Ausstellung Kunsthaus Avantgarde Apolda kämpft um Hundertwasser

Autorenbild Conny (Cornelia) Mauroner
Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben - über diesen Spruch kann die Kulturbranche wohl schon längst nicht mehr lachen. Auf eine Absage folgt die nächste. Immer wieder werden Projekte aufs Eis gelegt. Nicht alle Folgen sind sichtbar. Ein Beispiel aus dem Kunsthaus Avantgarde in Apolda-

Hundertwasser-Experience im Kulturkraftwerk
Hundertwasser-Experience im Kulturkraftwerk Leipzig. Bildrechte: Gianfranco Iannuzzi

Normalerweise würde die Ausstellung mit Werken des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser schon ein viertel Jahr im Kunsthaus Apolda hängen. Vermutlich hätte der Geschäftsführer des Kunstvereins schon den 5.000 Gast mit einem Blumenstrauß und einer Jahreskarte begrüßt und die Menschen hätten von den bunten Werken geschwärmt, die in Apolda zu sehen sind. Normalerweise. Doch natürlich hat Corona auch dem Kunsthaus einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Zettel an Fensterscheibe
Schon wieder verschoben.... Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Zum wiederholten Mal wurde die Eröffnung der Hundertwasser-Ausstellung verschoben. Aktuell hofft man auf den 15. Mai, vielleicht wird es auch der 30. Mai oder Anfang Juni. So genau kann auch Vereinschef Hans-Jürgen Giese nicht sagen. "Zermürbend ist das", meint Giese. Immer wieder fängt er von vorne an. Verträge mit Versicherungen, Transportunternehmen beauftragen und mit den Leihgebern sprechen und auf deren Geduld hoffen. Alle zwei Wochen ein neues Finanzkonzept und immer wieder alles für umsonst. "Das macht müde", sagt Giese.

Flyer auf einem Tisch
Die Flyer wurden umsonst gedruckt. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Schleime muss warten

Und es kostet Geld. Jede Woche, die das Kunsthaus geschlossen bleibt, ist eine Woche ohne Einnahmen. Betriebskosten fallen trotzdem an, wenn auch nicht so hoch. Die Aushilfskräfte sind freigestellt. Andere Mitarbeiter werden mit Malerarbeiten und liegen gebliebenen Dingen beschäftigt. "Die Situation, alles andere als zufriedenstellend", so Giese. Hundertwasser hat ihn schon eine Menge Geld gekostet. Bereits letzten September wurden Plakate und Flyer gedruckt. Deren Daten sind nun falsch. Der Druck der Sondereintrittskarten und des Heftes fürs Begleitprogramm konnte gerade noch gestoppt werden. "Auch der Leihgeber lässt sich nicht ewig hin halten. Auch der möchte bestimmt bald etwas Geld sehen. Schließlich stehen die Hundertwasser-Werke fertig gerahmt seit Wochen in Süddeutschland zur Abholung bereit."

Friedensreich Hundertwasser, 1985
Friedensreich Hundertwasser, 1985 Bildrechte: imago images / teutopress

Die Transportunternehmen sind kooperativ, genauso wie die Versicherungen, sagt Giese. Doch wie lange noch, kann auch der Kunsthauschef nicht sagen. Jede Woche planen Giese und sein Team neu. Unbedingt wollen sie den großen Hundertwasser zeigen. Fünf Monate soll die Ausstellung gehen. Seinetwegen machte nun auch Cornelia Schleime Platz. Die Schleime-Ausstellung, die eigentlich im Sommer auf Hundertwasser folgen sollte, wurde nun auch 2022 verschoben.

Cornelia Schleime, o.T. (aus: Horizontebilder), 1985-1986, Mischtechnik auf Japanpapier auf Flies, 140x140cm, Sammlung Leo Lippold
Cornelia Schleime, o.T. (aus: Horizontebilder), 1985-1986, Mischtechnik auf Japanpapier auf Flies, 140x140cm, Sammlung Leo Lippold Bildrechte: Cornelia Schleime, Foto: InGestalt/Michael Ehritt

Auch das ein Kraftakt. Es gab lange Gespräche mit Kuratorin und Künstlerin. Eine um die andere Ausstellung muss verschoben werden. Der Berg an Veranstaltungen, den das Kunsthaus vor sich herschiebt, wird immer größer. Bis 2024 reichen nun die Planungen hinein.

Was ist teurer? Eröffnen oder ausfallen lassen?

Friedensreich Hundertwasser soll der Knaller des Jahres werden. "Schönheit ist ein Allheilmittel" heißt die Schau und gezeigt werden sollen Grafiken, Siebdrucke, Lithografien und Holzschnitte. In gewohnt farbenprächtiger Manier. Die Ausstellung aber ist teuer. Dank der Sponsoren kann sich das Kunsthaus eine solche Schau leisten. Doch was passiert, wenn die Eröffnung in immer weitere Ferne rückt? "Sollten wir nicht bis zum 1. Juli öffnen können, spielt auch eine bis zum 5. September verlängerte Ausstellung die Kosten niemals ein", sagt Giese.

Kunsthaus Apolda Avantgarde
Trotz Corona haben fast 22.000 Menschen das Kunsthaus Avantgarde im Jahr 2020 besucht. "Das Jahr hatte alle Rekorde brechen können", so der Chef. Bildrechte: MDR/Mayte Müller

Dann gilt es abzuwägen. Wo sind die Verluste größer: Wenn die Ausstellung stattfindet, obwohl Einnahmeverluste zu erwarten sind. Oder aber wenn sie abgesagt oder verschoben wird und die Sponsoren und Fördermittelgeber ihr Geld zurück verlangen?

So oder so wäre eine allzu späte Eröffnung oder gar eine Absage eine Katastrophe für den vergleichbar kleinen Kunsthausverein. Er könnte in eine wirtschaftliche Schieflage geraten und das will nun wirklich keiner in der Glocken- und Strickerstadt. Denn das Kunsthaus hat große Kultur nach Apolda geholt und möchte das auch noch viele weitere Jahre tun. Aber Hans-Jürgen Giese bleibt Optimist: "Die Hoffnung", sagt er, "stirbt bekanntlich zuletzt."

Stadtansicht Apolda
Stadtansicht Apolda Bildrechte: MDR/Wolfram Klieme

Quelle: MDR/ifl

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Morgen | 18. April 2021 | 07:20 Uhr

Mehr aus der Region Weimar - Apolda - Naumburg

Mehr aus Thüringen