Ilm-Kreis Alltagsrassismus: Firma in Ilmenau verliert wichtigen Mitarbeiter

Bei einem Ilmenauer Unternehmen hat ein Mitarbeiter gekündigt, weil er und seine Familie abseits der Arbeit immer wieder rassistisch angefeindet wurden. Die Firma verliert nicht nur einen geschätzten Kollegen, sondern auch eine wichtige Arbeitskraft. Alltagsrassismus in Thüringen sei kein Einzelfall, sagt die Integrationsbeauftragte Mirjam Kruppa.

Das Ilmenauer Unternehmen Solvimus muss einen harten Verlust verkraften. Ein Mitarbeiter hat völlig unerwartet die Firma verlassen. Grund dafür sei Alltagsrassismus abseits der Arbeit, so die Geschäftsführer Remo Reichel und Sebastian Bauer. Bei Solvismus war er ein geschätzter Kollege, der sich immer wohlgefühlt habe, berichten die Mitarbeiter.

Der Schritt, all das nun hinter sich zu lassen, ist drastisch, für den Betroffenen aber offenbar notwendig. Immer wieder seien er und seine Familie rassistisch angefeindet worden. Nicht mal die kleine Tochter sei in der Kita davor sicher gewesen.

Alltagsrassismus ist kein Einzelfall

Ilmenaus Oberbürgermeister Daniel Schultheiß (parteilos) äußerte Bestürzung über die Ereignisse. Besonders in einer Universitätsstadt wie Ilmenau, wo inzwischen 34 Prozent ausländische Studierende eingeschrieben sind, sei ein solcher Vorfall schmerzhaft.

Alltagsrassismus sei kein Einzelfall, sagt die Thüringer Integrationsbeauftragte Mirjam Kruppa. Tagtäglich werden Erfahrungen wie diese an sie herangetragen. Dass Menschen irgendwann die Reißleine ziehen und das Bundesland verlassen, sei ein völlig nachvollziehbarer Schritt, so Kruppa.

Mitarbeiter sind geschockt

Bei Solvimus herrscht seit den Vorfällen angespannte Stimmung. Sichtlich betroffen die Mitarbeiter, die über die Nachricht zugleich überrascht, wie geschockt sind. 24 Menschen arbeiten bei Solvimus. Das Start-up befindet sich gerade noch in der heißen Phase des Wachstums. Die Atmosphäre im Kollegium sei immer freundschaftlich und eng gewesen.

Wie es jetzt weitergeht, darüber muss sich das Team erst beraten. Die Ereignisse einfach so stehen lassen will die Chefetage aber nicht. Gestern veröffentlichte Remo Reichel bereits einen emotionalen Beitrag auf dem Businessportal LinkedIn.

Darin schreibt er, "Verlegenheit, Unsicherheit, Hilflosigkeit und Beunruhigung" haben ihn dazu bewegt, sich mit der Geschichte seines Mitarbeiters an die Öffentlichkeit zu wenden. Es beschäme ihn, in einem wirtschaftlichen und privaten Umfeld tätig zu sein, in dem Rassismus noch immer eine Rolle spiele. Der Betroffene selbst möchte zum eigenen Schutz lieber anonym bleiben.

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Hintergründe sollen aufgearbeitet werden

Abwanderung von Fachkräften ist auch ein großes Problem für die Wirtschaft, sagt Gerald Bitterberg vom Mittelstandsverband. Demnach sei der Druck auf den Arbeitsmerkt "enorm". Der demografische Wandel habe dazu geführt, dass man auf ausländische Kräfte angewiesen sei.

Warum Menschen rassistisch angefeindet werden, die "alles am Laufen halten", ist für ihn völlig unverständlich. Die genauen Hintergründe der Ereignisse bei Solvimus sollen nun mithilfe von Wirtschaftsförderern aufgearbeitet werden.

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MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 19. August 2022 | 09:30 Uhr

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