Weimarer Land Wenn illegal entsorgter Müll zum Himmel stinkt - Gemeinde appelliert an Vernunft

Autorenbild Conny (Cornelia) Mauroner
Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Vom Kachelofen bis zur Toilettenschüssel - in der Umgebung von Vippachedelhausen in Thüringen entsorgen Unbekannte regelmäßig ihren Hausrat. Die Gemeinde stellt Container, tappt aber bei der Suche nach den Verursachern im Dunkeln.

Autoreifen liegen auf einem Haufen an einer Straße.
Autoreifen liegen auf einem Haufen an einer Straße. Über eine Kontaktformular im Internet können die "Müllfunde" in Vippachedelhausen gemeldet werden. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Thomas Löbe stinkt's. Er hat genug von rücksichtlosen Müll-Touristen und deren Hinterlassenschaften. Seit Jahren ärgert sich der Markvippacher über den Zustand der Naherholungsgebiete im nördlichen Weimarer Land und auch im Kreis Sömmerda. Wo man hinschaut: illegale Entsorgung.

Im Gebüsch: Autoreifen, Kachelofen, Toilettenschüsseln

Tatsächlich: Der Winter gibt so Einiges preis. Die fehlenden Blätter an den Bäumen und Büschen verdecken nicht mehr, was sich im Unterholz verbirgt. "Autoreifen, Batterien, zerschlagenes Porzellan und Flaschen. Dutzende Müllsäcke habe ich hier schon rausgeholt", sagt Thomas Löbe. Dabei könnte es doch gerade hier so schön sein.

Thomas Löbe ist am Stausee nahe Vippachedelhausen unterwegs. Mit dabei: der Bürgermeister der Landgemeinde Am Ettersberg, Thomas Heß (CDU), und sein Ordnungsamtschef, Torsten Schorcht. Beide staunen - über die Berge an Müll, die Löbe zu Tage bringt. Unter Büschen finden sich Toilettenschüsseln und am Wegesrand ein zerschlagener Kachelofen, Autoreifen, Teile von Kunstrasen und eine leere Plasiktonne. Man könnte die Liste noch ewig weiterführen.

Eine Problematik, die uns natürlich nicht unbekannt ist. Und trotzdem jedes Mal aufs Neue schockiert.

Bürgermeister Thomas Heß

Ordnungsamtsleiter Torsten Schocht dokumentiert den jüngsten Fund, macht Fotos. Er sammelt Belege und vielleicht auch Beweise. Denn sollte man den Übeltätern auf die Schliche kommen, dann wird es teuer. "Das ist ein Verstoß gegen das Abfallgesetz. Dann würde das Umweltamt einen Bußgeldbescheid erlassen. Aber leider können wir die Verursacher nur selten ermitteln", sagt Schorcht. Und dann ist da noch das Eigentumsproblem. Müll in den sogenannten Außenbereichen wird normalerweise vom Umweltamt des Kreises Weimarer Land entsorgt. Doch das sitzt in Apolda und damit weit weg.

Die Kollegen haben jedoch Container gestellt und die werden regelmäßig mit Unrat befüllt. "Von den eigenen Leuten. Von unserem Bauhof", so Schorcht. "Auf Privatgrundstücken sind uns aber die Hände gebunden. Dann bleibt uns nur, Kontakt aufzunehmen, mit den Eigentümern." Ob die sich um den Müll auf ihren Grundstücken kümmern, sei dann dahin gestellt. Der Aufwand, ihn zu entsorgen, ist hoch. "Doch der Mensch ist nun mal ein Mensch. Dort wo ein kleiner Müllberg liegt, kommt in der Regel neuer Abfall hinzu", weiß auch Bürgermeister Heß zu berichten.

Thomas Löbe (links) zeigt dem Bürgermeister der Landgemeinde „Am Ettersberg“ Thomas Heß seine Dokumente/Fotos.
Thomas Löbe (links) zeigt dem Bürgermeister der Landgemeinde Am Ettersberg, Thomas Heß, seine Dokumente und Fotos. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Gemeinde auf Hilfe der Anwohner angewiesen

Seine Landgemeinde umfasst 92 Quadratkilometer. Eine Fläche, die keiner so leicht überblicken kann. Heß ist auf die Hilfe seiner Einwohner angewiesen. Auf Hinweise wie die von Thomas Löbe. Doch wohin mit der Information? Die Landgemeinde hat eine Kampagne gestartet, auch im Amtsblatt für ein Kontaktformular im Internet geworben. Ein Klick - und der User landet auf einer Seite, in der er Fundort, Datum und auch ein Foto hinterlassen kann. "Nur, wenn wir wissen, wo sich Müll befindet, können wir auch tätig werden", sagt Ordnungsamtsleiter Schorcht.

Keramik- und Porzellanscherben liegen im Gras.
Ein zerschlagener Kachelofen liegt am Wegesrand. Immer wieder laden Unbekannte ihren Müll in der Umgebung von Vippachedelhausen ab. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Auch Thomas Löbe wird die App in Zukunft nutzen. Weiterhin findet für ihn kein Spaziergang ohne Mülltüte statt. "Schade, dass das überhaupt notwendig ist", sagt auch Bürgermeister Heß. Der noch einmal an die Vernunft der Leute appelliert.

Quelle: MDR(jml)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 26. Januar 2022 | 15:00 Uhr

2 Kommentare

xxy21 vor 16 Wochen

Solche luxuriösen und noch dazu kostengünstigen Abfallregelungen kenne ich weder wo ich wohne noch wo ich meinen Garten habe. Dort Grünschnitt kostenlos bis zu 1m3. Sperrmüll die gleiche Menge mit vorheriger detaillierter Auflistung 1x im Jahr.

Ich verstehe zwar nicht, wie man den Müll anderen aufdrücken kann, erlebe aber jedes Jahr wie mir über den 2 Meter hohen Gartenzaun der Müll in den Garten geworfen wird, weil es irgend jemandem zu o.g. Bedingungen nicht gefällt, ihn ordnungsgemäß zu entsorgen. Und: das Ordnungsamt würde der Sache nachgehen, wenn ich den Verursacher festgestellt habe und melde. Da bleibt nur, auf meine Kosten entsorgen. Den Garten und Zaun mit einer Kamera zu überwachen ist datenschutzrechtlich nicht möglich. Vielen Dank den anderen.

thoralf1 vor 16 Wochen

Das ist für mich nicht nachvollziehbar und regt mich auf auf, wenn ich so etwas sehe!

Ich kann jetzt nur für den SHK reden, der nach meiner Meinung eine sehr gute Abfallwirtschaft betreibt.

Warum meldet man nicht Grobmüll an? 2 mal im Jahr kostenlos, wenn man sich mit Nachbar abspricht noch öfters. Da muss man noch nicht einmal fahren.

Wenn man schon fährt, kann man doch aber auch zu einer der Annahmestellen fahren. Immer Kostenlos! (zumindest die des Kreises)

Und jetzt gibt es seit 3 Jahren bei uns im Kreis noch eine "Grünschnittkarte" für 12,00 € im Jahr!!!, also nur 1,00 € im Monat. Warum lade ich dann Grünschnitt illegal im Wald ab? Wenn ich mit dem Auto fahre, kann man es dort hin bringen. Die Annahmezeiten sind super,auch keine Ausrede.

Diese illegale Entsorgung ist mir alles unverständlich.

Und auch der Handel ist ja zu vielen kostenlosen Rücknahmen verpflichtet. Wir mussten uns im Dez. einen neuen Kühlschrank kaufen (ok 21 Jahre). Gekauft, geliefert, alten mitgenommen.

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