Leerer Himmel - leere Wartungshallen Weniger Turbinen-Wartungen bei N3 am Erfurter Kreuz

Tausende Flugzeuge blieben während der Corona-Pandemie am Boden. Für das Triebwerks-Wartungsunternehmen N3 bei Arnstadt bedeutet das einen deutlichen Rückgang an Aufträgen.

Gebäude N3
Die N3 Engine Overhaul Services GmbH hat ihren Sitz in Arnstadt. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Kondensstreifen waren in den letzten Monaten selten am Himmel zu sehen. Wegen der Corona-Pandemie kam der internationale Flugverkehr fast vollständig zum Erliegen. Tausende Flugzeuge blieben am Boden. Weniger Flugzeuge am Himmel heißt aber auch weniger Flugzeugtriebwerke in den Wartungshallen. Das macht sich zeitversetzt auch bei N3 Engine Overhaul Services, dem Gemeinschaftsunternehmen von Lufthansa Technik AG und Rolls-Royce plc., am Erfurter Kreuz bemerkbar, so Geschäftsführer Ullrich Geidel.

Deutlicher Rückgang seit Mai

Bis Ende März habe es noch genügend Aufträge aus der Zeit vor der Corona-Pandemie gegeben, die abgearbeitet wurden, so Geidel. Bis zu 30, in Spitzenzeiten auch bis zu 40 Triebwerke, können gleichzeitig in den Hallen am Lützer Feld gewartet werden. Zwei bis drei Monate dauern diese Arbeiten an einem Triebwerk.

Ab Mai sank die Zahl der ankommenden Triebwerke jedoch deutlich. Er hoffe, dass im August oder September der Tiefpunkt der Krise erreicht sei, so Geidel, und dass es danach langsam wieder aufwärts gehe mit der Auftragslage. Bis Ende des Jahres wolle man wieder 25 bis 30 Triebwerke gleichzeitig in der Werkshalle haben. Jedoch sei die Gesamtsituation von viel Unsicherheit geprägt, da niemand vorhersehen könne, wann sich die internationale Corona-Situation erholt und ob es noch eine "zweite Welle" gibt.

Werkshalle N3 innen
Bis zu 40 Triebwerke können hier gleichzeitig gewartet werden. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

700 Mitarbeiter in Kurzarbeit

Natürlich müsse man in solchen Zeiten auf die Kosten schauen, sagte Ullrich Geidel MDR THÜRINGEN. Ziel sei es, am Ende des Jahres eine schwarze Null schreiben zu können. Geschaut werde jetzt auf Sach-, aber auch auf Personalkosten. So sind seit Mai etwa 700 der 810 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Das sei ein gutes Instrument, um die Kosten des Unternehmens zu senken.

Geidel geht davon aus, dass N3 noch längere Zeit auf Kurzarbeit angewiesen sein wird, um die Herausforderungen abzufedern. Deshalb hofft er auch, dass die Bundesregierung die Regelung zur Kurzarbeit wegen der Corona-Pandemie nochmals verlängert. Das würde dem Unternehmen Luft verschaffen. Die Auszubildenden sind von der Kurzarbeit nicht betroffen, hieß es. Auch die neuen Auszubildenden können wie geplant am 1. September 2020 ihre Ausbildung beginnen.

Möglichst keine betriebsbedingten Kündigungen

Derzeit werden nach Unternehmensangaben viele Maßnahmen zur Kostenkontrolle geprüft. So wurde die Sonn- und Feiertagsarbeit gestrichen und aktuell wird statt der üblichen drei Schichten nun durchgängig nur noch in zwei Schichten gearbeitet. 40-Stunden-Verträge wurden zu 38-Stunden-Verträgen umgewandelt. Betriebsbedingte Kündigungen, so der Geschäftsführer, sollen nach aller Möglichkeit vermieden werden.

Hoffen auf neuen Triebwerkstyp

Eine deutliche Belebung in der Auslastung erhofft sich Geidel von dem neuesten Triebwerkstyp, den N3 ins Portfolio aufgenommen hat. Es ist das Triebwerk, das am Airbus A350 eingesetzt wird: das Rolls-Royce Trent XWB-84. Derzeit sind bereits wieder 30 bis 40 Prozent dieser Flugzeuge im weltweiten Einsatz und nicht mehr am Boden. Tendenz steigend, sagt Geidel. Dieser Langstreckenflugzeugtyp werde sich vergleichsweise schnell von der Krise erholen, meint er. Das wirke sich dann auch auf das Unternehmen in Arnstadt aus. Schon 2021 könnte dieses Triebwerk den größten Anteil am Auftragsvolumen bei N3 bilden.

Startender Airbus A350
Das Triebwerk des A350 könnte schon bald das Auftragsvolumen steigern. Bildrechte: Lars Müller/MDR

Gleichzeitig konzentriere man sich weiterhin auf den Trent 700, das den Airbus A330 antreibt. Hiervon wurden bei N3 bereits 300 Stück in Arnstadt gewartet. Das Trent 500-Triebwerk des A340, das in den Anfangsjahren von N3 von größter Bedeutung war, rückt immer weiter in den Hintergrund. Denn Flugzeuge mit vier Triebwerken werden aus wirtschaftlichen Gründen von den Airlines immer seltener zum Einsatz gebracht. In jedem Fall werde N3 schnell auf Veränderungen in der Nachfrage reagieren, sagte Geidel. Er hofft, dass sich das Reiseverhalten im Geschäftsleben und im Tourismus möglichst bald wieder stabilisiert.

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 21. Juli 2020 | 11:00 Uhr

1 Kommentar

Tamico161 vor 47 Wochen

Da müssen sofort staatliche Hilfen her!

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