CATL in Arnstadt Stromleitung, Straßen und Güterbahnhof: Was Firmen am Erfurter Kreuz brauchen und nicht alle Bürger wollen

Das Gewerbegebiet Erfurter Kreuz gehört zu den Erfolgsprojekten in Thüringen. Aber die Firmen dort brauchen Platz, sie brauchen Straßen, einen Güterbahnhof und viel Strom. Anwohner monieren, diese Probleme seien nicht berücksichtigt worden, als das Gewerbegebiet vor Jahren erdacht wurde. Die Firma CATL, die gerade ihre Fabrik aufbaut, braucht eine Stromleitung und kurze Wege zu einem fertigen Güterbahnhof. Die Interessen prallten bei einer Bürger-Versammlung am Dienstag aufeinander.

CATL am Gewerbegebiet Erfurter Kreuz
Die Firma CATL baut in Arnstadt eine neue Fabrik. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es ist eine der größten Baustellen in Thüringen: Am Rand des Gewerbegebiets "Erfurter Kreuz" sind die Gebäude des Batterie-Herstellers CATL von außen gesehen weitgehend fertig. Gerade läuft der Innenausbau, sagt Matthias Zentgraf, Europa-Chef des Unternehmens. "Dort werden die Installationen durchgeführt. Die Fertigung der Batteriezellen steht bei Reinraum-Bedingungen Halbleitern kaum in etwas nach." Sauberkeit spiele da eine besondere Rolle. Nun wartet man auf die Betriebsgenehmigung, damit die Maschinen installiert werden können. "Die erwarten wir in den nächsten Tagen oder Wochen vom Landesumweltamt - hoffentlich nicht in Monaten."

In einigen Containern stehen bereits Maschinen, die installiert werden sollen. Weitere dürften aus China bald hinzukommen. Neben den Maschinen sind hier auch etwa 115 Mitarbeiter aus China beschäftigt. Sie sollen möglichst kurze Zeit bleiben - und wollen auch wieder nach Hause. Diese Fachkräfte sollen sicherstellen, dass die Maschinen richtig installiert sind, die Räume korrekt ausgestattet sind, und sie weisen ihre deutschen Kollegen ein. Von denen gibt es inzwischen 179. Im Dezember sollen weitere 15 hinzukommen.

"Da sind wir im Plan", so Zentgraf. Schritt für Schritt soll das gehen, bis im nächsten Jahr die Fertigung anläuft. "Und irgendwann sind bis zu 2000 Mitarbeiter möglich." Dabei spekuliert das Unternehmen auch auf Fachkräfte in der Produktion, die in anderen Unternehmen keine Zukunft haben. Weil deren Firma Verbrenner-Komponenten herstellt, die künftig weniger gebraucht haben.

Logistik mit Bahn und Lkw

Doch die Fertigung braucht nicht nur ein Gebäude, sondern auch die Möglichkeit, in großen Mengen beliefert zu werden und selbst zu liefern. Dafür soll der Güterbahnhof in Arnstadt wieder reaktiviert werden. Die Pläne dafür hatte die Bahn im Oktober bekanntgegeben.

Das Projekt gehört zu den Maßnahmen, die in Arnstadt umstritten sind. Beim Bürgergespräch am Dienstagabend gibt es eine Reihe von Beschwerden. Die Stadt habe die betroffenen Anwohner gar nicht informiert. Die hätten von dem geplanten Ausbau des über Jahrzehnte praktisch verlassenen Güterbahnhofs erst aus der Zeitung erfahren, als das Projekt eigentlich schon "in Sack und Tüten" war. Die Beigeordnete der Stadt kontert, die Stadtratssitzungen zum Thema seien öffentlich gewesen.

Baumstämme liegen auf einem Platz, im Hintergrund Wohnhäuser
Anwohner am Gewerbegebiet sorgen sich wegen Lärmbelästigung durch mehr Lastwagen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kerstin Launer ist Anwohnerin. Sie wohnt mit ihrer Familie in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs. Informiert habe sie nicht die Stadt, sondern die Bahn: Da seien auch ein paar Ängste genommen worden. "Aber wir sind vergessen worden. Ich bekomme eine Schallschutzwand hin, aber dadurch wirft es Schatten, ich habe keine Sonne mehr."

