Fahrzeugbau "Zusammengehen macht Sinn": Binz aus Ilmenau übernimmt MAN-Werk Plauen

Wachstumsraten von 25 Prozent in den vergangenen Jahren, 56 Millionen Euro Jahresumsatz und 220 Beschäftigte: Der Sonderfahrzeugbauer Binz in Ilmenau hat sich in den vergangenen Jahren kräftig entwickelt. Mit der Übernahmen des Plauener MAN-Werks geht die Expansion weiter. "Da passt so viel", sagt Geschäftsführerin Cathrin Wilhelm.

Das MAN-Werk in Plauen wird ab 1. April Teil des Thüringer Sonderfahrzeugherstellers Binz Ambulance- und Umwelttechnik GmbH in Ilmenau. In Sachsen war das die Top-Meldung am Montag. Denn das Werk war von der Schließung bedroht. Nun wird es Teil des Thüringer Unternehmens. Die rund 130 Plauener Mitarbeiter lassen das Thüringer Unternehmen um knapp ein Drittel wachsen.

Binz ist Spezialist für Sonderfahrzeuge

Die Binz Ambulance- und Umwelttechnik in Ilmenau ist ein Spezialist für Sonderfahrzeugbau. Gut 220 Mitarbeiter bauen Fahrzeuge zu Rettungswagen, Polizeiautos oder THW-Lkw aus. Cathrin Wilhelm ist seit 2015 geschäftsführende Gesellschafterin. Unter ihrer Führung wuchs das Unternehmen um jährlich gut 25 Prozent. Sie ist stolz auf den Standort Ilmenau und vor allem auf ihre Mitarbeitenden, sagt sie: "Sie haben sich in den letzten fünf Jahren wieder eine ganz andere Marktteilnahme erarbeitet. Wir haben Projekte und Aufträge zurück gewonnen. Wir haben neue Kunden akquirieren können und die Auftragsbücher sind voll."

Und so kann sich auch das vergangene Geschäftsjahr sehen lassen. Das Unternehmen machte 56 Millionen Euro Umsatz. 1.500 Fahrzeuge haben das Werk in Ilmenau verlassen. Das Wachstum bringt den Standort Ilmenau aber auch an seine Grenzen. Nicht nur Fertigungskapazitäten würden gebraucht, sondern auch Expertise. Es brauche also besonderes Fachwissen und gut ausgebildete Fachkräfte.

Langwierige Verhandlungen mit MAN

Umgeschaut habe man sich schon länger, so Wilhelm. Dann kam die Chance in Plauen. Im MAN-Werk wurden Busse und Vans ausgebaut. Da passte so viel, sagt sie. Ein Zusammengehen habe Sinn gemacht, für beide Seiten. Und fügt hinzu: "Ehrlich gesagt, der Van-Ausbau ist in der Tat ein sehr wichtiges Verkaufsargument gewesen. Das passt 1:1 in unser Produktportfolio in Thüringen. Grundsätzlich gilt, alles was an neuem Wissen dazu kommt, wird herzlich gerne aufgenommen." Und darf das Produktportfolio langfristig gern erweitern.

Die Verhandlungen mit MAN waren langwierig und durchaus auch heftig, sagt Wilhelm. So sieht es auch Plauens Betriebsratschef Markus Galle: "Jetzt geht's hier weiter. Es gibt für die Menschen eine Zukunft. Natürlich kommt hier eine neue Firma rein und bietet uns mit ihren Produkten eine neue Zukunft. Das heißt, auch wir müssen uns jetzt auf Veränderungsprozesse einstellen. Und da gibt es auch immer noch das eine oder andere, das man voneinander lernen muss."

"Erleichterung in Plauen zu spüren"

Ein Betriebsübergang zum 1. April sei sportlich, sagt Wilhelm. Aber das bekäme man schon hin. Die Mitarbeitenden in Ilmenau wurden am Montagmorgen zuerst über den sächsischen Zuwachs informiert. Die Truppe freue sich auf die neuen Kolleginnen und Kollegen, sagt sie. Sie sei dann mit einem Gruß der Ilmenauer Belegschaft nach Plauen gefahren. Dort habe sie die Firma Binz erstmals den Beschäftigten vorgestellt und sie habe die Grüße ausgerichtet. In Plauen sei Erleichterung zu spüren gewesen. Es herrsche Vorfreude und Optimismus, dass der Standort dort erhalten werden kann. "Packen wir es an! Das schaffen wir schon!" Das ist das Feedback, was sie mitgenommen hat, sagt sie.

Expansion auch in Ilmenau geplant

In naher Zukunft sei ein wenig Reisetätigkeit angesagt, lacht sie. Die Plauener würden nach Ilmenau kommen. Und Ilmenauer würden nach Plauen fahren. So sei das eben, wenn sich verschiedene Produktionsabläufe ineinander verzahnen. Umziehen müsse aber niemand. Und auch ein Rückzug aus Ilmenau stehe nicht zur Debatte. "Das Bekenntnis zum Standort Ilmenau ist sowas von unerschütterlich!", sagt Cathrin Wilhelm. "Die Kultur und die DNA, die die Ilmenauer mit Binz verbunden haben und in den letzten fünf Jahren so massiv nach vorne getragen haben, die haben den Erfolg erst möglich gemacht."

In Plauen werden in den kommenden Wochen die letzten Aufträge abgearbeitet. Die Busse rollen Stück für Stück vom Hof und machen Platz für andere Fahrzeuge und erste Aufträge aus Ilmenau. Am Heimatstandort wird Binz unterdessen auch expandieren. Mit einem Kauf eines weiteren Werkes in der Nachbarschaft des Ilmenauer Firmengeländes soll der Standort dort vergrößert werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 10. März 2021 | 18:05 Uhr

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