Ilm-Kreis Erst im Tod ein Zuhause: In Geschwenda gefundene Babyleiche wird beerdigt

Drei Jahre ist es her, dass in Geschwenda im Ilm-Kreis ein totes Baby aufgefunden wurde. Bis heute fehlt von Mutter und Vater jede Spur. Nun soll das kleine Mädchen seine letzte Ruhe finden.

Gedenkstein für toten Säugling von Geschwenda
Das in Geschwenda aufgefundene tote Mädchen soll Ende April beerdigt werden. Ein Gedenkstein wurde an der Stelle des Fundorts aufgestellt, dieser soll nun der Grabstein werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Karsamstag 2019. Am Ortsrand von Geschwenda im Ilm-Kreis wird an einem Feldweg die Leiche eines Babys gefunden. Bis heute ist die Identität des toten Mädchens unklar. Noch immer fehlt von der Mutter und dem Vater jede Spur. Das Kind hat keinen Namen, kein Geburtsdatum, keinen Sterbetag. Doch es soll nun endlich seine letzte Ruhe finden.

Es soll am 29. April 2022 bestattet werden, drei Jahre nach dem Fund des Leichnams. Es wird ein christliches Begräbnis auf dem kleinen Waldfriedhof von Geschwenda bekommen, wie Pfarrer Sebastian Pötzschke erzählt.

Totes Baby von Geschwenda: Polizei sucht weiter nach den Eltern

Die Polizei versucht unterdessen weiter, die Mutter zu finden und Hinweise auf den Vater zu bekommen. Seit drei Jahren haben die Ermittler alles unternommen, was die Kriminalistik hergibt. Verschiedene gerichtsmedizinische Untersuchungen der sterblichen Überreste wurden in Thüringen, München und Amsterdam in Auftrag gegeben. Biologische Gutachten, Isotopengutachten und Einzelzellgutachten wurden gemacht, Geburtsregister durchforstet und Befragungen durchgeführt. Bisher erfolglos.

Aber - der Fall ist für die Polizei mit der Beerdigung nicht abgeschlossen. Schon bald könnten neue Ergebnisse präsentiert werden, hieß es auf Anfrage.

Ein Fahndungsplakat liegt auf einem Tisch.
Mit diesem Fahndungsaufruf - darauf zu sehen ist eine Puppe mit den gefundenen Kleidungsstücken des toten Babys - hatte die Polizei nach Hinweisen gesucht. Bildrechte: MDR THÜRINGEN

Grab in der Mitte des Friedhofes ausgesucht

Das kleine Mädchen wurde geboren, versorgt - und dann abgelegt. Es wurde nur wenige Wochen alt. Wer ihm die Chance zu leben Anfang Dezember 2018 genommen hat, bleibt weiter unklar. Seit dem Fund des Leichnams liegt der kleine Körper in einem Kühlfach der Gerichtsmedizin in Jena. Eine Bestattung ohne Namen und Geburtsdatum ist laut Bestattungsgesetz schwierig. Nun wird das Mädchen eine Grabstätte ähnlich der eines unbekannten Soldaten bekommen.

Anders als zunächst angedacht, wird das Grab nicht am oberen Rand des Waldfriedhofes unter einem großen Nadelbaum liegen, so Pfarrer Sebastian Pötzschke. Gemeinsam mit einer Gruppe engagierter junger Mütter und der Gemeinde wurde ein anderer Platz ausgesucht - in der Mitte des Friedhofes. Denn darin seien sich alle einig gewesen - im Tod soll das Kind nicht auch noch allein sein.

Gedenkstein vom Fundort soll Grabstein werden

Es wird eine Erdbestattung sein. Das Mädchen bekommt einen kleinen Sarg, das Grab wird eingefasst. Doch statt eines Grabsteines wird der Gedenkstein vom Fundort gesetzt. Er trägt die Aufschrift: "Auch wenn Deine kleinen Füße nie die Erde berührten...". Dem Kind einen Namen zu geben, sei Aufgabe der Eltern oder der gesetzlichen Angehörigen wie Omas und Opas, sagt Pötzschke. Die Geschwendaer wollten das nicht deckeln, erzählt er. Mutter und Vater sollen sich nicht aus dieser Verantwortung stehlen können. Das solle ein "Stachel im Fleisch bleiben", sagt er.

Gedenkstein für toten Säugling von Geschwenda
Der Gedenkstein, der am Fundort des Babys gesetzt wurde, soll nun auf dem Grab des kleinen Mädchens stehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Pfarrer: Geschwendaer haben totes Mädchen in ihrer Mitte aufgenommen

Mit der Gruppe der engagierten Geschwendaer habe das winzige Mädchen jetzt Menschen, die an es denken und sich kümmern. Auch wenn es nur das Kümmern um die Grabstätte sei, so der Pfarrer. Viele haben dabei mitgeholfen. Steinmetz und Bestatter arbeiten kostenfrei. Bei allem Schlechten und allem Dunklen, was dem Kind widerfahren ist, sei das ein kleines Lichtzeichen.

Angehörige seien diejenigen, die zu jemandem gehören, meint Pfarrer Sebastian Pötzschke. Menschen, die sich kümmern und da sind. Und es sind nicht diejenigen, die auf einem Papier stehen. Die Gemeinde habe das Mädchen als ihren Angehörigen in ihrer Mitte aufgenommen. Lieber wäre ihnen aber gewesen, fügt Pfarrer Sebastian Pötzschke hinzu, sie hätten sich um ein lebensfrohes kleines Mädchen kümmern können.

Mehr zum Fund des toten Babys in Geschwenda

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 16. April 2022 | 18:00 Uhr

Mehr aus der Region Weimar - Apolda - Naumburg

Mehr aus Thüringen