Sieben Meter hoch soll die Wand werden und vor Lärm des Bahnhofs und auch vor Licht-Verschmutzung schützen. Aber Launer fürchtet, zu den wenigen zu gehören, für die der beste Standort für die Gewerbegebiets-Logistik ein großer Nachteil ist. Eine andere Anwohnerin klagt, dass bald acht Lkw pro Stunde zwischen Bahnhof und Batteriewerk fahren sollen. Immerhin: Die dürften elektrisch fahren und damit nicht so laut sein, heißt es vonseiten der Bahn und CATL.

Modell eines Containerbahnhofs
Der alte Güterbahnhof soll wieder reaktiviert werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Neue Leitung für stromhungrige Produktion

Zu den Kritikern der Ausbau-Arbeiten zählt auch die Bürgerinitiative BIT. Vor allem aus den kleinen Orten rund um das Gewerbegebiet kommen hier die Mitglieder. Sie sorgen sich besonders wegen der geplanten Stromleitung, die das CATL-Werk mit 110 Kilovolt versorgen soll. Die Photovoltaik auf den Dächern reicht nicht für die energiehungrige Produktion.

Dass die Leitung als Erdkabel verlegt wird, fordert deshalb Arno Rehm von der Bürgerinitiative. "Die Mehrkosten könnten doch quasi über eine Ausgleichsmaßnahme etwa für Baumfällungen gegenfinanziert werden." Gerade die Bewohner der kleinen Orte direkt am Gewerbegebiet hätten schon einiges schlucken müssen in den letzten Jahren - die neue Leitung sei da ein weiteres Ärgernis.

Auch Baumfällungen für Straßenerweiterungen sind ein Thema. Lösungen wurden am Dienstagabend keine gefunden. Stattdessen hat die Politik in Kommune und Land viele Hausaufgaben von Bürgern und Unternehmen bekommen. Trotzdem dürfte manches Haus oder Grundstück an Wert und Qualität verlieren, wenn es dem Gewerbegebiet immer besser geht.

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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 24.11.2021 19:00Uhr 02:01 min

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. November 2021 | 19:00 Uhr

10 Kommentare

Harka2 vor 1 Wochen

@thoralf1
Der Güterbahnhof von 1867 war nie stillgelegt, er wurde aber praktisch nur noch von der Bahn selber benutzt, denn es gibt mit dem Eisenwerk in Arnstadt tatsächlich nur noch einen alten intakten Werksanschluss. Im Eisenwerk Arnstadt werden Radsätze für die Bahn hergestellt und per Bahn abgeliefert. Die Strecke ins Gewerbegebiet wurde tatsächlich erst vor einigen Jahren neu gebaut, jedoch benutzen die Werke ihn nicht mehr. Das Solarzellenwerk war eine der Fehlinvestitionen in dem Gewerbegebiet und das Turbinenwerk nutzt den Anschluss offensichtlich nicht (das sagt zumindest der Rost auf den Schienen).

thoralf1 vor 1 Wochen

Prinzipiell kann man die Leute ja verstehen, aber:
1. Wer in die Nähe eines existierenden, nicht stillgelegten, Güterbahnhofes zieht muss mit Verkehr rechnen. Wer zuerst da war, hat Vorrecht. Das ist auch augenblickliche Rechtslage.
Genau wie in die Nähe eines Kindergartens ziehen und sich dann über Kinderlärm beschweren.
2. Es wollen doch angeblich alle Grün! Also braucht man Batterien!
3. Die Menschen wollen Arbeit, also braucht man Arbeitsplätze.

Harka2 vor 1 Wochen

Wieso glauben die Leute, dass eine unterirdische Stromleitung weniger Umwelt zerstört? Unterirdische Stromleitungen sind sehr teuer und sehr schlecht zu warten. Um sie herum muss ein breiter Streifen Landschaft gerodet werden, damit keine Wurzeln die Stromkanäle zerstören. Zusätzlich bedürfen diese Leitungen eine aktive Kühlung, da die Kabel nicht von der Luft gekühlt werden.

Die 15 kV-Leitung führt aber schon heute bis zum Gewerbegebiet bzw. nach Intershausen und Thörey. Die würde man nur um wenige Masten verlängern.

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