Ukraine-Krieg Thüringer Weinprinzessin: Ukrainerin Kateryna Kinter als Botschafterin des Friedens

Autorenbild Conny (Cornelia) Mauroner
Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Auch in Thüringen haben viele Ukrainerinnen und Ukrainer in den vergangenen Jahren eine zweite Heimat gefunden. Sie sorgen sich jetzt genauso um Familie und ihr Heimatland, wie die Menschen, die in der Ukraine ausharren oder wegen des Krieges schon fliehen mussten. Kateryna Kinter lebt seit mehr als sechs Jahren im Freistaat. Die Ukrainerin ist die amtierende Weinprinzessin und setzt sich jetzt für Frieden in ihrem Land ein.

Katyerina Kinter hält eine Weinflasche mit ihr als Weinprinzessin darauf in der Hand.
Die Ukrainerin Kateryna Kinter ist die amtierende Weinprinzessin in Thüringen. Sie sorgt sich um ihre Familie, die noch in der Ukraine ist. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Kateryna Kinter ist die 26. Thüringer Weinprinzessin. Seit vergangenem Sommer trägt sie die Schärpe und repräsentiert die Thüringer Weinregion vor allem rund um Bad Sulza (Kreis Weimarer Land). Kateryna ist stolz auf das Amt, auch wenn sie gern mehr Veranstaltungen und Termine hätte. Corona hat durch Vieles einen Strich gemacht. Doch das alles rückt aktuell sehr weit in den Hintergrund. Kateryna ist Ukrainerin. In ihrem Heimatland tobt ein Krieg.

Ausbildung zur Restaurantfachfrau

Zum ersten Mal habe ich Kateryna im Frühsommer 2021 getroffen. Sie war 24 Jahre alt und noch ungekrönt. Es war ihr erstes Interview. Sie hat mir viel von sich erzählt. In der Ukraine hatte Kateryna ihren Abschluss gemacht, als Bachelor of Arts im Hotel-und Restaurantmanagement.

Ihre Leistungen waren derart gut, dass sie ein Stipendium erhalten hat und gemeinsam mit 14 anderen Ukrainern nach Bad Sulza kam. In der Toskanaworld GmbH hat sie eine weitere Ausbildung zur Restaurantfachfrau gemacht und fünf Jahre im Hotel gearbeitet. "Es war ein tolles Team. Sie haben mir immer geholfen, egal ob beruflich oder privat."

Birgit Keller krönt Kateryna Kinter als Weinprinzessin.
Landtagspräsidentin Birgit Keller (Linke) krönt Kateryna Kinter im August 2021 als Weinprinzessin. Bildrechte: dpa

Kateryna war gerade einmal 18 Jahre alt, als sie nach Deutschland kam. Sie hat ihre Heimat, ihre Familie und Freunde verlassen. "Es war nicht immer einfach", sagt sie "aber ich war nie allein."

Kateryna ist eine ehrgeizige junge Frau, die es nach ihrem Wechsel ins Scala-Restaurant in Jena bis zur stellvertretenden Restaurantleiterin geschafft hat. Sie arbeitet viel und gern. Vor weniger als zwei Wochen hat sich schlagartig alles verändert. "Ich war gerade im Urlaub auf Mallorca als die Nachrichten auf mein Handy kamen."

Familie lebt in Lemberg

Freunde, Familie und Kollegen haben sich bei ihr gemeldet. Alle waren besorgt nach Ausbruch des Krieges. Kateryna hat sofort mit ihrer Mutter telefoniert. Die Familie wohnt in Lemberg. Sorgen macht sie sich vor allem um ihre beiden großen Brüder und deren Familien. "Sie haben beide kleine Kinder, würden aber, wenn es hart auf hart kommt, in die Krieg ziehen."

Eine Vorstellung, die Kateryna Angst macht. "Ich kann es aber auch verstehen", sagt sie. Der Kontakt ist eng. Sie telefonieren jeden Tag, schreiben und schicken Videos. "Sie berichten dann, was sie gehört oder gesehen haben. Sirenen oder Flugzeuge. Die Russen, sie kommen näher."

