Wird der Wein teurer? Thüringer Weinbauern bekommen Lieferengpässe zu spüren

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Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Keine Flaschen, kaum Etiketten und ein Mangel an Verschlüssen: Auch die Thüringer Winzer bekommen die Lieferengpässe in der Branche zu spüren. Um den Wein trotzdem abfüllen zu können, kaufen sie Flaschen teils überteuert ein, was am Ende den Wein teurer machen könnte.

Ein Mann öffnet eine Flasche Wein
Den Winzer fehlt Nachschub an Flaschen, Verschlüssen und auch Etiketten. Bildrechte: Colourbox.de

"Glücklicherweise habe ich im vergangenen Jahr vorgesorgt. Mein Hof ist voller Flaschen", sagt Andreas Clauß, vom Thüringer Weingut in Bad Sulza. Doch irgendwann werden auch seine Reserven zur Neige gehen. "Auf bestimmte Sorten warte ich jetzt schon", meint Clauß. Insbesondere Rotwein-Flaschen seien schwer zu beschaffen.

Eine Erfahrung, die Clauß mit etliche Kollegen der Branche teilt. Auch André Zahn vom gleichnamigen Weingut in Kaatschen wartet sehnsüchtig auf Flaschen. "Hohe Energiepreise und Produktionsausfälle in der Industrie machen zu schaffen", sagt Zahn. Auch er hat noch einige Restbestände im Keller. Doch wie lange die reichen, weiß auch André Zahn nicht.

Kellermeister André Zahn und Moderatorin Diana Fritzsche-Grimmig begutachten Weinreben am Weinberg.
Kellermeister André Zahn (links) bei der Begutachtung der Weinernte im Spätsommer. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Auch Etiketten, Verschlüsse, Kartonagen betroffen

Die Winzervereinigung Freyburg-Unstrut ist ebenfalls besorgt. Dort benötigt man Flaschen in großem Maß. Täglich laufen hier bis zu 22.000 Stück vom Band. "Eine solche Menge muss man gut im Voraus planen", so ein Sprecher. Doch Planungssicherheit, die gebe es nicht. "Heutzutage warten wir sechs, statt der sonst üblichen zwei Monate auf eine Lieferung. Zudem steigen die Kosten von Woche zu Woche", sagt Theo Leis Sprecher der Winzervereinigung.

Herzoglicher Weinberg in Freyburg (Unstrut)
Der Herzogliche Weinberg in Freyburg-Unstrut. Bildrechte: imago stock&people

"30 Prozent mehr habe ich zuletzt bezahlt", berichtet Clauß. Kosten, die er früher oder später an die Kunden weitergeben muss, denn Glas ist nicht das einzige Problem. Auch an Etiketten und Verschlüssen mangelt es. "Insbesondere, wenn es eine besondere Farbe sein soll", so Leis. Kartonagen seien schon länger ein Problem. Auch die würden immer teurer.

Fehlende Produktionskapazitäten und Lkw-Fahrer

Die Lieferschwierigkeiten fingen mit Corona an. Glas- und Hochöfen stellten ihren Betrieb ein, es fehlt an Produktionskapazität. "Der schreckliche Krieg in der Ukraine hat das alles noch verschlimmert. Zwei für den europäischen Markt wichtige Glaswerke mussten dort geschlossen werden", berichtet Andreas Clauß. Auch der Draht, mit dem er den Wein bindet, kommt aus der Ukraine.

"Und dann brechen in der Logistik-Branche die Fahrer weg", weiß Ringo Siemon, vom Bundesverband Mittelständischer Wirtschaft zu berichten. "Was nützt ein beladener Lkw, wenn keiner da ist, der ihn steuert." Über das Kriegsgebiet können Güter nicht transportiert werden und auch viele Luftwege fallen weg.

Wein wird teurer werden

Zwei Männer kaufen regionalen Wein in einem Supermarkt
Im Supermarkt könnte der Wein jetzt teurer werden. Bildrechte: Colourbox.de

Andreas Clauß bestellt jetzt Zubehör zu völlig überhöhten Preisen, um auf Nummer sicher zu gehen. "Denn wenn es soweit kommt, dass die Behälter voll mit Wein sind und es keine Flaschen gibt, dann ist das Weingut am Ende." So weit soll es natürlich nicht kommen. Eine Zwangspause der Abfüllanlagen, wie es bei Winzer-Kollegen in Rheinland-Pfalz bereits der Fall ist, müssen Thüringer Weinbauern nicht einlegen. "Das Jahr 2022 ist gesichert, aber was danach kommt, weiß keiner zu sagen. So wenig Planungssicherheit, die gab es noch nie."

Kunden könnten die Lieferengpässe zu spüren bekommen. "Vielleicht gibt es nicht immer alle Sorten Wein im Regal. Vielleicht sieht auch mal die eine oder andere Flasche etwas anders aus", sagt Winzer Zahn. Wahrscheinlich ist auch, dass die Kunden demnächst etwas tiefer in die Tasche greifen müssen, wenn sie sich für einen guten Tropfen Wein entscheiden.

MDR (ask)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 27. März 2022 | 18:05 Uhr

17 Kommentare

Intusch vor 26 Wochen

In der DDR gab es keine Container für Glas. Wir haben alles in Sero Sammelstellen abgegeben und Geld bekommen.
Wenn sie anderer Meinung sind, dann beschreiben Sie doch bitte wie es in der DDR abgelaufen ist!

Kleingartenzwerg vor 27 Wochen

Standardisierung, Pfandsystem usw. alles gute Ideen. Leider hat die Sache einen Hacken, das lässt sich logistisch in technologisch nicht von heute auf morgen umsetzen und ist zwar perspektivisch möglich aber für die konkreten aktuellen Probleme der Winzer in Weinbauern kein Lösung.
Davon abgesehen wird der Wein für den Erzeuger und Verbraucher durch die genannten Maßnahmen auch nicht kostengünstiger.

hilflos vor 27 Wochen

So dramatisch dürfte es in Thüringen nicht werden, denn die Gegend um Bad sulza ist nun wirklich nicht so groß und weitere offizielle Anbaugebiete gibt es wohl nicht. Ansonsten kann man auch andere Weine kaufen, z. B. aus anderen dt. Anbaugebieten oder EU Importe. Saale-Unstrut ist oft überteuert und nicht wirklich besser

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