Apolda Corona-Regeln: Kontrolleure besuchen Gaststätten im Weimarer Land

Die Inzidenzen in Thüringen purzeln - erfreulicherweise. Immer unbefangener können wir ins Restaurant gehen oder Fußball in der Eck-Kneipe genießen. Doch welche Corona-Regeln gelten eigentlich dort? Eine Branchenverordnung soll helfen. Um die aber wirklich richtig zu verstehen, braucht es manchmal Experten. Im Weimarer Land gibt's eine Lösung.

Ein Mann mit Maske sitzt an einem Tisch vor Unterlagen.
Teamchef Stefan Kleinhans kontrolliert mit seinem Team die Einhaltung der Corona-Regeln in Gaststätten im Weimarer Land. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Sie sind fast so etwas wie eine "Task Force" - eine Projektgruppe mit Experten aus Ordnungs- und Gesundheitsamt, Wirtschaftsförderung und anderen Bereichen des Landratsamtes. Zehn Männer und Frauen reisen seit einigen Tagen durch das Weimarer Land und besuchen Gaststätten. Dabei kommen sie nicht selten unangemeldet.

Projektgruppe für Aufklärungsarbeit in der Gastronomie

Doch die Beamten haben nichts Böses im Sinn. "Was wir tun, ist reine Aufklärungsarbeit", sagt Teamchef Dr. Stefan Kleinhans. Der Bedarf ist da. "Immer wieder rufen Gastronomen bei ihren Bürgermeistern an und haben Fragen. Wie viele Leute darf ich reinlassen? Oder: Gilt auch auf der Terrasse eine Maskenpflicht?" Auch Bürgermeister sind oftmals mit ihrem Latein am Ende. Umso besser, dass es die Projektgruppe des Landratsamtes gibt. Übrigens einmalig in Thüringen, wie das Sozialministerium auf Nachfrage bestätigt.

Dehoga lobt Engagement

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga lobt das Engagement. "Auch wir sind Ansprechpartner bei Fragen und haben wichtige Dinge auf unserer Webseite geklärt, doch Probleme vor Ort zu lösen, hat natürlich eine andere Qualität", sagt Thüringens Dehoga-Chef Dirk Ellinger. Und so schlagen die Beamten mit Tipps auf.

Kontrolle vor Ort

"Fünf Regeln sind zu beachten: Abstand, Handhygiene, Maske, Lüften und die Kontaktnachverfolgung", erklärt Kleinhans. Akribisch geht er bei seinem Besuch jeden dieser Punkte durch. Kontrolliert Lüftungsanlagen, Kontaktformulare und sogar die Toiletten mit kritischem Blick. Der Berlstedter Wirt Tobias Pfaffe ist unsicher, wie viele Menschen er in seinen Saal lassen kann. Schließlich läuft es wieder an - das Geschäft mit den Familienfeiern. Kleinhans erklärt - 1,50 Meter Abstand sind Pflicht und dann werden Stühle gerückt. In Pfaffes "Linde" ist alles in Ordnung. Einige Möbel wurden weiter auseinander gestellt, Desinfektionsmittel nachgefüllt. Die Kontrolle hat der Wirt bestanden. Kleinhans und sein Team werden so bald nicht wieder kommen.

Zwei Männer sitzen an einem Tisch.
Kontrolleur Stefan Kleinhans bei Wirt Tobias Pfaffe in seiner Gaststätte "Zur Linde" in Berlstedt. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Für Uneinsichtige wird es teuer

Was aber, wenn Mängel entdeckt werden? Droht ein Bußgeld? "Nicht gleich beim ersten Mal", sagt der Kontrolleur. Wir reden, wir klären und wir verwarnen. Nur für die Uneinsichtigen wird es teuer!" Bis zu 1.000 Euro kann zum Beispiel der Verstoß gegen die Mund-Nasen-Schutz-Pflicht kosten, auch wer sein Personal nicht ausreichend schützt, muss gegebenenfalls zahlen.

Übrigens der Fehler, den die Kontrolleure am häufigsten entdecken, sitzt mitten im Gesicht - oder eben gerade nicht. Im Alltag rutscht die Maske dann doch. Oder aber sie wird irgendwann gänzlich vergessen. Auch Warteschlagen sind immer wieder ein Problem. Die Wirte müssen sich durchsetzen und auch Kinder, die nach Softeis anstehen, zum Abstand ermahnen. "Die meisten Gäste sind einsichtig", sagt Gastwirt Tobias Pfaffe. Ärger hat er noch nie gehabt.

Ein Mann auf der Terasse einer Gaststätte.
1,50 Meter Abstand sind Pflicht. Stühle, die zu eng stehen, müssen weiter auseinander gerückt werden. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Dehoga-Chef: "Viele Beschlüsse sind lebensfremd"

Dennoch machen ihm die Corona-Regeln weiter zu schaffen. Auch wenn alles viel lockerer ist, bedeuten sie Verluste. "Die Gaststätte ist nie so gut gefüllt wie vor dieser Pandemie." Aber auch Pfaffe weiß, die Regeln sind wichtig, wenn auch in seinen Augen nicht alles nachvollziehbar ist. Dem pflichtet Dehoga-Chef Ellinger bei. Er lobt die Branchenregelung, hält aber viele Beschlüsse für lebensfremd. "Viele Vorgaben seien wenig pragmatisch - die Kontaktnachverfolgung ist nur ein Beispiel", so Ellinger. Er fordert, Veranstaltungen wieder zuzulassen. Schließlich arbeiteten jeder Wirt und jedes Hotel mit einem Hygienekonzept.

Hoffnung auf neue Verordnung

Wie Ellinger setzen alle Gastronomen und Hoteliers auf die neue Verordnung, die dann im Juli kommt. "Die wird dann hoffentlich einfacher, klarer und umsetzbar", so Ellinger und gäbe am Ende damit auch den Kontrolleuren im Weimarer Land weniger zu tun.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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