Besuch auf der Baustelle Tag des offenen Denkmals: Das Gutshaus Thangelstedt

Die helle Fassade des barocken Gutshauses leuchtet in der Sonne. Doch innen wartet noch eine ganze Reihe von Baustellen. Familie Mappes-Glasser wohnt seit 2019 im Herrenhaus und werkelt jede freie Stunde daran. Ein Besuch auf der Baustelle anlässlich des Tags des offenen Denkmals.

Gutshaus Thangelstedt
Durch das historische Gartenportal betritt man das Gutshaus Thangelstedt. Zum Tag des offenen Denkmals können die Baustellen im Inneren besichtigt werden. Bildrechte: Timo Mappes

Wo liegt eigentlich Thangelstedt, das von einigen Einheimischen auch nach fast 400 Jahren noch "Saufeld" genannt wird? Zwischen Tannroda und Blankenhain am südlichen Rand des Kreises Weimarer Land, eingebettet in Hügel und Wälder. Die Straße endet im Ort. Obwohl in der Nähe der Goethe-Wanderweg nach Großkochberg verläuft, finden kaum Touristen den Weg ins Dorf. Doch dann kommt einer aus der Großstadt - und kauft das heruntergekommene Gutshaus, das aus der Barockzeit stammt.

Aus der Großstadt aufs Land

Alte Gemäuer faszinieren ihn seit seiner Jugendzeit, berichtet der neue Eigentümer Timo Mappes. Als er 2018 beruflich nach Jena wechselt, beginnt er hier, nach einem solchen Haus zu suchen. In Thangelstedt wurde er fündig.

Mann und Frau in einem Haus 8 min
Bildrechte: MDR/Dagmar Weitbrecht

MDR THÜRINGEN - Das Radio So 12.09.2021 10:00Uhr 07:55 min

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Schlechte Fotos und der bewohnte Zustand ließen andere Interessenten für das Gutshaus bisher abspringen. Das Haus hat eine lange Geschichte: Erste Erwähnungen stammen aus dem Mittelalter. Dann wurde das Herrenhaus 1681 und 1682 im Auftrag des Weimarischen Rates und Jägermeisters Christoph Friedrich von Thangel wieder aufgebaut.

Was Timo Mappes nach dem Kauf im Jahr 2019 noch davon vorfindet, ist in einem katastrophalen Zustand. Das barocke Gebäude ist marode, der Putz fehlt, Fenster sind zugemauert, das mit Dachpappe gedeckte Dach ist löchrig, das Grundstück vermüllt. Doch Mappes lässt sich nicht entmutigen: "Es ist für mich der Ausgleich für die geistige Arbeit, die körperliche Herausforderung", sagt er. Timo Mappes ist Professor für die Geschichte der Physik und Direktor des im Aufbau befindlichen Deutschen Optischen Museums in Jena.

Original-Treppen aus dem Barock

Im Eingangsbereich sind die Türen ausgehangen, sie werden restauriert. In der Mitte der Diele befindet sich die Treppe, welche die drei Etagen miteinander verbindet. Die ersten Stufen sind noch wie gewohnt, in der nächsten Etage heißt es aufpassen: Bei den Original-Treppen aus der Zeit um 1681 sind die Stufen ungewohnt hoch.

In der zweiten Etage befindet sich das Schmuckstück, der "hellblaue Salon". Der Dielenfußboden ist zwar noch mit Gipskartonplatten geschützt. Aber die Stuckdecke ist schon erkennbar und die Wände sind von der Dispersionsfarbe befreit.

Renovierungsarbeiten in einem Raum
Dieser Raum wird das Schmuckstück des Gutshauses: Der "hellblaue Salon". Bildrechte: MDR/Dagmar Weitbrecht

Bauen mit Naturbaustoffen

Diese aufwändige Arbeit ist nötig, um das historische Haus wieder zu dem zu machen, was es einmal war. "Wenn Sie ein Haus haben, das schon so lange gelebt hat - es hat so lange gelebt, weil es mit Materialien erbaut wurde, die schon Jahrhunderte lang erprobt waren - dann ist es das Beste, was sie machen können, mit diesen Materialien zu renovieren", sagt der Eigentümer.

Moderne Farben oder Putz würden bei den bis zu 1,50 Meter dicken Wänden zu Schimmelbefall führen. Auch beim Dachstuhl blieben die historischen Dachbalken erhalten.

Dachboden
Moderne Dämmung gab es nicht im Dachstuhl. Bildrechte: MDR/Dagmar Weitbrecht

"Die Bäume für das Dach wurden 1682/82 geschlagen" sagt Mappes. Er hat es untersuchen lassen. Es ist ein sogenanntes "Kaltdach", das heißt auf den Balken liegen nur die Schalbretter, auf die der Schiefer genagelt ist, keine dichtschließenden Folien oder Dämmstoffe wie bei modernen Häusern.

Wenn Sie ein Haus haben, das schon so lange gelebt hat - es hat so lange gelebt, weil es mit Materialien erbaut wurde, die schon Jahrhunderte lang erprobt waren - dann ist es das Beste, was sie machen können, mit diesen Materialien zu renovieren.

Timo Mappes, Eigentümer des Gutshauses Thangelstedt

Wohnen auf der Baustelle

Timo Mappes und seine Partnerin haben sich eine kleine Ferienwohnung im Haus eingerichtet. Auf die Frage, wie sich Leben im Schloss anfühlt, sagt er: "Fantastisch fühlt sich das an. Es ist unglaublich ruhig hier. Man hört nur die Tiere. Und besonders ist auch das Raumklima durch den Lehm- und Kalkputz."

Das Gutshaus Thangelstedt: Vorher/Nachher

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Gutshaus Thangelstedt
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Auch das gute Verhältnis zu den unmittelbaren Nachbarn spiele eine Rolle. Da wird mit angepackt oder mal Werkzeug ausgeliehen. Die Schafe des Nachbarn sind gern gesehene Gäste, sie halten das Gras auf dem 10.000 Quadratmeter großen Grundstück kurz. Denn der Garten kommt erst nach Beendigung der Bauarbeiten dran.

Tag des offenen Denkmals im Gutshaus Thangelstedt Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 12.09.2021, gibt es Führungen durch die Innenräume, die gerade saniert werden.

Öffnungszeiten:
11-17 Uhr (Führungen nach Bedarf)

Anschrift:
Dorfstraße 1
99444 Blankenhain, Ortsteil Thangelstedt

Die Wirtin in der Dorfgaststätte sorgt für das leibliche Wohl. Für Technikinteressierte findet auch ein Treffen historischer Traktoren statt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 08. September 2021 | 15:10 Uhr

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