Apolda Der "Lindwurm" wird 30 Jahre alt

Autorenbild Conny (Cornelia) Mauroner
Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Es sollte eine Riesenparty am Schloss werden - mit allen Kindern, Eltern, Kooperationspartnern und Sponsoren. Auch ehemalige "Lindwurm"-Kinder wären gekommen. Doch Corona hat der Fete einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Schild Freizeitzentrum Lindwurm
Seit 30 Jahren in Apolda: Das Freizeitzentrum Lindwurm. Bildrechte: Conny Mauroner/MDR

"Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben", sagt Lindwurm-Chefin Charlotte Grüner und hofft auf einen Nachholtermin im Herbst. Am Kindertag wollen sie und ihr Team aber trotzdem feiern. In der benachbarten Herressener Promenade werden die Picknickdecken ausgerollt. Es gibt Kakao und eine dicke Geburtstagstorte, spendiert von einem Bäcker aus der Stadt.

Überhaupt sind die Apoldaer Unternehmer dem Freizeitzentrum sehr zugetan. Seit drei Jahrzehnten unterstützen sie das Haus mit Sach- und Geldspenden. Der Landkreis übernimmt den Löwenanteil der Kosten. "Einen solchen Verein am Laufen zu halten, ist eine Menge Arbeit. Immer wieder muss man Förderanträge schreiben und Kontakte knüpfen. Das ist viel Bürokratie", sagt Sylvia Dannewald. Die ehemalige Chefin ist zwar in Rente, hilft aber zweimal pro Woche als Betreuerin aus.

Zwei Frauen basteln
Generationen: Die alte Chefin Sylvia Dannewald und die neue Chefin Charlotte Grüner beim Basteln. Bildrechte: Conny Mauroner/MDR

Freizeitzentrum mit Vergangenheit

Nur zu gut kann sie sich an die Eröffnung des Zentrums vor 30 Jahren erinnern. "Anfang des Jahres hatten wir die Station der Techniker übernommen und sie dann nach unseren Wünschen umgebaut. Am Kindertag konnten wir eröffnen." Eine Punktlandung war das im Jahr 1991. Schon damals gab es die Holzwerkstatt, einen Kreativraum und eine Keramikwerkstatt, die bis heute bei den Kindern der Renner ist.

Hunderte Lindwürmer aus Ton, Kerzenständer und Vogeltränken wurden hier schon gebaut. Der "Lindwurm" hatte sich schnell einen Namen gemacht. Den Schulen brachen Anfang der 1990er-Jahre die Freizeitangebote weg. Es gab keine Beschäftigungen und keine AGs. Gern nutzten sie die Möglichkeit des "Lernens am anderen Ort".

"Bis zu 15.000 Kinder haben wir 1991 und auch 1992 betreut", erinnert sich Dannewald. Die Schulen kamen in Scharen und aus dem gesamten Kreis. "Voll wurde es vor allem in der Vorweihnachtszeit. Da waren am Nachmittag manchmal hundert Kinder da", erinnert sich Dannewald. Es wurde gebastelt, gebacken und gequatscht. Am Vormittag kamen die Schulklassen, am Nachmittag startete das Freizeitprogramm.

Umfangreiches Ferienprogramm geplant

Das ist auch heute noch so, wenn Corona keinen Strich durch die Rechnung macht. Seit mehr als einem Jahr gibt es kein "Lernen am anderen Ort" mehr. Die Schulen dürfen keine Ausflüge machen. Fast vier Monate war das Freizeitzentrum ganz dicht. Chefin Charlotte Grüner hat dennoch Kontakt gehalten. Sie schickte ihre Bastelanleitungen per Video und Mail. Im Juni 2020 ging es aber weiter. Als Einrichtung der Jugendhilfe durfte der "Lindwurm" wieder öffnen.

In festen Gruppen werden die Kinder seitdem betreut. "Sie gehen viel raus und machen Hausaufgaben - wenigstens das", freut sich Charlotte Grüner. Auch wenn der Geist des offenen Hauses, in das Jeder zu jeder Zeit kommen kann, fehlt. Grüner und ihr inzwischen nur noch kleines Team von drei festen und wenigen Honorar-Mitarbeitern hoffen auf den Sommer. Sie haben ein umfangreiches Ferienprogramm geplant. Es soll nach Eckartsberga auf die Sommerrodelbahn gehen und in den Leipziger Zoo, sofern Corona es zulässt.

Freizeitzentrum innen
So sieht es im Inneren aus. Im Sommer sind zahlreiche Ausflüge geplant. Bildrechte: Conny Mauroner/MDR

Die Ausflüge der "Lindwurm"-Mannschaft sind legendär. Gern erinnert sich Sylvia Dannewald an die Übernachtungen im Strohhotel und auch an andere Höhepunkte im Jahr. Halloween wird im "Lindwurm" groß gefeiert. Und zum Apoldaer Faschingsumzug stellen die Kinder ein eigenes Bild. Seit Jahren laufen sie im Umzug mit.

Von Anfang an dabei: Ex-Chefin Dannewald

Sylvia Dannewald ist in Apolda inzwischen bekannt "wie ein bunter Hund". Noch immer wird sie von ehemaligen Kindern angesprochen, die inzwischen selbst Eltern sind und ihre Kinder in den "Lindwurm" schicken. Dannewald hat Hunderte Kinder groß werden sehen, mit ihnen gelacht, getöpfert, Tränen getrocknet und auch Diskussionen geführt. "Auch das gehört dazu." Politik im Kleinen, nennt sie das.

Charlotte Grüner setzt fort, was Sylvia Dannewald aufgebaut hat. Auch sie und ihr Teampartner Peter Stolze haben offene Ohren, wenn es den Kindern unter den Nägeln brennt. "Gerade jetzt haben sie viel Redebedarf. Da geht es um Arbeitslosigkeit, aber auch um die Maskenpflicht", sagt Grüner. Die Sechs- bis 14-Jährigen löchern die Sozialpädagogen mit ihren Fragen.

Mehrere Fotos von Veranstaltungen
Das Freizeitzentrum Lindwurm hat eine bewegte Geschichte. Bildrechte: Conny Mauroner/MDR

Am Kindertag aber werden sie erst einmal feiern. Das Haus haben sie bunt dekoriert. Luftballons und Fenstermalfarbe kündigen den runden Geburtstag an. Und Janine, die seit fast zehn Jahren regelmäßig in den "Lindwurm" geht, hat einen dicken Geburtstagswunsch. Sie will, dass das Haus noch lange, lange bestehen bleibt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 01. Juni 2021 | 18:10 Uhr

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