Arnstadt Bosch-Beschäftigte protestieren gegen Job-Abbau

Bundesweit haben am Freitag Beschäftigte des Bosch-Konzerns gegen den Abbau von Arbeitsplätzen demonstriert. Im thüringischen Arnstadt kamen rund 300 Menschen zu einer Kundgebung zusammen. Auch in Bühl und München wurde protestiert.

Demonstation Boschwerk Arnstadt
Das Bosch-Werk in Arnstadt ist von einer Schließung bedroht. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Vor dem Arnstädter Bosch-Werk haben am Freitagmittag rund 300 Menschen für den Erhalt von etwa 100 bedrohten Arbeitsplätze demonstriert. Zum 1. Dezember wird die Produktion von Lichtmaschinen-Reglern für Generatoren in Arnstadt eingestellt, weil es laut Konzern bald keine Aufträge mehr gibt. Nach Angaben der IG Metall widerspricht Bosch Deutschland damit dem Tarifvertrag, der die Arbeitsplätze bis Ende 2022 sichert. Ingesamt gibt es 160 Stellen am Standort Arnstadt.

Bosch-Beschäftigte wollen weitermachen

Ein Jahr bei vollen Bezügen zu Hause bleiben ist für die Mitarbeiter des Boschwerks keine Option. Sie wollen arbeiten. Viele Demonstranten sagten MDR THÜRINGEN, es fühle sich an, wie auf das Abstellgleist geschoben zu werden. Wie Kirsten Breuer von der IG Metall erklärte, wurde das Aus des Werks beschlossen, ohne den Betriebsrat einzubinden. Angebote der Bosch GmbH, ins 300 Kilometer entfernte Ansbach zu wechseln, bezeichnete er als nicht akzeptabel. Ebenso wie die sonst angedrohten betriebsbedingte Kündigungen. Rückhalt gab es auch von Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Er forderte den Erhalt des Arnstädter Werks.

Bilder Bildergalerie: Demonstration für den Erhalt von Bosch-Arbeitsplätzen

Ankunft Demonstranten vor Boschwerk
Ankunft der Demonstranten vor dem Boschwerk in Arnstadt Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann
Ankunft Demonstranten vor Boschwerk
Ankunft der Demonstranten vor dem Boschwerk in Arnstadt Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann
Demonstation Boschwerk Arnstadt
Rund 300 Menschen nahmen an der Demonstration teil. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann
IG Metall Mitglieder mit Demoschildern
Auch Plakate und Transparente waren mit dabei. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann
Anstecker an Jacke
Mit der Schließung des Werkes würden etwa 100 Arbeitsplätze wegfallen. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann
Demonstration IG Metall
Die Beschäftigten sind vor allem in der Gewerkschaft IG Metall organisiert. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann
Bosch-Karikatur auf Schild
Eine Karikatur auf einem Protestschild. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann
Demonstration IG Metall
Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann
IG Mitglieder mit Transparenten
Solidarität gab es auch aus dem Boschwerk in Hildesheim. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann
Alle (8) Bilder anzeigen
Demonstration IG Metall
Die Beschäftigen wollen, dass Bosch in Arnstadt und damit auch ihre Arbeitsplätze weiterhin eine Zukunft haben. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Der Geschäftsführer der Robert Bosch Elektronik Thüringen GmbH, Lutz Welling, sagte am Freitag, das Unternehmen wolle mit dem Betriebsrat einen Sozialplan und einen Interessenausgleich vereinbaren. Bosch sei sich seiner Verantwortung bewusst und halte alle "getroffenen Vereinbarungen und Tarifverträge selbstverständlich ein". Das gelte insbesondere für den für den Standort gültigen Überleitungstarifvertrag.

Bundesweite Proteste gegen Stellenabbau

Nach Angaben der IG Metall haben am Freitag bundesweit Beschäftigte von Bosch gegen den Abbau von Arbeitsplätzen protestiert. Allein im badischen Bühl seien es rund 3.000 Menschen gewesen. Hier sollen nach Unternehmensangaben bis 2025 rund 700 Vollzeitstellen sozialverträglich abgebaut und weniger als die Hälfte nach Osteuropa verlagert werden. In München seien rund 600 Beschäftigte auf die Straße gegangen. Dort wird Bosch zufolge mit rund 265 Beschäftigten über das Verlagern der industriellen Fertigung an andere Standorte gesprochen.

Gewerkschaft kritisiert Spaltung der Belegschaft

Der baden-württembergische IG-Metall-Chef Roman Zitzelsberger erklärte, Verlagerungen in Billiglohnländer nähmen zu - nicht nur bei Bosch. Bosch-Geschäftsführerin Filiz Albrecht äußerte Verständnis für die Sorge um die Arbeitsplätze. Der Konzern sei sich seiner unternehmerischen Verantwortung bewusst. Die Autoindustrie müsse einen raschen Übergang vom Benzin- und Dieselauto zum Elektroauto schaffen, um die Klimavorgaben der EU einzuhalten. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Bosch Mobility Solutions, Frank Sell, kritisierte: "Bosch spaltet die Belegschaft in Gewinner und Verlierer des Strukturwandels."

Quelle: MDR(cfr)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19. November 2021 | 19:00 Uhr

10 Kommentare

gilse vor 1 Wochen

Der Kauf von klimaschädlichen Produkten wird auch erheblich reduziert. Die Vordenker der Grünen haben möglicherweise schon damals so weit gedacht, als sie mit der sPD, den Sozialabbau Hartz4 beschlossen haben.
PS: Auf dem Rummel kann man aber auch E-Scooter fahren, wenn man als Betroffener spart.😁

nicht vergessen vor 1 Wochen

Jeder bekommt das was er gewählt hat.
Auf gehts in die schöne Welt von Pipi ,oder besser der Anna -Lena.
Freut Euch darauf,wird noch besser wie im "Besten Deutschland aller Zeiten"

Hansi63 vor 1 Wochen

#wolle010, ich bin genau Ihrer Meinung !
Die Grünen waren schon seit Ihrer Gründung gegen das Auto, vielleicht erzählen sie den Bürgern in 10 o. 20 Jahren wie schädlich doch ein Elektroauto für die Umwelt ist.
Nein, es ist nur das Geheuchel von Politikern die sich gegen Verbrenner Autos so stark positionieren und wenn es dann so kommt mit Werken die dann nicht mehr benötigt werden und schließen müssen, dann ist das gespielte Gejammere groß ! Was soll denn dann sonst in diesen Bosch Werk hergestellt werden wenn bei einen E-Auto nur noch wenige Teile benötigt werden ? Wäscheklammern oder Kochtöpfe.........????

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