Bildung Stadtilmer Schüler demonstrieren für ein eigenes Gymnasium

16. November 2022, 21:38 Uhr

Eine gymnasiale Oberstufe für die Gemeinschaftsschule in Stadtilm im Ilm-Kreis soll geprüft werden. Das hat am Mittwoch der Kreistag beschlossen. Bis Februar 2023 sollen dem Kreistag die Ergebnisse vorliegen. Erst dann kann entschieden werden, ob Schülerinnen und Schüler zukünftig in Stadtilm ihr Abitur machen können.

Schüler aus Stadtilm demonstrieren in Arnstadt.
Für ein Abi in Stadtilm: Der Kreistag will eine öffentliche Anhörung mit allen Beteiligten veranstalten. Bildrechte: Gemma-Lee Meyer

In einer öffentlichen Anhörung sollen alle Beteiligten zu Wort kommen. Das sind Gremien der Schule, die Kreisverwaltung, Schulamt und Bildungsministerium. Der Regionalbus-Betreiber IOV Omnibusverkehr GmbH Ilmenau und der Gemeinde- und Städtebund sollen ebenfalls einbezogen werden. Der Kreistag stimmte dem schon im Frühjahr gestellten Antrag mehrheitlich zu.

Diskussion um Oberstufe läuft seit Jahren

Die Diskussionen um eine mögliche Oberstufe in Stadtilm wird seit Jahren geführt. Nach Angaben von Schulleiter Jens Günschmann wurde der erste Antrag bereits 2010 gestellt. Der Landkreis als Schulträger lehne eine Oberstufe an der Gesamtschule bisher aus verschiedenen Gründen ab. Zum einen wird davon ausgegangen, dass Räume und Personal nicht ausreichen würden. Zudem werde befürchtet, dass die Gesamtschule viele Schülerinnen und Schüler anzieht, die anderen Gymnasien dann fehlen würden.

Schüler aus Stadtilm demonstrieren in Arnstadt
Innerhalb einer Woche haben die Stadtilmer Schüler und Lehrer der Gemeinschaftsschule rund 3.000 Unterschriften für eine gymnasiale Oberstufe gesammelt. Bildrechte: Gemma-Lee Meyer

Nach Angaben des Schulleiters besuchen derzeit 580 Schülerinnen und Schüler die Gemeinschaftsschule in Stadtilm. Vor fünf Jahren seien es nur 360 gewesen. Auch dieser Zuwachs spreche für eine Oberstufe. Die Schüler kämen aus Stadtilm und aus fast 50 umliegenden Orten. Von den fast 50 Lehrerinnen und Lehrern hätten nach Güschmanns Angaben neun eine Befugnis, in der Oberstufe zu unterrichten.

Für das Abi nach Erfurt, Neudietendorf oder Ilmenau

Derzeit müssen Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule an Gymnasien beispielsweise in Arnstadt, Rudolstadt, Neudietendorf, Erfurt oder Ilmenau wechseln, wenn sie das Abitur machen wollen. Das bedeutet für sie, einen Schulweg von bis zu einer Stunde zurücklegen zu müssen.

Vor der Kreistagssitzung hatten 80 Mütter, Väter, Schülerinnen und Schüler sowie die Schulleitung für die gymnasiale Oberstufe an der Gemeinschaftsschule demonstriert. Innerhalb einer Woche sammelte die Schule fast 3.000 Unterschriften dafür.

MDR (wdy/co)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 16. November 2022 | 19:00 Uhr

6 Kommentare

MDR-Team am 17.11.2022

Lieber Martin,

danke für den Hinweis. Die im Text genannten Orte sind Beispiele. Viele Schüler gehen auch nach Arnstadt oder Rudolstadt auf die Gymnasien. So oder so: Die Anfahrtswege bleiben lang.

Liebe Grüße aus der Online-Redaktion
MDR THÜRINGEN

martin am 17.11.2022

@MDR: Würde "Arnstadt" (mit der vermutlich besten Busanbindung nach Stadtilm) vergessen oder können Stadtilmer Schüler aus irgendeinem Grund nicht nach Arnstadt auf das Gymnasium wechseln?

martin am 17.11.2022

Ich kann die Stadtilmer durchaus verstehen - die Fahrzeiten zu den Gymnasien sind - vermutlich vor allem für die Jugendlichen aus den Dörfern, die dann noch in Stadtilm umsteigen müssen - vermutlich schon mehr als nervig.

Auch dass die Schulleitung die Sorge hat, dass Lehrer mit Lehrbefähigung für die Oberstufe an eine andere Schule wechseln, finde ich nachvollziehbar.

Allerdings frage ich mich, wie bei einer so kleinen (einzügigen) Oberstufe dann noch eine sinnvolle Kurswahl erfolgen soll. Ob das dann bildungspolitisch wirklich sinnvoll ist?

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