Tannroda Zukunft des Thüringer Korbmachermuseums ist ungewiss

Es ist ein Alleinstellungsmerkmal: In ganz Mitteldeutschland findet man kein Museum dieser Art. In Tannroda, einem Ortsteil der Stadt Bad Berka im Weimarer Land, befindet sich das Thüringer Korbmachermuseum. Dessen Zukunft steht nun aber auf wackligen Beinen. Ein 1996 abgeschlossener Nutzungsvertrag mit der Stadt für die Schauräume läuft in fünf Jahren aus.

Blick in die Ausstellungsräume des Korbmachermuseums in Tannroda
In fünf Jahren muss das Korbmachermuseum weichen, wenn sich keine andere Lösung ergibt. Bildrechte: MDR/Heimatverein Tannroda

30 Jahre lang darf der Tannrodaer Heimatverein die alten Stallungen auf der Burg nutzen und dort ein Museum errichten. So steht es im Vertrag. Motiviert haben sich die Mitglieder des damals frisch gegründeten Heimatvereins 1996 an die Arbeit gemacht. Nachdem die Stadt Bad Berka sozusagen die Hülle des Gebäudes instand gesetzt hatte, begannen sie in vielen Stunden Eigenleistung das Innere auszubauen. Raum für Raum, Etage für Etage wuchs der alte Stall zum Museum heran.

Korbmacher Knut Röhrich sitzt hinter Korb-Gerüst auf einem Markt 4 min
Bildrechte: Knut Röhrich

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir So 28.02.2021 11:40Uhr 03:46 min

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Sanierung der Burg bringt Museum in Bedrängnis

In der unteren Etage wird Heimat- und Schlossgeschichte gezeigt. Das Obergeschoss widmet sich der Korbmacherei. "Eine Kunst, die heutzutage so gut wie ausgestorben ist, umso wichtiger daran zu erinnern", sagt Andreas Koch, Vorstandsmitglied im Heimatverein. Koch stehen die Sorgenfalten auf der Stirn. Die Burg wurde inzwischen verkauft. Ein Ehepaar aus Hannover hat eine Stiftung gegründet und investiert.

Familie Bähr hat Geld in die Hand genommen und das sieht man der Burg und dem gesamten Areal inzwischen auch an. Außenanlagen wurden erneuert. Es wurde gepflastert und es wurden Beete und Wiesen angelegt. Der Ostflügel ist so gut wie fertig saniert. Aktuell wird im Westflügel gearbeitet. Hier sollen Herbergen entstehen. Es ist Leben eingezogen, eine Gaststätte wird bald eröffnen und Seminare finden hier ebenfalls schon statt.

Die Pläne der neuen Burgherren gehen aber noch weiter. Dort, wo ehemals die Remise stand, soll ein Mehrgenerationenhaus entstehen und das Blaue Schloss soll zum Kulturzentrum werden. Das Korbmachermuseum fände inmitten der geplanten Wohnungen keinen Platz.

"Das allerdings ist nichts Neues", sagt Burgherrin Antje Bähr. "Von Anfang an war klar, in diesen Räumlichkeiten kann das Museum nicht bleiben."

Der Innenhof von Burg Tannroda in Bad Berka
Der Innenhof der Burg von Tannroda. Bildrechte: Antje Bähr

Umzug ins Blaue Schloss würde Verkleinerung des Museums bedeuten

Die Burgherren machen einen Alternativ-Vorschlag. Sie wollen einen Umzug des Heimatvereins ins benachbarte Blaue Schloss. Zunächst einmal eine gute Idee, wenn da nicht die Sache mit dem Platz wäre. "Das Museum müsste arg reduzieren. Wir stellen eine Etage mit vier Räumen und 120 Quadratmetern mietfrei zur Verfügung", sagt Bähr.

Doch der Heimatverein braucht mehr Platz. "Ein Museum braucht Raum - auch für Lager, Werkstatt und Toiletten. Wir müssten um ein Viertel kürzen", sagt Koch. In den letzten Monaten hat er bereits aussortiert. Nicht, um das Museum zu reduzieren, vielmehr, um die Ausstellung attraktiver zu machen. Koch hat das Museum auf Vordermann gebracht und sich von vielen Exponaten getrennt. "Doch noch weiter ausräumen - unvorstellbar."

Roswitha Schwager, Mitbegründerin des Heimatvereins hat viele Stunden ehrenamtlich im Museum verbracht. Ein Umzug, und wenn nur 70 Meter entfernt, für sie unvorstellbar: "Das Korbmachermuseum gehört hier her. Es passt an keinen anderen Platz."

Andreas Koch sieht nun die Politik in der Pflicht. "Stadtrat und Bürgermeister stehen in der Verantwortung. Sie haben schließlich den Verkauf eingerührt." Koch hofft, dass sich der Bürgermeister aktiv für das Korbmachermuseum einsetzt.

Blick in die Ausstellungsräume des Korbmachermuseums in Tannroda
Neben Korbwaren hat das Museum auch zahlreiche weitere Exponate zur Heimatgeschichte gesammelt. Bildrechte: MDR/Heimatverein Tannroda

Schwierige Lage für Bürgermeister

Bürgermeister Michael Jahn (CDU) fühlt sich zwischen Baum und Borke. Ohne den Schlossverkauf wäre das Gebäude wohl längst verfallen und mit dem Verkauf steht das Museum auf der Kippe. Jahn agiert inzwischen als Moderator. Sein Vorschlag: Das Museum reduzieren.

"Der Fokus sollte auf das gelegt werden, was unsere Region, was Tannroda und Kranichfeld ausmacht. Und das ist die Korbmacherei." Damit wäre die Heimatgeschichte raus. Aufwendig recherchierte Chroniken und Zeittafeln würden im Depot landen, Schlossmöbel und landwirtschaftliche Geräte schlimmstenfalls auf dem Müll.

Der Fokus sollte auf das gelegt werden, was unsere Region, was Tannroda und Kranichfeld ausmacht. Und das ist die Korbmacherei.

Michael Jahn

Keine wirkliche Option auch für Andreas Koch. Er denkt über Alternativen nach, hält sogar Ausschau nach Scheunen und anderen großen leer stehenden Objekten. Dem Verein fehlt es an Mitstreitern und Geld. Ein Umzug nicht machbar. Außerdem ist für Mitglieder wie Roswitha Schwager sowieso klar. "Das Museum muss in diesem Gebäude weiter existieren. Hier gehört es hin!" Das letzte Wort in Tannroda - es ist noch lange nicht gesprochen. 

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 06. Juli 2021 | 15:00 Uhr

1 Kommentar

Thueringer Original vor 14 Wochen

Es ist eine Tragödie, aber der Verein konnte damit rechnen. Und auch eine Einsparung von 25% der Fläche sollte drin sein. Selbstverständlich steck da viel Herzblut drin, aber vielleicht ist es im neuen Domizil eine Perspektive für die nächsten 25 Jahre.

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