Puschkin-Museum leiht Werke nach Gotha aus Kultur als Botschafter in schwieriger Zeit

Mit den deutsch-russischen Beziehungen steht es nicht zum Besten - da lässt diese Ausstellung aufhorchen: Das Herzogliche Museum Gotha zeigt seit Sonntag herausragende Werke aus der Sammlung des Puschkin-Museums Moskau.

Blick auf auf Schloss Friedenstein mit dem Denkmal Herzog Ernst I.
Das Schloss Friedenstein in Gotha. Bildrechte: IMAGO / photo2000

Eigentlich ist am Sonntag im Herzoglichen Museum in Gotha nur eine Ausstellung eröffnet worden - mit 27 Meisterwerken der französischen Malerei und Grafik aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Doch schon die Gästeliste zeigt, dass dies mehr ist als ein Kulturereignis, ja: ein Politikum. Denn Schirmherr ist der deutsche Außenminister, erwartet werden die Botschafter Russlands und Frankreichs - und Michail Schwydkoi, der Sonderbeauftragte von Präsident Wladimir Putin für Fragen der internationalen kulturellen Zusammenarbeit.

Gezeigt werden in Gotha herausragende Werke aus der Sammlung des Puschkin-Museums Moskau. Aus der Dauerausstellung wurden Spitzenstücke beispielsweise von Claude Lorrain, Nicolas Poussin, Francois Boucher und Jacques-Louis David ausgewählt, um sie drei Monate lang nach Gotha zu geben. Und das ist derzeit noch kein deutsch-russischer Alltag.

Rückgabe-Garantie für jedes Gemälde

Zwei Jahre Vorlauf und Organisation hat es gebraucht, bis die französischen Meisterwerke jetzt in die Oberlichtsäle des Gothaer Museums gehängt werden konnten. Man müsse politische Überzeugungsarbeit leisten, sagt Kurator Timo Trümper - und die Transport- und Versicherungskosten seien immens. Außerdem musste für alle Werke eine staatliche Rückgabegarantie eingeholt werden. Denn da ist ja noch die politisch strittige Frage der "kriegsbedingt verlagerten Kunstwerke" - jener Kunstwerke, die die Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg als Reparationsleistung aus Deutschland abtransportieren ließ. Davon waren auch die Gothaer Sammlungen stark betroffen. Ein Teil der beschlagnahmten Kunstschätze kehrte 1958 nach Thüringen zurück, der Rest blieb in Moskau, auch im Puschkin-Museum.

Deshalb war es ein "Zeichen der Annäherung und Wertschätzung", so Trümper, dass Irina Antonowa 2013 die Festrede hielt, als das Herzogliche Museum Gotha als Kunstmuseum wiedereröffnet wurde. Antonowa war lange Jahre Direktorin und ist inzwischen Präsidentin des Moskauer Puschkin-Museums. Zu kriegsbedingt verlagerter Kunst hat sie immer eine klare Haltung vertreten: keine Rückgabe. Bei ihrer Rede 2013 aber bot sie an, Kunst aus ihrem Museum nach Gotha zu schicken. Das ist jetzt geschehen.

Gothaer Cranach-Gemälde in Moskau vereint

Zuvor aber gab es bereits im vergangenen Jahr ein außergewöhnliches Projekt in Moskau, an dem die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha als Hauptleihgeber und Kooperationspartner beteiligt war: Das Puschkin-Museum widmete Lucas Cranach dem Älteren eine große Ausstellung. Mit dabei nicht nur 26 Cranach-Gemälde und -Grafiken der Stiftung Friedenstein, sondern auch 17 Gemälde aus Gothaer Beständen, die 1946 nach Moskau gingen und dort verblieben. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg waren die Cranachs der ursprünglichen herzoglichen Sammlung wieder vereint.

Die Ausstellung in Moskau war sehr erfolgreich: Rund 200.000 Besucher kamen, die Menschen standen Schlange. In Gotha hätte diese Ausstellung nicht gezeigt werden können: Die deutschen Gesetze hätten es nicht erlaubt, die kriegsbedingt verlagerten Gemälde nach Moskau zurückkehren zu lassen. Deshalb hat das Puschkin-Museum französische Meisterwerke geschickt: als besondere Geste, als Antwort auf die Cranach-Ausstellung. Das kulturelle Band hält - ungeachtet aller politischen Differenzen.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im: MDR THÜRINGEN JOURNAL | 12.05.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | 13.05.2017 | Fazit | ab 18:00 Uhr

Mehr aus Mittelthüringen

Ein Buga-Liegestuhl auf den Petersberg unter grauen Wolken 1 min
Bildrechte: MDR/Andreas Kehrer

Auf der Bundesgartenschau in Erfurt lassen Langfinger manches mitgehen. Einige Besucher finden die Liegestühle so toll, dass sie sie kurzerhand durch die Drehkreuze am Ausgang tregen.

27.09.2021 | 18:11 Uhr

Mo 27.09.2021 17:20Uhr 01:24 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/mitte-thueringen/erfurt/video-buga-liegestuhl-diebstahl-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Kanzeluhr 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Lustige Figuren aus Zwiebeln. 1 min
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Bis Sonntag laden Händler und Landwirte in Apolda zum Herbstmarkt - der traditionelle Zwiebelmarkt ist coronabedingt ausgefallen.

24.09.2021 | 20:51 Uhr

MDR THÜRINGEN Fr 24.09.2021 19:00Uhr 00:29 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/mitte-thueringen/apolda-weimarer-land/video-zwiebelmarkt-herbstmarkt-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Mehr aus Thüringen

Ein Buga-Liegestuhl auf den Petersberg unter grauen Wolken 1 min
Bildrechte: MDR/Andreas Kehrer

Auf der Bundesgartenschau in Erfurt lassen Langfinger manches mitgehen. Einige Besucher finden die Liegestühle so toll, dass sie sie kurzerhand durch die Drehkreuze am Ausgang tregen.

27.09.2021 | 18:11 Uhr

Mo 27.09.2021 17:20Uhr 01:24 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/mitte-thueringen/erfurt/video-buga-liegestuhl-diebstahl-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Ein Sperrschild und ein Baufahrzeug versperren die Zufahrt zur Wartburg, 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr aus der Region