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Das Landratsamt des Ilm-Kreises in Ilmenau. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Willkommen Verbrechen?

Nach Gotha geschickt: Ilm-Kreis ohne Kriminalbeamte vor Ort

von Sandra Voigtmann, MDR THÜRINGEN

Stand: 01. Juni 2021, 06:02 Uhr

Verbrechen aufklären - das könnte im Ilm-Kreis künftig noch aufwendiger werden. Dort nämlich wird es ab 1. Juli keine Kripobeamten mehr vor Ort geben. Das ergab eine Recherche von MDR THÜRINGEN, die die Landespolizeiinspektion Gotha bestätigt hat. Im Landratsamt des Ilm-Kreises, aber auch im Arnstädter Rathaus war man überrascht von dieser Entscheidung.

Sexualverbrechen, Totschlag, Mord, aber auch Erpressung, schwerer Raub oder Diebstahl gehören zum Aufgabengebiet der fünf Kriminalbeamten, deren Dienstort derzeit noch Arnstadt ist. Einige Fälle wie die Babyleiche von Geschwenda, der Kehltalmord, die mit 70 Kilometer pro Stunde angefahrene ehemalige Lebensgefährtin oder aber Serieneinbrüche und bandenmäßiger Diebstahl von Solarmodulen schaffen es in die Schlagzeilen. Doch die Arbeit der Kriminalbeamten im Ilm-Kreis umfasst hunderte Fälle mehr im Jahr.

Unverständnis im Landkreis

Dass die Beamten nun ihren Dienst von Gotha aus leisten sollen, stößt im Landkreis auf Unverständnis. "Das ist für mich nicht nachvollziehbar, dass eine solche Entscheidung hier getroffen wird", sagt Petra Enders, Landrätin des Ilm-Kreises.

Und weiter: "Wenn man sich die Kriminalstatistik des Ilm-Kreises anschaut, dann ist der Ilm-Kreis ganz vorn dabei. Und ich denke, da gehört die Kriminalpolizei auch vor Ort. Diese Entscheidung ist für mich nicht begreifbar."

Bereits vor Jahren wurden Kriminalbeamte von Ilmenau nach Arnstadt versetzt. Nun der Umzug nach Gotha zur Stammdienststelle. Der Ilm-Kreis steht ab 1. Juli 2021 ohne Kriminalbeamte mit Dienststelle im Landkreis da.

Das Einpendeln zum Fallgeschehen in den Ilm-Kreis koste wichtige Zeit, die für das Bearbeiten von Fällen gebraucht werde, so Landrätin Enders. "Die Kriminalpolizei gehört nicht auf die Autobahn", sagte sie MDR THÜRINGEN.

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Video: Kripo verlässt Arnstadt

Ilm-Kreis ab Juli 2021 ohne Kriminalbeamte mit Dienststelle

Für ein Interview standen MDR THÜRINGEN weder die Leiterin der Kriminalpolizeiinspektion Gotha noch der Behördenleiter der Landespolizeiinspektion Gotha zur Verfügung.

Bei den Interviews mit der Landrätin des Ilm-Kreises und dem Bürgermeister der Stadt Arnstadt wollte die Landespolizeiinspektion aber dabei sein, haben uns beide erzählt. Sie haben das abgelehnt. Unsere schriftliche Anfrage an die Landespolizeiinspektion Gotha wurde nur unzureichend beantwortet und telefonische Nachfragen wurden am Montag abgelehnt. Von Seiten der Landespolizeiinspektion Gotha hieß es zum Umzug schriftlich:

"[…] Sogenannte temporäre Organisationeinheiten, wie in Arnstadt geschehen, […] sind solange zu betreiben, bis der Grund der Einrichtung entfallen ist. […] Selbstverständlich werden im Einzelfall auch z. B. Vernehmungen in der Polizeistation in Arnstadt durchgeführt. Eine weniger gute Betreuung ist in keinem Fall zu erwarten, eher das Gegenteil."

Landespolizeiinspektion Gotha

Viele offene Fragen

Ähnlich wie im Landratsamt ist man auch im Arnstädter Rathaus skeptisch. "Im Grundsatz wäre ich davon ausgegangen, dass wir bei so einer wichtigen Entscheidung im Vorfeld informiert werden", sagte Arnstadts Bürgermeister Frank Spilling MDR THÜRINGEN. Er will ebenso wie die Landrätin das Gespräch suchen mit dem Innenministerium und mit der Landespolizeidirektion.

Spilling will fragen, wie der Wegfall der Kripobeamten aus Arnstadt kompensiert werden soll. Der Abzug von Kriminalbeamten von Arnstadt nach Gotha und damit weg aus dem Ilm-Kreis - ein Thema mit noch vielen offenen Fragen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 31. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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