im Jenaer Stadion.
Rund 15.000 Zuschauer durften beim öffentlichen Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena zuschauen. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner
Das DFB Team im Training
Das DFB-Team beim öffentlichen Training im Ernst-Abbe-Sportfeld. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Thomas Müller und weitere Spieler beim Training.
Thomas Müller (Mitte) und weitere Spieler beim Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Jenaer Ernst-Abbe-Sportfeld. Bildrechte: picture alliance/dpa | Federico Gambarini
Die Nationalspieler Thomas Müller (l) und Chris Führich geben bei der Blankenhainer Tafel Essen aus.
Thomas Müller (li.) und Chris Führich gaben am Montag bei der Blankenhainer Tafel Essen aus. Bildrechte: picture alliance/dpa | Federico Gambarini
Die Nationalspieler Thomas Müller (l) und Chris Führich geben Autogramme, nachdem sie bei der Blankenhainer Tafel Essen ausgegeben haben.
Danach gaben die beiden noch zahlreichen Fans Autogramme. Bildrechte: picture alliance/dpa | Federico Gambarini
Bernd Neuendorf überreicht Blankenhains Bürgermeister Jens Kramer ein Trikot
Kleines Geschenk für den Gastgeber: DFB-Präsident Bernd Neudorf übergab Blankenhains Bürgermeister Jens Kramer (CDU) ein frisches EM-Trikot. Bildrechte: picture alliance/dpa/Christian Charisius
Der Bus der deutschen National Elf
Mit dem Bus reiste die DFB-Elf nach Blankenhain. Bildrechte: MDR/Florian Becker
David Raum von RB Leipzig gibt Autogramme
Am Sonntagabend gab David Raum von RB Leipzig schon die ersten Autogramme. Bildrechte: MDR/Oliver Gussor
Thomas Müller und Alexander Pavlovic
Auch auf Thomas Müller und Alexander Pavlovic von Bayern München warteten die Fans am Sonntag. Bildrechte: MDR/Oliver Gussor
DFB Präsident Bernd Neuendorf
Wo die Spieler sind, darf DFB-Präsident Bernd Neuendorf nicht fehlen. Bildrechte: MDR/Oliver Gussor
 Maximilan Mittelstädt ist umringt von Fans
Auch Maximilian Mittelstädt nahm sich am Sonntagabend Zeit für wartende Fußball-Fans. Bildrechte: MDR/Florian Becker
Jamal Musiala gibt seinen Fans Interviews
Ebenso wie Jamal Musiala. Bildrechte: MDR/Florian Becker
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Das Leben in Blankenhain läuft weiter und das recht normal. Selbst der grüne Markt wird wie gewohnt abgehalten. Vor dem Schloss steht, wie immer am Donnerstag, der Gemüsehändler. "Ich habe etwas mehr Kundschaft als sonst", berichtet der Bäcker. "Aber ein Promi war noch nicht dabei. Man merkt aber, dass mehr Menschen in der Stadt unterwegs sind." Auch an der ortsansässigen Tankstelle herrscht bei aller Normalität etwas mehr Betrieb. "Der DFB lässt seine Wagen hier waschen. Aber Tanken tun sie nicht. Die haben ja fast alle E-Autos. Und die werden im Resort befüllt", heißt es von der Tankstelle.

Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft besuchen Blankenhainer Schüler 1 min
Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Schloss ist Medienzentrum für rund 200 Journalisten

Längere Schlangen an den Kassen im Supermarkt und mehr Verkehr: Das sind die einzigen Einschränkungen, die die Blankenhainer aktuell haben. "Vielleicht noch, dass das Schloss jetzt zu ist. Die Bücherei ist im Freibad untergebracht. Ich hätte das Schloss ja gern mal von innen gesehen", sagt eine Anwohnerin. Das aber ist nicht möglich.

Hier kommt nur die akkreditierte Presse hinein. Das Schloss ist als Medienzentrum der Arbeitsort für rund 200 Journalisten, die aus ganz Deutschland angereist sind. Ein Großteil von ihnen sind Fotografen. Auf den Tischen im Flügelsaal stehen dutzende Laptops. Kameras mit Teleobjekten liegen auf dem Boden. Es herrscht Betriebsamkeit.

Zwei Spielerder Nationalmannschaft beim Training in Blankenhain.
Im Spa- und Golfresort in Blankenhain sollten die Spieler ungestört trainieren. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Jeden Tag um 10:30 Uhr gibt es dort das gleiche Bild: Der Tross an Medienleuten setzt sich in Bewegung in Richtung Resort. Eine Viertelstunde lang dürfen sie beim Training filmen und fotografieren, dann geht es zurück. Nach nur vier Tagen hat sich schon so etwas wie Alltag eingeschlichen. Am Freitag ist der Spuk aber schon wieder vorbei. Allerdings nur bis zum 10. Juni, bis die Engländer kommen.

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Thomas Müller 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 30. Mai 2024 | 19:00 Uhr

8 Kommentare

kleinerfrontkaempfer vor 7 Wochen

=> Na_Hoppla
Vielleicht schauen Sie (demnächst) mal genauer hin. Wer der "orthodoxen" Berichterstattung nachhängt kriegt vieles nicht mit.
Z.B. Extra "Medienzentrum" für Hunderte haltungsjournalisten im städtischen Schloß. Kann nach der Aufrüstung nun wieder abgerüstet werden.
ZB. "Besuch" von 2 Fußballern bei der Blankenhainer Tafel. Autogramme, DFotos, mal ein paar Lebensmittel rüber reichen und LÄCHELN:
Domizil der Tafel ein ehemaliger großer Supermarkt "der es nicht geschafft hat"
Denn => gleich vis-a-vis die riesige Industriebrache der Blankenhainer Porzellanwerke. Einst Stolz und Arbeit für die Blankenhainer.
An dessen Niedergang krankt die Region, die Stadt bis heute.
Da kann auch ein exquisites Golf/"Sport"hotel mit vergleichsweise einer Handvoll Arbeitskräfte und schicken Bilder nicht drüber wegtäuschen.
Und apropo Sommerloch......Morgen wieder Brot & Spiel bei den geliebten Fußballbundesligen???

Na Hoppla vor 7 Wochen

Also von Hype und Aufregung hab ich noch nichts mitbekommen, nur ganz normale Berichte.
Das sich bei so nem großen Turnier Journalisten einfinden ist ja nun wirklich nichts neues.

Das ne EM Berichterstattung ein Sommerloch füllen soll, klingt auch ziemlich abwegig.

kleinerfrontkaempfer vor 7 Wochen

5 Tage Aufregung+Hype+Mediensturm in Blankenhain.
Gut das nun wieder ein Sommerloch sich auftut.
Denn der engl. Nationalmannschaft wird Deutschland wohl kaum eine solche Zuneigung schenken.
Es sei, die Not an zu füllender Sendezeit und fehlenden überdimensionalen Überschriften in Zeitungen ist groß.

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