Blaue und gelbe Fingernägel
Ihre Fingernägel hat die Weinprinzessin derzeit in den Farben ihres Heimatlandes angemalt. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Am liebsten würde Kateryna ihre Familie zu sich nach Jena holen. Doch das hieße, ihre Brüder müssten sich von Frauen und Kindern trennen. Sie selbst dürften die Ukraine nicht verlassen. Vor Ort engagiert sich die Thüringer Weinprinzessin für den Verein Ukrainische Landsleute e.V.. Sie spendet Geld und verbreitet wichtige Informationen. Außerdem tritt sie als Botschafterin auf.

Erst kürzlich gab es eine Kundgebung in Bad Sulza, bei der Kateryna 99 blau-gelbe Luftballons als Zeichen für den Frieden in den Himmel steigen ließ. Eine Aktion, initiiert von der CDU. Parteien spielen aber keine Rolle, Bad Sulzas SPD-Bürgermeister Dirk Schütze war auch dabei - er spendete 1.000 Euro. "Die Kurgesellschaft, der Weinbauverein - sie alle helfen."

Hier können Sie spenden Viele Vereine und Privatpersonen rufen aktuell zu Spenden auf. Die ARD unterstützt diese bundesweite Initiative:

Spendenkonto Aktion Deutschland hilft
Stichwort ARD / Nothilfe Ukraine
IBAN: DE53 200 400 600 200 400 600

Solidarität mit der Ukraine

Auch ihrem Chef im Scala-Restaurant ist Kateryna unendlich dankbar. "Er hat schon Landsleute aufgenommen. Sammelt Geld und hat dafür gesorgt, dass der Turm in Jena blau-gelb angestrahlt wird." Die Solidarität ist riesig, Kateryna weiß das zu schätzen. Sie ist stolz auf die Deutschen, die unendlich hilfsbereit sind. Stolz ist sie auch auf ihre Heimatland - auf die Armee, die Putins Truppen Widerstand hält.

Sie trägt ein selbst geknüpftes Armband in blau-gelben Farben und auch ihre Fingernägel sind blau-gelb lackiert. Ein Zeichen von Stärke - Kateryna glaubt an ihr Heimatland.

MDR (jml)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 08. März 2022 | 07:10 Uhr

5 Kommentare

DER Beobachter vor 22 Wochen

Mal abgesehen davon, dass Finnland in der EU ist und gerade nicht zufällig wieder einmal die Nato-Mitgliedschaft anstrebt: mehr haben Sie zu der Aggression Putins nicht zu sagen? Okay, Ruhe wird unter Putin im Ukrainekonflikt nicht einziehen. Und wenn es ihm gelingt, einen ihm treuen Vasallen wie seinerzeit zu installieren (wär sollte das sein? Nicht mal dazu spekuliert(e) Russland, wird auch keine Ruhe einkehren. Und was ist mit russischer Oligarchie, Misswirtschaft und Korruption (129.Stelle im Korruptionsindex, Ukraine 117., selbst Pakistan und Niger stehen da vergleichsweise besser da als R)? Was die (innere) Stabilität angeht, nun, auch da sitzen Sie demselben Irrtum auf wie der großrussische Imperator...

Peter vor 22 Wochen

kleinfrontkaempfer: Ich darf Ihnen wiedersprechen. So, wie´s aussieht, kann der Ukraine nur eine EU- und NATO-Mitgliedschaft dauerhaften Frieden und Stabilität bringen. Die baltischen Staaten haben´s gezeigt, wie es geht.
Möge Kateryna eine sympathische und würdige Vertreterin ihres Landes sein.

kleinerfrontkaempfer vor 22 Wochen

Wunderschöne Prosa eines schlimmen Konfliktes.
Wegen andauernder Misswirtschaft, Oligarchendiktat und Korruption haben ca. 6 Millionen Ukrainer schon vor dem Konflikt ihre Heimat verlassen. Das sollte zu denken geben.
Und diese Menschen werden seßhaft in der EU werden. Solange sich das Land in der Verfassung die EU u. NATO Mitgliedschaft festgeschrieben hat, wird dort keine Ruhe und Stabilität einkehren. Neutralität (siehe Schweiz, siehe Finnland) ist nicht mehr erstrebenswert.

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